Home Office: Im Kampf gegen Corona nimmt die Bundesregierung Unternehmen stärker in die Pflicht.
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Home Office: Im Kampf gegen Corona nimmt die Bundesregierung Unternehmen stärker in die Pflicht.

Überblick

Muss der Arbeitgeber die Kosten für Strom und anderes im Home Office übernehmen, Herr Anwalt?

  • Thomas Schmidtutz
    vonThomas Schmidtutz
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Die neue Home-Office-Verordnung sorgt bei Betrieben und Beschäftigten für Verunsicherung. Was jetzt gilt, worauf Arbeitnehmer achten müssen.

Im Kampf gegen die Corona*-Pandemie nimmt Bundesarbeitsminister Hubertus Heil* jetzt auch die Unternehmen stärker in die Pflicht. Seit wenigen Tagen gelten die neuen Home Office-Vorgaben des Bundesarbeitsministeriums. Doch die Verordnung wirft viele Fragen auf:

  • Muss ich meine Arbeitszeiten aufschreiben?
  • Habe ich Anspruch darauf, dass sich mein Arbeitgeber anteilig an Kosten wie Strom oder Heizung im Home Office beteiligt?
  • Darf mich der Arbeitgeber bei Gesprächen dazu verpflichten, die Videokamera anzumachen?

Was der Arbeitgeber darf und was nicht, erklärt Alexander Möller (35), Fachanwalt für Arbeitsrecht und Partner bei SKW Schwarz Rechtsanwälte in Frankfurt.

 Darf der Arbeitgeber Home Office anordnen?

Sofern der maßgebliche Arbeitsvertrag dem Arbeitgeber kein entsprechendes Recht zuweist, kann der Arbeitgeber Home Office nicht gegen den Willen des Arbeitnehmers einseitig anordnen. Das arbeitgeberseitige Direktionsrecht ist als Grundlage hierfür nicht ausreichend.

Muss der Arbeitgeber die Ausstattung für das Home Office zur Verfügung stellen?

Wenn dem Arbeitnehmer ein vollwertig ausgestatteter Arbeitsplatz in den Büroräumlichkeiten des Arbeitgebers zur Verfügung steht, ist der Arbeitgeber nicht verpflichtet, für eine entsprechende Ausstattung im Home Office zu sorgen. Sofern der Arbeitnehmer im Home Office arbeiten können soll, ist ihm aber selbstredend die notwendige technische Ausstattung, wie zum Beispiel ein Notebook und ein Telefon, zur Verfügung zu stellen.

Muss der Arbeitgeber außerdem auch für Bürostuhl oder Schreibtisch sorgen?

Sofern keine gesonderte Verpflichtung des Arbeitgebers, etwa aufgrund des Arbeitsvertrages oder aufgrund einer Betriebsvereinbarung, besteht, muss der Arbeitgeber lediglich die technische Grundausstattung stellen. Nur wenn der Arbeitnehmer vollumfänglich und dauerhaft im Home Office arbeiten soll, wird der Arbeitgeber auch eine sonstige Ausstattung, wie zum Beispiel einen Schreibtisch oder einen entsprechenden Stuhl, zur Verfügung stellen müssen.

Alexander Möller (35): Der Jurist ist Fachanwalt für Arbeitsrecht und Partner bei der Kanzlei SKW Schwarz Rechtsanwälte in Frankfurt.

Welche laufenden Home Office-Kosten muss der Chef übernehmen?

Wenn dem Arbeitgeber in den Büroräumlichkeiten des Arbeitgebers unverändert ein Arbeitsplatz zur Verfügung steht, ist der Arbeitgeber grundsätzlich nicht verpflichtet, eine anteilige Kompensation etwa für Strom, Telefon oder Miete zu zahlen. Sicherheitshalber sollte dies aber ausgeschlossen werden, um Klarheit für alle Parteien zu haben. Ebenso üblich ist es aber, einen pauschalen Nutzungsersatz zu vereinbaren, welcher monatlich im Rahmen des regulären Gehaltslaufs ausbezahlt wird.

Darf der Chef die Einhaltung der Arbeitszeiten im Home Office überprüfen - und wenn ja, wie?

Der Arbeitgeber darf die Einhaltung der Arbeitszeiten nicht nur überprüfen, er muss es sogar. Eine Tätigkeit im Home Office entbindet nicht von den üblichen arbeitsrechtlichen Verpflichtungen. Hierzu gehört auch, dass der Arbeitgeber die Einhaltung der rechtlichen Vorgaben zur Arbeitszeit überprüft und die Einhaltung sicherstellt. Sofern kein elektronisches Zeiterfassungssystem implementiert ist, welches auch aus dem Home Office gepflegt werden kann, ist das schlichte Führen von Excel-Listen ein taugliches Mittel. In diesen Listen hat der Arbeitnehmer Arbeitsbeginn und Ende sowie die Pausen einzupflegen und dann in regelmäßigen Zeitabschnitten an den Vorgesetzten zwecks Kontrolle zu übersenden.

Darf der Arbeitgeber verlangen, dass für Besprechungen die Videokamera eingeschaltet sein muss?

Sofern dies vorher vereinbart ist, wozu aus Gründen der Klarheit dringend anzuraten ist, ist der Arbeitnehmer verpflichtet, die Kamera einzuschalten. Sofern nichts vereinbart ist, gilt aber grundsätzlich, dass die Wohnung als Teil der Privatsphäre vom Arbeitgeber akzeptiert werden muss und er es daher auch hinnehmen muss, dass sein Mitarbeiter ihm via Kamera hier keinen Einblick gewährt.

Sind Mitarbeiter für den Umgang mit sensiblen Daten im Home Office verantwortlich?

Auch insoweit gilt nichts anderes als im Rahmen einer Tätigkeit im Büro. Da ultimativ die finanzielle Verantwortlichkeit im Außenverhältnis in der Regel immer den Arbeitgeber trifft, ist er gut beraten, die Arbeitnehmer vor Beginn der Tätigkeit im Home Office noch einmal eingehend auf die Verpflichtungen zur Vertraulichkeit und zum Datenschutz hinzuweisen.

Worauf müssen Mitarbeiter in Sachen Datensicherheit achten?

Es muss zum Beispiel darauf geachtet werden, dass keine Dritte Zugang oder Kenntnis von etwaigen Daten erhalten. Dies erfordert, dass der Heimarbeitsplatz nach Beendigung oder bei Unterbrechung der Tätigkeit gesichert wird, etwa indem das Zimmer abgeschlossen wird oder in dem frei herumliegende Dokumente in einem Schreibtisch verschlossen werden. Ebenso wichtig ist, dass dienstliche Telefonate, in deren Rahmen Daten diskutiert werden, vertraulich, das heißt, in der Regel bei verschlossener Tür, geführt werden.

Ändert sich durch Home Office die Arbeitszeit?

Nein. Es gilt unverändert die vertraglich geschuldete Arbeitszeit. Gleichwohl steht es Arbeitgeber und Arbeitnehmer frei, eine von der üblichen Büroarbeit abweichende Lage der Arbeitszeit zu vereinbaren, etwa um Kinderbetreuung sicherzustellen. *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen Digital Redaktionsnetzwerks.

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