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Gas-Pipeline Nord Stream 1 wird abgeschaltet - Habeck mit Bedenken

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Von: Katja Thorwarth

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Robert Habeck, Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, warnt vor Gasmangel in Deutschland.
Robert Habeck, Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, warnt vor Gasmangel in Deutschland. © Michael Kappeler/dpa

Eine Zeitlang wird durch Nord Stream 1 kein Gas nach Deutschland fließen. Wirtschaftsminister Habeck fürchtet, dass Russland den Gashahn nicht mehr aufdreht.

Lubmin - Am Montagmorgen wird die zuletzt wichtigste Verbindung für russisches Erdgas nach Deutschland abgeschaltet. Die jährlich wiederkehrenden Wartungsarbeiten an der Ostseepipeline Nord Stream 1 sind der Grund, die die Betreiber bereits vor längerer Zeit angekündigt hatten. Einige blicken angesichts des Ukraine-Kriegs voller Sorge auf den temporären Gasstop, wie unter anderen die deutsche Industrie.

Vor allem in der energiehungrigen Chemie- und Pharmaindustrie ist die Angst vor einem Gasmangel groß. Die Branche ist laut dem Verband der Chemischen Industrie (VCI) mit einem Anteil von 15 Prozent größter deutscher Gasverbraucher. „Wir bereiten uns für eine Drosselung oder sogar Einstellung der Gasimporte vor“, sagte VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup. Die Unternehmen im Süden und Südosten Deutschlands würden wegen des Pipelines-Systems als Erstes leiden. Im Norden und Westen ist die Versorgung über Häfen hingegen einfacher.

Abschaltung von Nord Stream 1: Angst vor Gasmangel

Längst laufen in Unternehmen Vorbereitungen für den Ernstfall. Die Folgen großer Ausfälle beschrieb Martin Brudermüller, Chef des weltgrößten Chemiekonzerns BASF, schon im April: Man müsse am größten Standort Ludwigshafen die Produktion zurückfahren oder ganz herunterfahren, „wenn die Versorgung deutlich und dauerhaft unter 50 Prozent unseres maximalen Erdgasbedarfs sinkt“.

Nicht nur die Industrie, auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat akute Bedenken geäußert. Er befürchtet, dass Russland den Gashahn auch nach Abschluss der Wartung nicht mehr aufdrehen könnte. Wie die Betreibergesellschaft Nord Stream AG mitteilte, sollen die Arbeiten bis zum 21. Juli dauern. In dieser Zeit werde kein Gas nach Deutschland befördert.

Lieferung von russischem Gas nach Deutschland zurückgegangen

Das russische Staatsunternehmen Gazprom hatte im Juni bereits die Liefermenge durch die mehr als 1200 Kilometer lange Pipeline von Russland nach Mecklenburg-Vorpommern deutlich gedrosselt - und das auch mit dem Fehlen einer Turbine begründet. Derzeit wird die Leitung laut Bundesnetzagentur nur zu etwa 40 Prozent ausgelastet.

Auch russische Gaslieferungen über andere Leitungen nach Deutschland waren zuletzt zurückgegangen. Gleichzeitig erhalten mehrere europäische Staaten bereits kein Gas mehr aus Russland. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine Ende Februar gilt die Versorgung Europas mit Gas aus Russland als gefährdet.

Nord Stream 1 möglicherweise 14 Tage abgeschaltet

Angesetzt wurde die Dauer der Abschaltung von Nord Stream 1 vom Betreiber auf zehn Tage. Die Rede ist von einer Überprüfung und gegebenenfalls Instandsetzung oder Kalibrierung etwa der Stromversorgung, des Brand- und Gasschutzes sowie bestimmter Ventile. Die Offshore-Pipelines blieben weiter unter Druck. Entsprechende Arbeiten hätten in den vergangenen Jahren zwischen 10 und 14 Tagen gedauert.

Laut Bundesnetzagentur finden die Arbeiten nicht direkt an der Leitung, sondern an den Verdichterstationen statt, etwa in Lubmin. In Modellrechnungen geht die Behörde von bis zu 14 Tagen aus - mit zeitlichem Puffer. Eine dauerhafte Abschaltung könnte laut Modellen der Behörde einen Gasmangel in Deutschland im Winter zur Folge haben. (ktho/dpa)

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