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Russischer Oligarch verkauft Tui-Anteile an Ehefrau: Will er Sanktionen umgehen?

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Von: Max Schäfer

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Alexej Mordaschow hat kurz vor den EU-Sanktionen im Ukraine-Konflikt Tui-Anteile an seine Ehefrau übertragen.
Alexej Mordaschow hat kurz vor den EU-Sanktionen im Ukraine-Krieg Tui-Anteile an seine Ehefrau übertragen. (Archivfoto) © Swen Pförtner/dpa

Der russische Oligarch Alexej Mordaschow überträgt Tui-Anteile an seine Frau. Angesichts des Ukraine-Krieges wirft das Vorgehen Fragen auf.

Hannover – Der angesichts des Ukraine-Krieges* sanktionierte russische Oligarch und langjähriger Tui-Großaktionär Alexej Mordaschow hat einen Großteil seiner Anteile am Reisekonzern an seine Ehefrau Marina Mordaschowa verkauft. In einer Mitteilung von Tui an die Finanzmärkte vom Freitag (18.03.2022) wird sie zusammen mit dem Mordaschow-Unternehmen Unifirm genannt. Das wiederum gehört zur Firma Ondero Limited. Mordaschowa ist deren kontrollierende Gesellschafterin.

Auf die Tui-Anteile hat Marina Mordaschowa jedoch noch keinen Zugriff. Zuerst steht laut Tui-Angaben eine Überprüfung des Bundeswirtschaftsministeriums aus. Es besteht der Verdacht, dass Alexej Mordaschow durch die Übertragung der Anteile an seine Frau versuchen könnte, sich den aufgrund des Ukraine-Krieges bestehenden Sanktionen zu entziehen. Bis zum Ende der Untersuchung soll das Tui-Vermögen daher gesperrt sein, erklärte Tui. Das von Robert Habeck* (Grüne*) geführte Bundeswirtschaftsministerium wollte zunächst keine Stellung beziehen.

NameAlexei Alexandrowitsch Mordaschow
Geboren26. September 1965 in Tscherepowez
EhefrauMarina Mordaschowa

Ukraine-Konflikt: Russischer Oligarch mit intransparentem Aktien-Handel

Die Übertragung der Tui-Anteile fand am 28. Februar statt. Mordaschow kam somit von der Europäischen Union* wegen des Ukraine-Konflikts* erlassenen Sanktionen gegen zahlreiche russische Geschäftsleute zuvor, welchen die Unterstützung Wladimir Putins* vorgeworfen wird.

Lange war unklar, wer das knappe Drittel der bisherigen Stimmanteile hält. Inzwischen ist klar: Von den 34 Prozent der Tui-Anteile, die Mordaschow über seine Firma in Zypern gehalten hatte, übertrug er 4,1 Prozent an die von ihm selbst kontrollierte Servergroup. Somit hat er durch die EU-Sanktionen keinen Zugriff auf die Aktien, kann die Stimmrechte nicht wahrnehmen und auch keinen wirtschaftlichen Vorteil daraus ziehen.

Übertragung von Tui-Anteilen: Russischer Oligarch umgeht Regeln

29,9 Prozent verkaufte er an das auf den britischen Jungferninseln angesiedelte Unternehmen Ondero Limited, die von seiner Frau Marina Mordaschow gesteuert werden. Da das Paket unter der 30-Prozent-Schwelle blieb, musste Ondero nach deutschem Aktienrecht kein förmliches Übernahmeangebot für den Konzern abgeben und keine Details zu seiner Eigentümerstruktur nennen. Dass Marina Mordaschowa bereits zum Zeitpunkt des Handels am 28. Februar Gesellschafterin von Ondero war, erfuhr Tui erst durch eine nachträgliche Mitteilung.

Zwei Oligarchen in den USA* haben mehr Glück: Die langjährigen Vertrauten von Wladimir Putin bleiben von Sanktionen verschont. (ms/dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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