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Skandal um TÜV Süd: Verschenkte Plaketten - Unsichere Fahrzeuge in ganz Europa unterwegs

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Von: Christoph Gschoßmann

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Eine TÜV-Plakette: Angeblich soll es ein Netz aus Korruption um deutsche Prüfer geben.
Eine TÜV-Plakette: Angeblich soll es ein Netz aus Korruption um deutsche Prüfer geben. © Andrea Warnecke/dpa-tmn

Hunderttausende frisierte TÜV-Gutachten aus Deutschland sollen dafür verantwortlich sein, dass in ganz Europa unsichere Fahrzeuge unterwegs sind.

München - Sie haben die Autos nie gesehen, doch bescheinigen ihnen Verkehrssicherheit: Dies soll bei deutschen TÜV-Prüfern kein Einzelfall sein.

Nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung arbeiten kriminelle Organisationen mit TÜV-Mitarbeitern zusammen. Eine Masche besteht darin, in den USA ausgemusterte Schrottautos eine Fahrerlaubnis für Europa zu beschaffen, obwohl diese längst nicht mehr verkehrssicher sind.

TÜV-Korruption: Drehkreuze in Litauen und Italien - Hell‘s Angels involviert

Um diesem Geschäft Einhalt zu gebieten, befassen sich mehrere deutsche Justiz- und Polizeibehörden mit diesen Fällen. Das Problem: Es gibt keine bundesweit zentrale Erfassung. Drehkreuze der Machenschaften existieren wohl in Litauen und Italien. Involviert soll demnach auch die Rockerbande Hells Angels sein.

TÜV-Mitarbeiter reisten laut der Recherche der Zeitung in das baltische Land, um dort Autos zu begutachten. Diese wurden zum Teil mit gestohlenen Ersatzteilen zusammengebaut. Doch sobald sie auch nur einen Tag lang für Deutschland zugelassen werden, sind sie laut europäischem Recht für die gesamte EU fahrtauglich. Das machten sich die Kriminellen zunutze.

Eine Spur führt auch nach Rosenheim in Oberbayern, wo ein ehemaliger Mitarbeiter des TÜV Süd bereits wegen Falschbeurkundung und Bestechlichkeit im Amt verurteilt wurde: Er hatte für einen Autohändler Autos als zulassungsfähig eingestuft, obwohl er diese nur auf Fotos gesehen hatte. Dafür spendierte ihm der Geschäftsmann luxuriöse Reisen nach Amerika.

TÜV Süd: Aufsichtsratmitglied Thomas Eder im Fokus der Ermittler

In anderen Fällen wurden Serienautos zu Luxus-Leichenwagen umgebaut - wiederum gewährten die TÜV-Mitarbeiter die Verkehrssicherheit, obwohl gravierende Eingriffe stattgefunden hatten. Die bei der Mafia für das letzte Geleit beliebten Fahrzeuge stellen ein riesiges Sicherheitsrisiko dar. Die SZ berichtet beispielsweise von einem Fall eines umgebauten Maseratis mit Schätzwert von mehr als 100 000 Euro, der auf einer deutschen Autobahn ins Schleudern geraten und in die Leitplanke gekracht war.

Auch Thomas Eder, Aufsichtsratsmitglied des TÜV Süd, geriet in den Fokus italienischer Ermittler, als er am 18. April 2017 bei einer Razzia in einer Autowerkstatt in Parma angetroffen wurde. Deutsche Gutachter dürfen im Ausland eigentlich nicht prüfen, und die Werkstatt verfügte außerdem nicht über das nötige Equipment. Juristisch blieb der fragwürdige Aufenthalt für Eder folgenlos. (cg)

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