MAN-Sattelschlepper: Beim Münchner Lkw-Bauer stehen bis zu 9500 Stellen auf dem Spiel.
+
MAN-Sattelschlepper: Beim Münchner Lkw-Bauer stehen bis zu 9500 Stellen auf dem Spiel.

Münchner VW-Tochter vor umfassendem Umbau

MAN: Dieser Standort könnte bei einer möglichen Schließung von Steyr am meisten profitieren

  • Thomas Schmidtutz
    vonThomas Schmidtutz
    schließen

MAN steht vor einem großen Umbau. Auch das Werk Steyr steht auf dem Spiel. Doch es gibt zwei Standorte, die mittelfristig einspringen könnten.

  • MAN steht vor einem großen Umbau. Bis zu 9500 Stellen sind bedroht.
  • Auch die Werke Plauen, Wittlich und Steyr stehen zur Disposition.
  • Sollte der Konzern in Steyr Ernst machen, müsste die Fertigung an andere Standorte verlagert werden. In Frage kämen dafür zwei Werke.

München - Der Münchner Lkw-Bauer MAN will mit dem Betriebsrat sehr rasch über die geplante Neuausrichtung verhandeln. Die VW-Tochter wolle bereits im Wochenverlauf in die Gespräche einsteigen, heißt es aus informierten Kreisen. „Unser Gesprächsangebot steht“, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person am Montag gegenüber Merkur.de*. Das Unternehmen hoffe, bis Jahresende eine Einigung mit dem Betriebsrat zu erzielen.

Ein MAN-Sprecher erklärte am Montag lediglich, man wolle „möglichst zeitnah“ mit der Arbeitnehmerseite zu einer Einigung kommen, ließ einen konkreten Zeitraum jedoch offen.

Die VW-Tochter hatte am Freitag angekündigt, sich neu aufzustellen. Ziel sei es, MAN „deutlich digitaler, automatisierter und nachhaltig profitabel zu machen“, schrieb das Unternehmen in einer am Freitag versandten Mitarbeiter-Information, die Merkur.de vorliegt.  „Es geht um die Zukunft von MAN“, hatte der neue Konzernchef Andreas Tostmann am Freitag in einer Videobotschaft an die Mitarbeiter erklärt.

VW-Tochter: Bei MAN stehen bis zu 9500 Stellen auf der Kippe

Im Zuge des angekündigten Konzern-Umbaus in Richtung alternative Antriebssysteme könnten bis zu 9500 Stellen der insgesamt 36.000 Stellen bei MAN wegfallen, erklärte das Unternehmen. Das wären deutlich mehr als die 6000 Stellen, die der Betriebsrat bislang befürchtet hatte.

Neben dem Stellenabbau beinhalten die Überlegungen auch die Verlagerung von Entwicklungs- und Produktionsprozessen sowie die Schließung ganzer Standorte. Nach den offenbar bereits weit fortgeschrittenen Plänen könnten die Werke in Steyr (Österreich), Wittlich (Rheinland-Pfalz) und Plauen (Sachsen) komplett dichtgemacht werden.

MAN baut in Wittlich mit rund 80 Beschäftigten Lkw für spezielle Anforderungen wie den Einsatz als Autotransporter um. In Plauen, wo MAN noch 140 Mitarbeiter zählt, werden Busse nach Kundenwünschen umgerüstet. In seinem Werk Steyr in Oberösterreich fertigt der Konzern mit rund 2200 Mitarbeitern seine leichte (TGL) und die mittelschwere Baureihe (TGM). Angesichts der Ankündigung hat MAN-Betriebsratschef Saki Stimoniaris bereits erbitterten Widerstand angekündigt.

VW: Spekulationen um die Zukunft des MAN-Werks Steyr

In den vergangenen Jahren hatte es wiederholt Spekulationen um die Zukunft des Werks Steyr gegeben. Allerdings galt eine Schließung des Standorts wegen der österreichischen VW-Eigentümerfamilien Porsche und Piech bislang als unwahrscheinlich. Nun hat MAN Steyr selbst öffentlich zur Disposition gestellt. Beobachter gehen davon aus, dass ein solcher Schritt kaum ohne Rücksprache mit den beiden einflussreichen Familien denkbar sei. 

Sollte das ehemalige Puch-Werk also tatsächlich geschlossen werden, müsste die Fertigung der leichten und mittleren Baureihen an andere Standorte verlagert werden. Neben dem Stammwerk in München käme dabei auch das Werk Krakau in Frage. Ähnlich wie in München baut MAN in seinem polnischen Werk derzeit ausschließlich schwere Lkw für den Fernverkehr (TGX) sowie den Baustellen-Einsatz (TGS). Allerdings hätte Krakau gegenüber dem Stammwerk wegen der deutlich niedrigen Lohnkosten einen klaren Vorteil. Außerdem stößt die Logistik in München allmählich an ihre Grenzen, heißt es aus dem Unternehmen. Alleine 4200 Stellen stehen in Bayern auf dem Spiel.

MAN baut in München neben TGX und TGS auch Achsen, Getriebe sowie Fahrerhäuser für seine schwere Reihe. Um auf den Anlagen in Krakau bzw. München künftig auch leichte und mittelschwere Brummis zu bauen, müsste MAN entsprechend investieren.

MAN gilt als ertragsschwach

MAN gilt in der Branche seit Jahren als vergleichsweise ertragsschwach. Alleine im Vorjahr war das operative Ergebnis der MAN Truck & Bus um acht Prozent auf 371 Millionen geschrumpft. In der Konzernzentrale in Wolfsburg war die Unzufriedenheit über die Entwicklung bei MAN daher zuletzt deutlich gestiegen.

Auch innerhalb der VW-Nutzfahrzeugsparte Traton war es zu einem erbitterten Streit über den Umbau gekommen. Erst Anfang Juli musste Traton-Chef Andreas Renschler gehen*. Auch MAN-Boss Joachim Drees sowie MAN-Personalchef Carsten Intra mussten ihre Posten damals räumen.

Nun will Tostmann das Unternehmen fit für die nächsten Jahre machen. Nach den Plänen will der Konzern bis 2023 das Ergebnis um insgesamt 1,8 Milliarden Euro verbessern. Die Zeit drängt.

MAN war im ersten Halbjahr tief in die roten Zahlen gerutscht. Von Januar bis Juni hatte das Unternehmen operativ 387 Millionen Euro verloren nach einem Gewinn von 257 Millionen im Vorjahreszeitraum. Angesichts der prekären Lage hat die Bayerische Staatsregierung bereits Unterstützung signalisiert.

Der ebenfalls zu Traton gehörende Lkw-Bauer Scania hat ebenfalls harte Einschnitte angekündigt und will 5000 Arbeitsplätze abbauen, hatte Scania-Chef Henrik Henriksson Ende Juli bei der Vorlage der Halbjahreszahlen angekündigt. Das hat den Druck auf das MAN-Management weiter erhöht.

*Merkur.de ist Teil des Ippen Digitalnetzwerks.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare