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Yuge Lei-Chillery setzt nicht nur beruflich auf Nachhaltigkeit, sondern auch privat - zum Beispiel auf Reisen oder auf dem Weg zur Arbeit.

Kosmopolitin mit Posten bei der Stadt

Yuge Lei-Chillery aus Bad Nauheim: Mit Leidenschaft nachhaltig

  • VonPetra Ihm-Fahle
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Yuge Lei-Chillery ist seit Mai Referentin für Nachhaltigkeit und Klimaschutz im Bad Nauheimer Rathaus: Es sind Themen, die die Leidenschaft der 36-jährigen Kosmopolitin sind.

Zur Arbeit im Bad Nauheimer Rathaus kommt Yuge Lei-Chillery zu Fuß oder mit dem Rad. Aus Überzeugung haben sie und ihr Mann kein Auto, aber auch große Reisen unternimmt die 36-jährige Bad Nauheimerin so ressourcenschonend wie möglich. Ihre Leidenschaft für ökologische Modernisierung war es denn auch, die überzeugte, als die Stadtverwaltung ein neues Aufgabenfeld schuf: Seit Mitte Mai ist Yuge Lei-Chillery Referentin für Nachhaltigkeit und Klimaschutz. »Ein gutes Leben in unserer Stadt ist grün, lebenswert und zukunftsfähig«, erklärt Lei-Chillery, die sich kurz Lei nennt.

Abitur an der Lioba-Schule

Als sie 2000 mit ihrer Familie von Niedersachsen nach Bad Nauheim zog, war sie 15. Nach dem Abitur an der Lioba-Schule und einem Jahr in Peking begann Lei, Wirtschaftswissenschaften in Frankfurt zu studieren. Dabei wurde ihr klar, dass sie in die internationale Entwicklungszusammenarbeit (Entwicklungshilfe) gehen wollte. Das setzte sie auch um, wobei sie oft im Ausland lebte. »Ich wollte nie in Richtung Investmentbanking oder Ähnliches, sondern mein Wissen nutzen, damit es anderen Menschen besser geht«, erzählt sie.

2015 wurde sie zum ersten Mal Mutter, 2017 zum zweiten Mal. Da sie mit einem Briten verheiratet ist, ist sie oft auch in England gewesen. Schließlich beschloss das Ehepaar, auf Reisen zu gehen und währenddessen zu arbeiten. Versuch dabei war, so nachhaltig wie möglich unterwegs zu sein. »Wir haben überlegt: Wie kann man das auch mit Kleinkindern tun?«

Per Lastenrad und Fahrrad ging es zunächst durch Frankreich, dann Europa. Im August 2019 brach die Familie zu einer Weltreise auf, dies nach Möglichkeit mit Bus und Bahn. »Im März waren wir in Australien, als der weltweite Corona-Lockdown kam.« Die Familie blieb in der Nähe von Perth und kehrte zwei Monate später nach Bad Nauheim zurück.

»2020 habe ich dann ein paar Herzensprojekte angestoßen«, erzählt Lei weiter. Es ging darum, Innenstädte lokalökonomisch zu stärken, dies auch vor dem Hintergrund der Pandemie. So kam sie mit der Stadt in Kontakt. Ihre Idee war, kommunales Crowdfunding auf die Beine zu stellen. Ziel war die Vernetzung aller lokalen Akteure, Einzelhändler und Gastronomen, die es in der Pandemie sehr schwer hatten.

Es kam zu einem Termin mit Matthias Wieliki, dem städtischen Fachbereichsleiter für Zentrale Steuerung und Öffentlichkeitsarbeit. Mit ihm unterhielt sie sich über ein weiteres Projekt, das sie initiiert hatte, die »Frankfurt Doughnut Coalition«. Ziel dieser Initiative ist es, ein regeneratives und resilientes Frankfurt mit einem guten Leben für alle Einwohner zu schaffen. Wie die beiden feststellten, kann das Konzept der Donut-Ökonomie auch für Bad Nauheim interessant sein. »Nachhaltigkeit ist mir ein großes Anliegen, und alles, was ich tue, ist damit verwoben«, sagt Lei. Das passte, denn die Stadtverwaltung wollte Nachhaltigkeit und Klimaschutz ausbauen.

Auch Wirtschaft und Soziales wichtig

»In einem nachhaltigen Bad Nauheim geht es nicht nur um ökologische Ziele, sondern auch um wirtschaftliche und soziale Nachhaltigkeit«, erläutert Lei. Ihre Aufgaben sind es, Handlungsfelder und Maßnahmen zu identifizieren und sie mit bestehenden Bemühungen zusammenzubringen. »Es passiert ja schon einiges, aber ich will es hinter einer strategischen Richtung vereinen und gezielt angehen.« Ein kleiner Impuls war bereits das Mehrweggeschirr für den Lieferservice in der Gastronomie. Zu den großen Brocken gehören aber Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen wie die Energie- und Wasserversorgung. Als ein Beispiel nennt sie die Tatsache, dass Bad Nauheim trotz der Parkanlagen schon heißeste Stadt Deutschlands gewesen ist. »Um das zu ändern, muss man sich unter anderem die Innenstadt anschauen. Da ist wenig Grün«, erklärt Lei.

Mobilität und zukunftsfähige Mobilitätskonzepte sind ein weiterer großer Inhalt. Man müsse als Stadt die Infrastruktur schaffen, sagt sie. »Wir müssen alle gemeinsam an einem Strang ziehen, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, und ich hoffe, ich kann meinen Beitrag dazu leisten.«

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