koe_Leidner3_270221_4c
+
koe_Leidner3_270221_4c

Zarte Liebe beim Betrachten

  • vonRedaktion
    schließen

»Sende mir ein Foto, und du bekommst ein Kunstwerk.« Mit diesem Satz wirbt die Bad Nauheimer Künstlerin Inna Leidner auf ihrer Facebookseite. Und in der Tat halten ihre Porträts, was die Künstlerin verspricht. Es gelingt ihr, nicht nur die Gesichtszüge, sondern auch den Charakter des Porträtierten einzufangen.

Aus Fotos werden Kunstwerke. Die Bad Nauheimer Künstlerin Inna Leidner schafft Bilder, die voller Lebendigkeit und Schönheit sind. Mit viel Liebe zum Detail.

Leidner wurde in einem Dorf der Republik Chakassien geboren, das an der Grenze zur Mongolei liegt. Sie wuchs in der Hauptstadt Abakan auf, wo sie zur Schule ging und die Universität besuchte. Schon als Kind zeichnete sie gerne, sodass ihre Mutter sie in einer Kunstschule anmeldete, die sie vier Jahre lang besuchte. In ihrer Heimat studierte Leidner Germanistik und kam nach Deutschland, um ihre Sprachkenntnisse zu vertiefen. Sie entschloss sich, in Mainz Kunstgeschichte und Anglistik zu studieren. Heute ist sie in Frankfurt im Bereich Immigration tätig und hilft hoch qualifizierten ausländischen Fachkräften, nach Deutschland zu kommen. Nach Bad Nauheim zog Leidner aus familiären Gründen, doch sie bereut es nicht: Sie hat sich in die »schöne Stadt im Jugendstil« verliebt.

Leidners Entwicklung als Künstlerin verlief nicht geradlinig, denn sie hatte sich in einer 20-jährigen Unterbrechung von der Kunst abgewandt. Dann fiel ihr eines Tages ein Buch von Wassily Kandinsky in die Hände, wo sie den Satz las: »Der Künstler, der seine Gabe nicht nützt, ist der faule Sklave.« Schon am nächsten Tag begann sie, wieder zu malen und setzte sich zum Ziel, Porträts zeichnen zu können.

Künstlerforum inspiriert

So sehr Leidner die schöpferische Einsamkeit liebt, so sehr legt sie auch Wert auf Kontakte mit anderen Künstlern und ist im Internet auf vielen Künstlerforen unterwegs, wo sie sich inspirieren lässt. Das positive Echo von anderen Künstlern stärkt ihr Selbstbewusstsein und hilft ihr, sich weiterzuentwickeln. Leidner, die den Impressionismus liebt, wird vor allem durch Kinder und Tiere inspiriert, seien diese doch reine, leicht verletzliche Wesen. Und wirklich: Lebt Leidner nicht, wenn sie zeichnet und malt, in einer heilen Welt, die von den Verwerfungen und Machenschaften unserer Zeit unberührt bleibt? So spricht aus ihren zahlreichen Kinder-Porträts ein unverletztes Bei-sich-selbst-Sein.

Beeindruckend auch Leidners Selbstporträt als Kind, das nach einer alten Fotografie entstand. Die Künstlerin liebt sich als Kind wie eine Mutter ihr eigenes Kind liebt. Der Betrachter spürt die zarte Liebe, die aber nicht mit narzisstischer Selbstverliebtheit zu verwechseln ist. Aber auch Leidners Porträts von Tieren sind von außergewöhnlicher Lebendigkeit und Schönheit. Erstaunlich nicht nur die hyperrealistische Detailgenauigkeit, die zuweilen ins Traumhafte übergeht, sondern auch die Einfühlung in das Geheimnis der Seele.

Über Seele der Tiere

Dass Tiere Gefühle und eine Seele besitzen, offenbaren die Zeichnungen auf anrührende Weise. Eine Pastellzeichnung zeigt zwei Pinguine, von denen der eine liebend und schützend seinen Kopf über den Kopf des anderen gelegt hat. Auch hier ergreift den Betrachter die Geborgenheit, die aus der Zeichnung spricht: der Raum der heilen Welt, den Inna Leidners Bilder auf stille Weise dem Liebhaber ihrer Kunst eröffnen. Leidners heile Welt ist aber keine verlogene Traumwelt, wie sie einige Medien täglich vorgaukeln können. Im Gegenteil: Sie vermag die Wunden zu heilen, die die Zeit in ihrer Hässlichkeit und Absurdität jeden Tag aufs Neue schlägt. Und sie zeigt Wege, die heile Welt in einem selbst zu erkennen und zu bewahren.

koe_LeidnerPortraet_27022_4c
koe_Leidnerneu_270221_4c
koe_GhanaCover_270221_4c

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare