"Was für ein toller Blick", freut sich Christine Böhmerl. Bei ihren Spaziergängen zwischen Friedberg und Ockstadt kann die 40-Jährige entspannen.	FOTO: LONI SCHUCHARDT
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»Was für ein toller Blick«, freut sich Christine Böhmerl. Bei ihren Spaziergängen zwischen Friedberg und Ockstadt kann die 40-Jährige entspannen. FOTO: LONI SCHUCHARDT

»Der Weg ist das Ziel«

  • vonHarald Schuchardt
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Christine Böhmerl findet Ruhe und Entspannung im Feld zwischen Friedberg und Ockstadt. Hier liegt ihr Lieblingsplatz.

Wenn Christine Böhmerl Ruhe und Entspannung sucht, dann läuft sie zunächst durch das Westviertel, um schließlich ins Feld zwischen der Kernstadt und Ockstadt zu gelangen. »Der Weg ist das Ziel«, sagt die 40-Jährige, die seit sechs Jahren in der Stadtverwaltung Friedberg Leiterin des Amts für soziale und kulturelle Dienste und Einrichtungen ist.

Genau genommen meint sie zwei Wege, die jedoch nicht in dem viel stärker frequentierten Gebiet rund um den Äppelwoiweg liegen. Viel mehr bewegt sich die Diplom-Verwaltungswirtin, die 1999 bei der Stadt angefangen hat, in dem Areal zwischen dem Ende der Kernstadtbebauung im Osten, dem Feldweg, der die B 455 mit Ockstadt verbindet sowie der Bundesstraße im Süden und der Kreisstraße zwischen dem Kirschendorf und der Kernstadt im Norden.

»Hier ist sehr wenig los, es sind höchstens mal ein paar Hundebesitzer mit ihren Vierbeinern unterwegs«, erzählt die Mutter der neun Jahre alten Mia Lara und fügt dann ein »Normalerweise« hinzu. Seit den Einschränkungen durch die Corona-Krise gehen auch in diesem Gebiet viel mehr Menschen spazieren oder fahren mit dem Rad.

Böhmerl, die aus der Nähe von Bad Hersfeld stammt, stört das jedoch wenig. Oft hört sie beim Spazierengehen auf den beiden langen Wegen von Ost nach West oder umgekehrt Musik, um »einfach mal runterzukommen«. Das führt dann schon mal dazu, dass sie nicht bemerkt, dass ein Traktor langsam hinter ihr herfährt und nicht an ihr vorbeikommt, wie kürzlich geschehen.

»Irgendwie fühlte ich mich verfolgt, drehte mich rum und blickte in das Gesicht eines lachenden Traktorfahrers«, erzählt Böhmerl, die ein weiteres Studium 2006 in Kassel mit dem »Master of Administration« abgeschlossen hat. Die beiden geradeaus führenden Wege, die parallel zur Kreis- und Bundesstraße verlaufen, haben für die städtische Mitarbeiterin noch etwas ganz Besonderes.

»Ich kann hier immer rundherum schauen und entdecke ständig neue Blickwinkel, die man sonst eigentlich nicht sieht.« Einen Lieblingsplatz hat sie dann doch: Die Einmündung des zur Bundesstraße näher gelegenen Wegs in den von Autofahrern gerne als Schleichweg zwischen Ockstadt und der B 455 genutzten, gut ausgebauten Feldweg.

Böhmerl: »Von hier aus sehe ich den Steinkopf und den Feldberg, Ockstadt mit der Jakobuskirche, Bad Nauheim und Friedberg mit Adolfsturm, Stadtkirche und Wasserturm, einfach herrlich.« Und wenn das Wetter schön und klar ist, erscheint am südwestlichen Horizont die Skyline von Frankfurt.

Da ist für die Wahl-Friedbergerin abspannen, erholen aber auch nachdenken angesagt. »Bei meinen Spaziergängen kommen mir die besten Ideen«, sagt die Amtsleiterin und erzählt lachend weiter: »Wenn ich ins Amt komme und meinem Stellvertreter Sebastian Dein erzähle, dass ich am Abend zuvor spazieren war, fragt er sofort, welche neue Idee ich habe.«

Der letzte »Spaziergang-Einfall« war die städtische Corona-Unterstützungsaktion »Friedberg hilft«, mit der während des Kontaktverbots zunächst hilfsbedürftigen Menschen Hilfe beim Einkauf oder beim Gassigehen mit dem Hund angeboten wurde.

»Bürgermeister Dirk Antkowiak und die Erste Stadträtin Marion Götz haben mir sofort freie Hand gelassen«, freut sich Böhmerl. Oft sind es nicht die Betroffenen selbst, sondern deren Kinder, die sich bei der Stadtverwaltung mit ihrem Anliegen melden.

Diese werden dann an die Gruppen, die Hilfe anbieten, weitergegeben oder von städtischen Mitarbeitern erledigt. Inzwischen wurde das Angebot von »Friedberg hilft« ausgeweitet. Auf der Internetseite www.friedberg-hilft.de wurden alle Angebote von Gewerbetreibenden und Gastronomen in Friedberg aufgelistet sowie eine Übersicht aller möglichen Fördermöglichkeiten veröffentlicht.

»Gerade in dieser Zeit brauche ich dann meine Spaziergänge«, meint Böhmerl, die zweimal in der Woche ein Pilates-Training absolviert. »Das entspannt auch.«

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