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Einsatzstellenleiterin Sabine Fett (r.) und Mitarbeiterin Sandra Maurer organisieren von Nieder-Mörlen aus den Einsatz der Hauswirtschaftshilfen.

Zu Hause selbstständig bleiben

  • VonAnnette Hausmanns
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Bis ins hohe Alter in den eigenen vier Wänden zu leben, ist aus eigener Kraft nicht immer möglich. Wo Hilfe rund um die Haushaltsführung benötigt wird, ist das Sozialwerk Haushalt und Familie zur Stelle. In der Wetterau sind aktuell acht Hauswirtschaftskräfte bei etwa 100 Stammkunden im Einsatz. In Nieder-Mörlen hat der gemeinnützige Verein eine Zweigstelle.

Die Sonne lacht vom strahlend blauen Himmel. Fast könnte man vergessen, dass die Zeiten wegen der Corona-Pandemie für viele Menschen seit Monaten grau sind. Sabine Fett und ihre Büro-Mitarbeiterin Sandra Bauer kennen viele Schicksale in der Wetterau, wissen um Einsamkeit und Angst vor allem älterer Menschen. Von ihrem Büro in Nieder-Mörlen aus steuern die beiden Frauen den Einsatz ihrer hauswirtschaftlichen Mitarbeiterinnen.

»Wir unterstützen Menschen mit hauswirtschaftlicher Hilfe, damit sie so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben können«, erläutert Niederlassungsleiterin Sabine Fett. Sie ist dankbar für den guten Draht zu ihren Einsatzkräften und zu den Kunden - trotz Corona.

Schon während Sabine Fett die Wetterauer Niederlassung des mildtätigen Vereins »Sozialwerk Haushalt und Familie Hessen« aufbaute und vor Jahresfrist eröffnete, war die Nachfrage nach hauswirtschaftlicher Hilfe immens. Bald steuerten acht Mitarbeiterinnen über 100 Haushalte im Herzen der Wetterau an. Zum Versorgungsgebiet gehören aktuell Bad Nauheim, Butzbach, Friedberg und Ober-Mörlen mit allen Ortsteilen. Die Corona-Pandemie gab Sabine Fett zwar zusätzliche Regeln vor, aber das ohnehin ausgefeilte Hygienekonzept war umgehend angepasst. Der Sommer mit vergleichsweise niedrigen Corona-Fallzahlen erleichterte Fett die Organisation. Seit August verstärkt Sandra Maurer das Büroteam.

Im Herbst zog sich die Corona-Schlinge dann auch für die Hauswirtschafterinnen immer weiter zu. Quarantäne-Fälle verhinderten Besuche, einige Kunden starben, »allerdings nicht an Corona«, berichtet Fett. Die Angst, jemanden ins Haus zu lassen, wuchs. Neue Anfragen blieben vorübergehend vollkommen aus. Aber viele verunsicherte Stammkunden konnte Fett im Gespräch von den weitgehenden Vorsichtsmaßnahmen überzeugen.

»Vielen Menschen, die sonst niemanden haben, können wir in ihren eigenen vier Wänden Ansprechpartner, Vertrauensperson und eine große Hilfe sein«, erzählt Sabine Fett. Einkäufe abnehmen oder Wege übernehmen sei unter Corona-Bedingungen auf besonders große Dankbarkeit gestoßen. Vielfach seien ihre Mitarbeiterinnen rettender Anker in dieser grauen Zeit, und sie würden für ihren Einsatz von Herzen gelobt.

Gartenarbeit bis Kinderbetreuung

»Hauswirtschaft fängt vor der Pflege an«, unterstreicht Fett. Noch bevor ältere Menschen pflegebedürftig würden, könne man ihnen zur Hand gehen beim Fensterputzen, Gardinenwaschen, bei der Wohnungs- und Wäschepflege oder bei der Nahrungszubereitung. »Wir helfen bei der Gartenarbeit, beim Einkaufen, beim Gassigehen mit dem Hund, bei Arztbesuchen oder Behördengängen.«

Aber: »Die Haushaltshilfe ist nicht mit ausschließlichen Reinigungsarbeiten zu verwechseln«, unterstreicht Fett. Sie leisteten hauswirtschaftliche Unterstützung und Versorgung bei alten, kranken oder behinderten Menschen mit oder ohne Pflegegrad ebenso wie bei Familien in Notsituationen.

Auch die Betreuung von Kindern oder Hausaufgabenunterstützung gehörten zum Spektrum der angebotenen familienentlastenden Dienste. Hilfe im Familienhaushalt nach der Geburt komme ebenso infrage wie die Betreuung von dementiell erkrankten Menschen.

»Ich schaue, dass die Hilfe zum jeweiligen Haushalt passt«, sagt Fett. Dazu gehöre auch, dass sich die Kunden auf gleichbleibende Mitarbeiter und feste Termine verlassen könnten. »Wir legen großen Wert auf ein harmonisches Arbeitsklima, Empathie und die persönliche Zuwendung zu den Menschen.«

Um den Versorgungsradius zu erweitern, seien helfende Hände aus weiteren Orten willkommen. »Wir freuen uns über jede Bewerbung.« Hauswirtschaftliche Erfahrung sei zwar von Vorteil, aber nicht unbedingte Voraussetzung. Männliche Mitarbeiter seien zwar die Ausnahme, aber durchaus gerne gesehen. Die Arbeitszeiten seien flexibel, vorausgesetzt werden Führerschein und ein eigenes Auto.

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