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Das Bürgerhaus in Nieder-Wöllstadt ist zu klein, befürchtet die FWG.

Zoff um den »Rathaus-Prunkbau«

  • vonUdo Dickenberger
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Wöllstadt hat ein echtes Wahlkampfthema: Die FWG setzt sich für eine neue Kulturhalle, eine Sporthalle und einen Anbau an die Verwaltung ein. Man kann allerdings auch der Auffassung sein, dass das alte Bürgerhaus vollkommen ausreicht, eine neue Kulturhalle somit überflüssig und stattdessen ein neues Rathaus dringend erforderlich ist.

In der jüngsten Haupt- und Finanzausschusssitzung wurde der FWG-Antrag für ein neues Bürgerhaus erst einmal abgelehnt. Die Freien Wähler hatten beantragt, dass, wenn nicht alle Veranstaltungen im gleichen Umfang mit den neuen Bestuhlungsplänen möglich sind, überprüft wird, das jetzige Bürgerhaus zu vergrößern. Wenn dies baulich nicht möglich ist, soll ein neues Bürgerhaus gebaut werden.

Bürgermeister Adrian Roskoni (parteilos) berichtete, dass bei den Veranstaltungen wegen des neuen Brandsicherheitskonzeptes weniger bestuhlt werden kann. »Die Einschnitte sind nicht so drastisch wie befürchtet, jedoch trifft der neue Bestuhlungsplan die Vereine erheblich«, sagt FWG-Fraktionsvorsitzender Sebastian Briel. Das Nieder-Wöllstädter Bürgerhaus, 1962 gebaut, sei in die Jahre gekommen. »Wöllstadt wächst und braucht deshalb einen Treffpunkt für Menschen und die Vereine.«

Andere entgegnen, es handele sich um den Verlust von zwei Dutzend Plätzen, der zu verschmerzen wäre. An die Grenzen stoße das Bürgerhaus ohnehin nur bei den Sitzungen des Nieder-Wöllstädter Carnevals-Clubs (NCV), der Weiberfassenacht und großen Konzerten der Concordia, die dann oft in der Römerhalle oder den Kirchen stattfinden.

FWG: Kleiner Anbau reicht aus

Roskoni weist darauf hin, dass der NVC gegebenenfalls eine vierte Sitzung veranstalten und die Kommune dem Club bei der Miete entgegenkommen könnte. Eine bauliche Veränderung des aktuellen Bürgerhauses ist laut Bürgermeister schwer vorstellbar.

Trotzdem: Die FWG will, dass nicht nur ein Bau einer Sporthalle, sondern auch der eines neuen Bürgerhauses geprüft wird. Die Gemeinde sei im Förderprogramm »Lebendige Zentren« und könnte beide Hallen finanzieren. »Wenn es nun heißt, dass dies die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde übersteigt, müssen wir hinterfragen, ob wir uns einen fünf Millionen Euro teuren Rathaus-Prunkbau leisten können«, sagte der stellvertretende FWG-Fraktionsvorsitzende Udo Schäfer am Rande der Sitzung. Die FWG bezweifelt die Notwendigkeit für einen Neubau; ein kleiner Anbau an die Verwaltung reiche aus.

Roskoni betont dagegen, dass für das Rathaus ein Anbau wenig helfe, da die Verwaltung gebündelt agieren müsse. Man habe unter Schwierigkeiten bereits das Bauamt ins alte Rathaus in Ober-Wöllstadt geschickt. Das alte Rathaus in Nieder-Wöllstadt sei für Verwaltungszwecke ungeeignet. Dort sei nicht einmal ein Telefonanschluss vorhanden. Der Keller des Bürgerhauses sei aus arbeitsschutzrechtlichen Gründen für die Verwaltung ungeeignet. Auch er scheide aus.

Die FWG fordert laut Briel einen barrierefreien Anbau auf der Fläche am jetzigen Rathaus oder eine Umnutzung des bestehenden Bürgerhauses, wenn eine neue Kulturhalle gebaut wird. So könnte eine hohe Investitionssumme gespart und das aktuelle Rathaus und der bestehende Bürgerhausparkplatz weiter genutzt werden. Ferner könne das bestehende Bürgerhaus für eine Büroraum-Nutzung umgebaut werden, dies koste mit Sicherheit weniger.

»Aus meiner Sicht kann von einem ›Rathaus-Prunkbau‹ keine Rede sein. Wie die FWG darauf kommt, ist mir schleierhaft«, betont Roskoni auf WZ-Anfrage. Die Machbarkeitsstudie werde gerade erst erstellt, hier liege noch gar kein Ergebnis vor. Mit den Bürocontainern, die bis zum Sommer stehen sollen, mache die Gemeindeverwaltung ja eigentlich das, was mit einem kleinen Anbau vergleichbar sei: »Allerdings ist jetzt schon absehbar, dass das nur eine mittelfristige Übergangslösung für die nächsten rund fünf Jahre sein kann.« Damit könne keine Lösung geschaffen werden, die langfristig funktioniert.

Auch von der ins Spiel gebrachten Umwidmung des Bürgerhauses hält Roskoni wenig: »Sie führt zu keiner für die vorhandene Situation adäquaten Lösung.« Hier gebe es planungsrechtliche Vorgaben, so die Arbeitsstättenverordnung, welche die Büronutzung in letzter Konsequenz nicht möglich machen.

Roskoni: »Aus meiner Sicht sollte die Machbarkeitsstudie abgewartet werden und mit dieser Beratungsgrundlage das Thema in den gemeindlichen Gremien weiterbearbeitet werden.«

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