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ZUM NACHDENKEN

Zurück ins Weite

  • vonred Redaktion
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Endgültige Abschiede sind schwer. Am Ewigkeitssonntag erinnern wir uns an die Menschen, die wir verloren haben. In diesem besonderen Jahr wird dieses Gedenken für manche Angehörige zur ersten Gelegenheit, sich wirklich verabschieden zu können, in Gedanken das zu sortieren, was an Unwirklichem geschehen ist. Stilles Warten auf Parkplätzen, Tränen der Verzweiflung vor verschlossenen Gängen und Türen, vor Pflegeheimzimmern, auf Fenster still einhämmernd vor Wut und Entsetzen über die als persönlich empfundene, pandemiebedingte, Zurückweisung. Auf isolierten Krankenhausfluren die Sekunden zählen, bis ein leiser Abschied für wenige begrenzte Minuten möglich war. Dieses lähmend bittere Gefühl, im letzten Moment nicht für diesen besonderen Menschen da sein zu dürfen, ihn im Moment des Sterbens alleine zu lassen. All das hat bei vielen Trauernden Schuldgefühle hinterlassen und unendlich schmerzende Wunden. Das dies so geschehen musste, während Pfleger und Ärztinnen nur einen Flur weiter alles in ihrer Macht stehende taten, um Leben zu retten, ändert wenig an dem quälenden Gedanken, irgendetwas falsch gemacht zu haben.

"In Gottes Hand ruht die Seele allen Lebens und der Atem aller Menschen", bekennt Hiob, der alles verlieren wird bis auf sein Leben. "Gott selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land. Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit und Ewigkeit. Die Tore stehen offen. Das Land ist hell und weit."

Gerne würden wir das - wenigstens jetzt - gemeinsam singen und gemeinsam glauben können. Die tröstenden Worte dessen, der da war, der da ist und der da kommt, mögen in diesen Stunden und Tagen alle erreichen, die in Trauer sind.

Die, die von uns gegangen sind: ER möge sie segnen. Dass ihr in dieser Welt vergangenes Lachen und ihre Lebendigkeit in unseren Gedanken immer lauter und kraftvoller werden, und wir sie in uns bewahren. Damit sie uns noch in dieser Welt zur Spur erfüllten Lebens werden, die uns aufbrechen lässt ins Helle, mitten im November. Das wünsch ich allen. Bleiben Sie wohlbehütet.

Christoph Weick, Schulpfarrer und Schulseelsorger an der Henry-Benrath-Schule in Friedberg

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