Stromtankstellen gibt es bereits in Bad Nauheim, jetzt soll der Magistrat die Möglichkeiten einer Anlage für Wasserstoff prüfen. FOTO: IHM-FAHLE
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Stromtankstellen gibt es bereits in Bad Nauheim, jetzt soll der Magistrat die Möglichkeiten einer Anlage für Wasserstoff prüfen. FOTO: IHM-FAHLE

Wunsch nach Wasserstoff

  • vonPetra Ihm-Fahle
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Die Stadt Bad Nauheim prüft die Möglichkeiten einer Wasserstoff-Tankstelle. Das Parlament folgte mit seinem Beschluss einem Vorstoß der Freien Wähler, den besonders Manfred Jordis (CDU) unterstützte. "Ich verfechte diese Technologie sehr", sagte der Chemielehrer.

Unter welchen Bedingungen kann die Stadt eine Wasserstoff-Tankstelle errichten und was würde es kosten? Das soll der Magistrat nun prüfen. Mit großer Mehrheit stimmte das Bad Nauheimer Stadtparlament einem Antrag der FW/UWG zu, verbunden mit Ergänzungen der CDU.

Markus Theis, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, begründete den Prüfantrag: "Viele Menschen denken, dass Wasserstoff besser für den Pkw-Betrieb als Elektro-Energie ist. Unsere Infrastruktur reicht im Grunde aus, um die E-Autos zu laden, die in Bad Nauheim fahren." Gleichwohl gebe es Fahrzeuge, beispielsweise Lkw, die mit Wasserstoff unterwegs seien, vermutlich aber noch nicht in Bad Nauheim. Um einen Anreiz zu schaffen, sei es wichtig, eine Möglichkeit zur Betankung zu untersuchen. "In Bad Homburg gibt es ein Pilotprojekt, es bestehen Fördermöglichkeiten", erklärte Theis.

"Als Chemielehrer begrüße ich diesen Antrag", betonte Manfred Jordis (CDU). Offensichtlich habe ihm Theis "im Aufsichtsrat der Stadtwerke Bad Nauheim gut zugehört", denn schon häufig habe sich Jordis dort dafür ausgesprochen. "Ich habe dort auch gesagt, dass wir Partner finden sollten, um dieses Projekt umzusetzen." Ein Vorschlag sei, die Ovag gemeinsam mit der Verkehrsgesellschaft Oberhessen (VGO). Besonders bei schweren Kraftwagen wie Lkw und Bussen ergebe die Wasserstofftechnologie Sinn, fuhr Jordis fort. Die CDU wolle den Antrag allerdings etwas erweitern: Die Stadt solle demnach prüfen, inwieweit eine Realisierung durch eine städtische Gesellschaft machbar sei. Zudem solle die Kommune mit möglichen Partnern wie der Ovag sprechen und Fördermöglichkeiten ausloten.

Dr. Martin Düvel (Grüne) stimmte Theis zu: "Wasserstoff ist eine saubere Energie." Ein Manko sei allerdings die Herstellung aus Erdgas, womit sich eine deutlich höhere CO2-Bilanz ergebe als erneuerbare Energien hätten.

Eher für Lkw und für Busse

Es gebe aber den sogenannten grünen Wasserstoff, der aus Solar- und Windkraftwerken stamme. Düvel ging auf die Wasserstoffstrategie der Bundesregierung ein, die unter anderem ins Auge fasse, grünen Wasserstoff aus Afrika zu importieren. Er sei kein Anhänger dieser Idee, sagte Düvel: "Es hört sich für mich zu sehr nach Großtechnik an, da sind mir die hiesigen Windkraftwerke lieber." Düvel gab zu bedenken, dass ein Wasserstoff-Auto fünfmal mehr Strom brauche als ein herkömmlicher E-Pkw. Für Autos sei dies keine gute Lösung, eher für Flugzeuge, Lkw, Busse und eventuell Züge. Er appellierte, stattdessen die E-Mobilität weiter nach vorn zu bringen, stellte aber in Aussicht, dem Prüfauftrag zuzustimmen.

Christdemokrat Jordis pflichtete Düvel einerseits bei. Die Herstellung von Wasserstoff mit konventionellen Methoden sei nicht "grün", allerdings gelte das auch fürs Elektro-Auto. Es gebe solche und solche Methoden. "Ich verfechte die Brennstoffzelle und den Wasserstoff sehr", unterstrich er. Und sollte eine Herstellung vor Ort möglich sein, begrüße er dies genauso wie Düvel.

Nicht gedacht als Konkurrenz

Jordis stellte klar, kein Konkurrenzangebot zur E-Technologie schaffen zu wollen. "Das ist wie bei der Stromerzeugung. Wir setzen nicht nur auf Windkraft, sondern auch auf Solarenergie und andere Formen." Eine Verkehrswende sei nur möglich, wenn alle Technologien zum Tragen kämen - und Hauptproblem beim Fahren mit Wasserstoff-Autos sei nun mal das Fehlen von Tankstellen. "Mit Wasserstoff kann man viel weitere Strecken fahren und schwere Fahrzeuge bedienen." Ein weiteres Argument, das auch Düvel als Vorteil genannt hatte: "Hinten kommt nur Wasserdampf raus."

Wie Peter Heidt (FDP) unterstrich, ergebe es Sinn, diese Möglichkeiten auszuloten. Er sei bereits mit einem Wasserstoff-Bus gefahren - "es ist eine tolle Technologie".

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