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Viele Bevölkerungsgruppen sind in Deutschland von Armut betroffen.

Angst vor Abstieg

Abgesicherte Mittelschicht? Viele Deutsche sind von Armut bedroht

Die deutsche Mittelschicht gilt in Deutschland generell nicht als arm. Doch es gibt einige Risikogruppen die besonders von Armut bedroht sind.

Für jeden bedeutet Armut etwas anders. Auch in unseren Breitengraden ist es nicht weit hergeholt, über die Bedrohung zu sprechen. Anhand von sehr konkreten Zahlen lässt sich die Armutsgefährdung in der EU ausdrücken: Wer weniger als 60 Prozent des Medians der Äquivalenzeinkommen der Bevölkerung hat, fällt unter die Schwelle. Derzeit sind das 19 Prozent der Bürger in Deutschland. Doch was heißt das konkret in Deutschland und welche Gruppen sind besonders gefährdet, ebenfalls abzurutschen? 

Laut den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder liegt die Armutsgefährdungsgrenze für einen Single-Haushalt bei 1.035 Euro netto - für einen Haushalt mit zwei Personen und zwei Kindern unter 14 Jahren liegt die Schwelle zur Armut bei 2.174 Euro. Jeder der mehr hat, gehört zum einen zur Mittel- oder Oberschicht - und ist zumindest per Definition nicht arm. Dennoch sind viele Personen in der mittleren Einkommensgruppe von Armut bedroht - im Bundesgebiet liegt die Armutsgefährdungsquote bei 15,5 Prozent. Wer muss sich besonders große Sorgen machen?

Armut in Deutschland: Diese Gruppen sind besonders gefährdet

1. Arbeitslose

Erwerbstätigkeit ist eine der Hauptfaktoren, um möglicher Armut zu entkommen. Laut Statistischem Bundesamt sind weniger als 8 Prozent der arbeitenden Bevölkerung von Armutsgefährdung betroffen - im Gegensatz zu knapp 60 Prozent der Erwerbslosen. 

2. Niedrig Gebildete

Auch der Bildungsstand bestimmt in Deutschland nach wie vor das Armutsrisiko. Etwas über 30 Prozent der Personen mit niedrigem Bildungsstand stehen vor dem Abrutschen in die Armut, schon bei mittlerem Bildungsstand sind es nur mehr knapp 12 Prozent und bei Personen mit hohem Bildungsstand sind unter sechs Prozent gefährdet. 

3. Rentner

Eine weitere große Bevölkerungsgruppe ist gefährdet: Personen, die sich im Ruhestand befinden, haben tendenziell weniger Einkommen zur Verfügung. 16,1 Prozent der Rentner sind von Armut bedroht

4. Alleinerziehende

Immer wieder taucht die prekäre Situation von Alleinerziehenden in den Debatten rund um Armut auf. Personen, die sich allein um Kind(er) kümmern müssen, gehören in Deutschland zu den Gruppen, die stark vom Armut bedroht sind. Rund ein Drittel der Alleinerziehenden sind nach den aktuellen Zahlen der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder gefährdet. 

5. Herkunft 

Sowohl Staatsbürgerschaft als auch Migrationshintergrund haben Auswirkungen auf die Armutsgefährdung. 34,8 Prozent der Personen ohne die deutsche Staatsangehörigkeit sind von dem Risiko betroffen, deutsche Staatsbürger zu 12,8 Prozent. Der Migrationshintergrund zeigt ähnliche, wenngleich weniger drastische Zahlen: 27,2 Prozent der Personen mit Migrationshintergrund sind armutsgefährdet, ohne Migrationshintergrund liegt der Anteil bei 11,4 Prozent.

6. Wohnort im Bundesgebiet 

Der Süden darf sich freuen: In Bayern und in Baden-Württemberg liegt die Armutsgefährdungsquote laut den aktuellsten Zahlen bei nur 11,7 und 11,9 Prozent. Doch die regionalen Unterschiede sind gemessen am Bundesmedian eklatant: Bremen und Mecklenburg-Vorpommern bilden die Schlusslichter mit 22,7 und 20,9 Prozent gefährdeter Bevölkerung. 

Armut trotz Mittelschicht? Zahlen relativ betrachten

Laut den aktuellsten Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) gehört man als Single-Haushalt mit 3440 Euro zu den einkommensstärksten zehn Prozent in Deutschland. Ein großer Teil der Einkommen im Bundesgebiet liegt zwischen diesem Wert und Armut. Letztendlich ist Armut in Deutschland aber immer relativ und hängt von vielen weiteren Faktoren ab - zum Beispiel auch, ob man in einer Stadt oder auf dem Land wohnt und wie viel Geld man folglich für Miete und Co. ausgeben muss. 

jw

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