Mehrheitseigner äußern aber klare Forderung

Überraschende Ankündigung: VW-Chef Diess gibt Führung der Kernmarke ab - doch Porsche/Piëch-Clan hält zu ihm

Wie der Aufsichtsrat von VW am Montag bekannt gab, ist Herbert Diess nicht länger Chef der Kernmarke. Der 61-Jährige bleibt jedoch weiterhin VW-Konzernchef. Nun haben sich die Mehrheitseigner des Autobauers geäußert.

  • Herbert Diess ist nicht mehr länger Chef der Kernmarke bei VW.
  • Ersetzt wird der 61-Jährige von dem bisherigen Co-Geschäftsführer Ralf Brandstätter.
  • Die Mehrheitseigner des Konzerns stehen zwar weiter hinter Diess - haben aber eine klare Forderung. 

Update vom 9. Juni, 13.49 Uhr: Obwohl VW-Konzernchef Herbert Diess nicht mehr länger hauptverantwortlich für die Markenspitze des Autobauers sein wird, stehen die Familien Porsche und Piëch hinter Diess - mahnen allerdings, die Baustellen im Unternehmen müssten nun dringend beseitigt werden. 

„Herr Diess hat sich in aller Form entschuldigt, er hat dabei den gesamten Aufsichtsrat adressiert“, lautete ein Statement der Mehrheitseigner von Volkswagen am Dienstag. Die Kapitalseite stehe weiter hinter ihm. Die Eigner betonten allerdings auch, dass es höchste Zeit sei, zur Sacharbeit zurückzukehren. „Klar ist auch: Das Unternehmen muss jetzt in ruhigeres Fahrwasser kommen“, hieß es. 

VW-Vorstandsvorsitzender äußerte Vorwürfe gegen Aufsichtsräte

Am Montagabend hatte VW überraschend mitgeteilt, dass Diess zum 1. Juli die Leitung des Tagesgeschäfts der wichtigen Kernmarke an den bisherigen Co-Geschäftsführer Ralf Brandstätter abgibt. Dabei gehe es um eine Neuordnung sowie „mehr Freiraum“ für Diess als Konzernchef in der Steuerung der Gesamtstrategie, so die offizielle Begründung.

Kurz danach wurde bekannt, dass der Vorstandsvorsitzende einzelnen Aufsichtsräten Straftaten und fehlende Integrität vorgeworfen hatte. Vor mehreren Tausend Führungskräften beklagte er sich in der vorigen Woche demnach über die Nennung kritischer Interna zu anhaltenden Problemen in der Golf-Produktion oder seinem angeblichen Wunsch nach einer frühzeitigen Vertragsverlängerung. Aus dem Umfeld des Konzerns hieß es, die Aussagen hätten zu beträchtlichen Irritationen geführt.

Diess sei ein erfolgreicher Manager, der mit Elektrifizierung und Digitalisierung wichtige Themen vorangetrieben habe, betonte der Hauptaktionär Porsche-Holding. „Aber Probleme müssen gelöst werden.“

VW-Konzernchef Diess nicht mehr an der Spitze der Kernmarke 

Erstmeldung vom 8. Juni 2020: 

Wolfsburg - Herbert Diess, der Chef des VW-Konzerns, steht nicht mehr länger an der Spitze der Kernmarke. Wie der Aufsichtsrat von Volkswagen nach einer Sondersitzung am Montag mitteilte, übergibt Diess die Führung der Kernmarke an den bisherigen Co-GeschäftsführerRalf Brandstätter. Diess war zuletzt wegen Technikproblemen in die Kritik geraten und soll durch diese Maßnahmen „mehr Freiraum für seine Arbeit als Konzernchef“erhalten. Als Vorsitzender des Markenvorstands war er bisher auch für die Marke mit dem VW-Logo verantwortlich.

VW: Diess gibt Führung der Kernmarke ab - Brandstätter übernimmt 

Künftig kümmert sich Diess primär um die Leitung der ganzen Volkswagen-Gruppe. Nach wie vor habe der 61-Jährige aber die „die Gesamtverantwortung für den Bereich Volkswagen Pkw sowie die Markengruppe Volumen“ inne, wie es hieß. „Ziel ist eine stärkere Fokussierung auf die jeweiligen Aufgaben an der Spitze von Konzern und Marke in der laufenden Transformationsphase der Automobilindustrie.“

Brandstätter hatte schon wichtige Bereiche des Tagesgeschäfts bei der VW-Kernmarke gelenkt. Ab kommenden Monat steht der bisherige „Chief Operating Officer“ dann alleine an der Spitze. „Er hat bereits in den zurückliegenden zwei Jahren Volkswagen als COO erfolgreich geführt und die Transformation an entscheidender Stelle mitgestaltet“, sagte Diess, der in Personalunion auch für die Kernsparte verantwortlich war. Zuletzt hatten sich hier Technik- und Kommunikationsprobleme gehäuft.

Folgt auf Herbert Diess als an die Spitze der Kernmarke von Volkswagen: Ralf Brandstätter.

VW: Kritik aus Belegschaft und Betriebsrat nahm zu - Brandstätter statt Porsche-Chef Blume 

Der Druck auf Diess, der im Sommer 2015 von BMW zu VW gekommen war, nahm in den vergangenen Wochen zu. Vor allem aus der Belegschaft und aus dem Betriebsrat war immer wieder Kritik an der Führung von Diess zu hären. Er müsse die anhaltenden Schwierigkeiten in der Produktion des Golf 8 und beim neuen E-Auto ID.3 zur Chefsache machen und mehr Präsenz in der Fertigung zeigen. Zunächst hatte es Spekulationen gegeben, dass Porsche-Chef Oliver Blume als neuer Leiter der Kernmarke nach Wolfsburg wechseln und seinerseits vom bisherigen Skoda-Chef Bernhard Maier abgelöst werden könnte. Nun lief es jedoch auf den in Wolfsburg sehr erfahrenen Brandstätter hinaus.

fd mit dpa

Rubriklistenbild: © dpa / Silas Stein

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