Eine alte Kiefer mit einer Kunstinstallation ist Joachim Alberts Lieblingsplatz.	FOTO: LONI SCHUCHARDT
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Eine alte Kiefer mit einer Kunstinstallation ist Joachim Alberts Lieblingsplatz. FOTO: LONI SCHUCHARDT

Zeit und Raum entrückt

  • vonHarald Schuchardt
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Ein Ort, an dem Kraft spürbar ist, an den man gerne kommt, um aufzutanken: Für den Wahl-Friedberger Joachim Albert ist Bad Salzhausen mit seiner Kurallee und den malerischen Parks eine faszinierender Möglichkeit zum Innehalten.

Seit 2005 lebt Joachim Albert in Friedberg. Zu seinen Hobbys gehört, neben Motorradfahren und Reisen, auch Wandern, vor allem in der näheren Umgebung. Dank den Wanderführern von Michael Elsaß erwanderte er sich die Wetterau.

Dabei stieß er irgendwann auf Bad Salzhausen. »Es war von Anfang an ein besonderes Gefühl, das ich mit diesem Ort in Verbindung gebracht habe - keine großartigen Berge, kein Fluss, und doch einzigartig«, erzählt der gebürtige Heidelberger, der noch immer viele Verbindungen in seine Heimatstadt hat.

»Vielleicht klingt es pathetisch, aber ich möchte sagen: Bad Salzhausen empfinde ich als Zeit und Raum entrückt«, sagt Albert, der nach dem Abitur an einer internationalen Schule Medien- und Kommunikationswissenschaften, Germanistik und Philosophie mit Abschluss Magister (M.A.) an der Universität Mannheim absolvierte.

Nach einem Volontariat im Bereich Public Relations in Frankfurt und Tätigkeiten als Referent für ein Heidelberger Abgeordnetenbüro und den Heidelberger Kunstverein ist er seit 2007 freiberuflich im Kunstbereich tätig und leitet seit 2006 ehrenamtlich den Kunstverein Friedberg.

Bad Salzhausen vereint für Albert viele seiner Vorlieben. Da ist die Kurallee die für den Wahl-Friedberger »wie eine kleine Ader durch den Ort fließt und die beiden schönen malerisch angelegten Parks zu beiden Seiten dieser Straße.«

Eine Kiefer als Kunstobjekt

Viele Quellen, gute Luft, nette kleine Einkehrmöglichkeiten, wie beim Café Ira mit »traumhaften Kuchen und Torten« (Albert) oder beim Café am Park weiß der Kunstliebhaber ebenso zu schätzen wie die Skulpturenlandschaft, die dank des Einsatzes des Vereins »KUNST:PROJEKT Nidda - Bad Salzhausen« kontinuierlich mit skulpturalen und plastischen Arbeiten erweitert wird.

Hier befindet sich der erste von zwei »absoluten Lieblingsplätzen« Alberts. Es ist dies eine alte Kiefer, die 2009 Teil einer Skulptur von Ulrich Kuhlmann wurde. Albert: »Seit meiner Kindheit liebe ich Kiefern, und dann wird dieser Baum hier noch zum Kunstobjekt.«

Von seiner Atmosphäre her erinnert ihn der Skulpturenpark und Bad Salzhausen selbst an Worpswede, jene Künstlerkolonie, die gegen Ende des 19 Jahrhunderts nahe bei Bremen entstanden ist, »auch wenn Kunst in Bad Salzhausen eine weitaus untergeordnete Rolle spielt und weniger als ein Zehntel Bewohner hat.«

Albert durfte vor fünf Jahren für ein von ihm kuratiertes Kunstprojekts in seinem Wetterauer Lieblingsort tätig werden. Im Rahmen von ›Kunst in Kirchen‹ wurden in der evangelischen Kirche Arbeiten von Yi Zheng Lin gezeigt.

»Für mich hat der Ort eine fast schon spirituelle Kraft, etwas, das ich sinnlich nicht fassen oder rational nicht erklären kann. Wäre meine Anschauung pantheistisch, so würde ich diesen Ort als hierfür exemplarisch benennen«, sagt Albert, der in Bad Salzhausen an vielen Stellen verweilen, sitzen, die mitgebrachte Wegzehrung vertilgen und Kraft tanken kann, so auch am Ende des Kurparks Richtung Geiß-Nidda, seinem zweiten Lieblingsplatz. Albert: »Hier ist Kraft für mich spürbar vorhanden. Vielleicht ist es ja doch so, dass alles das, was diese Welt laut und schnell macht, an diesem Ort vorbeigezogen ist, eben Raum und Zeit entrückt, als wäre er dort sanft hineingelegt worden, ummantelt von einer unsichtbaren Schutzschicht«, philosophiert Albert und überlegt, einmal eine Ode auf diesen Ort zu schreiben.

Unvergessene Silvesternächte

Unvergessen sind ihm auch die zwei Silvesternächte, in denen er nach Bad Salzhausen gefahren war, um den Jahreswechsel zu begehen. »Keine laute Knallerei, keine Menschenmassen - hier und da ein kleines Feuerwerk, kleine Gruppen von Menschen, die beisammenstehen, eigentlich unspektakulär, aber genau das mag ich an diesem Ort.«

Und dann fällt ihm noch etwas ein: Als begeisterter Krimileser hat es ihn besonders gefreut, dass, Kommissar Henning Bröhmann, der Protagonist vieler Krimis von Dietrich Faber, in Bad Salzhausen lebt.

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