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Die "Alte Garde" feiert ein einmaliges Comeback.

"Weil wir Wöllschter sind"

Wöllstadt (har). Zu einer vierstündigen Zeitreise wurde die "Wöllstädter Weiberfassenacht" am Donnerstagabend im proppenvollen Saal des Nieder-Wöllstädter Bürgerhauses. Grund dafür war das 20-jährige Bestehen der Kultveranstaltung von Frauen für Frauen.

Das Jubiläum nahmen einige langjährige Aktive zum Anlass, sich zumindest aus der vordersten Linie der Weiberfasse-nacht zu verabschieden.

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Auch beim Jubiläum mussten die Männer draußen bleiben. Lediglich einige, die für Technik, Musik, WZ-Berichte oder hinter der Theke benötigt wurden, durften in den Saal. Die "reizenden" Bedienungen in ihren Mini-Röcken kamen aus den Reihen des Gesangvereins Concordia.

Und auch "de Maddin" war nach zweijähriger Pause wieder dabei. Musiker Martin Winter heizte der bestens aufgelegten Närrinnenschar schon vor dem offiziellen Beginn kräftig ein. Als dann die Concordia-Frauen mit "Wenn die Weiberfassenacht" ihre Retro-Show eröffneten, standen alle und sangen lautstark mit. Mit "Weil wir Wöllschter sind" sang sich der Chor sein eigenes Jubiläumslied. "Urgestein" Elke Blum begrüßte die Närrinnen in dem T-Shirt, das sie bei der ersten Weiberfassenacht getragen hatte – "und es passt noch immer", freute sie sich.

"Jetzt isses vollbracht – 20 Jahre Wöllschter Weiberfassenacht" verkündetet sie. "Und das ganz ohne Männerstrip, Männerballett und ohne Zensur."

Seit 15 Jahren moderiert Anja Hübl das Frauenspektakel, immer in einer anderen Rolle, dieses Jahr als Zauberin "Miraculix". Und als später Corina Waldschmidt als "Zauberlehrling Titti" dazu kam, war allen klar, dass hier ein Generationswechsel bevorsteht. Als erstes "zauberte" das Duo die "Crazy Chicken" auf die Bühne. Zum Jubiläum zeigten die Mädels, verstärkt durch vier Ehemalige, Ausschnitte aus ihren schönsten Tanzshows, von Michael Jackson bis hin zur "Funky Town". Da war die erste von vielen Raketen an diesem Abend fällig.

Die einstigen Gardemädchen feierten als "Alte Garde" ein furioses Comeback. Als die Beine so hoch flogen, wie es im gesetzten Alter noch ging, kannte der Jubel keine Grenzen. Als nicht ganz helle Teenager zogen Julie Paeutz und Anne Wittig dann über die Männerwelt her, erläuterten ihre große Liebe und berichteten über ihre vergeblichen Versuche, den Führerschein zu machen.

Wieder vereint war die "Alte Singgruppe". Die acht "Old Spice Girls" kamen direkt vom Großeinkauf auf die Bühne, suchten musikalisch "den Mann, der den Einkauf bezahlt" und sangen schließlich von den sieben Sünden. Erst zwei Jahre ist der Auftritt der "Voca People" her, doch die spektakuläre "Playback-Tanzshow" musste zum Jubiläum einfach noch einmal gezeigt werden. In weißen Overalls und weiß geschminkten Gesicht wirbelten neun Gestalten zu einem A-cappella-Hit-Mix der Kölner Vocal-Gruppe über die Bühne – immer lippensynchron und zu den kurzen Ausschnitten passend.

Drei kleine Schulkinder (Carmen Setzer, Gisela Ratskowski und Natascha Baumann) zogen über Eltern und Schule her. Dazwischen wurde auf der eigens aufgebauten Bühne getanzt und gesteppt. Die tollen Figuren entstanden dank den ausgeliehenen Händen der nicht zu sehenden Mitspielerinnen hinter dem schwarzen Vorhang.

Tradition ist die Hitparade am Ende des ersten Programmteils. Original-Hits und deren Coverversionen waren dieses Mal zu hören. So sangen Rammstein und Heino im Wechsel "Junge" während sich Reinhard Mey, Roy Black und "Anita" ihre Auftritte mit Dieter Thomas Kuhn teilten.

Stimmung auch nach der Pause: Die "Crazy Chicken" tanzten mit fluoreszierenden Elementen am Körper im Schwarzlicht. Ein letztes Mal kam der "Hausmeister vom Bürgerhaus" auf die Bühne. In ihrer Paraderolle zog Elke Blum noch einmal alle Register, begrüßte "immer wieder die Gleichen im Saal" und kündigte ihre Pensionierung an.

Danach tanzten fünf überdimensionale Hüte mit "Bauchgesichtern" über die Bühne und feierten ein einmaliges Jubiläums-Comeback, allerdings "anonym", wie Hübl verkündete. Alles andere als jugendfrei war das "Mini-Musical", das Corina Waldschmidt und Andra Braun als zwei gestandene Mannsbilder aufs Tapet brachte. Was sie an ihren Körpern ändern wollten, wurde alleine durch den Titel "Das Sacklied" deutlich. Die Weiber im Saal tobten und sangen den Refrain lautstark mit.

Als Engel samt Heiligenschein saßen Waltraud und Mariechen (Ulrike Geiling und Annette Schmidt) auf der Bühne. Petrus hatte dem Duo Urlaub gegeben, um nach zehn Jahren ein letztes Mal zur Weiberfassenacht zu gehen. Und dann erfüllten sich die beiden noch einen Wunsch: Sie verwandelten sich in einen "zweiköpfigen Elferrat" und nahmen das organisierte Faschingsgeschehen gehörig auf die Schippe.

Von wegen "scheißegal"

Als jugendliche Gesangsgruppe begannen einst die "Melodies", heute sind es acht junge Frauen, die zu später Stunde in feschen Dirndl mit einem bunten Hitmix für Partystimmung sorgten. Bei "I sing a Lied für Di" hielt es keine mehr auf dem Stuhl, die Zugabe "Joanna" wurde 400-fach mitgesungen.

Den Schlusspunkt setzten dann die "Heppedies", die Tanzgruppe, die von Beginn an dabei ist. 18 Frauen zeigten ein "Tanz-Potpourri" mit Ausschnitten aus "Grease", ihrer Afrika-Show sowie als "Anton aus Tirol". Mit "Das Spiel ist aus" wurde das große Finale der Weiber-Show eingeläutet.

Als alle Mitwirkenden auf der Bühne waren, wurde es ein Moment sentimental. Hübl übergab nach 15 Jahren ihren Zauberstab an Waldschmidt. Da flossen ein paar Tränen, es gab Blumen, unzählige Umarmungen und keiner war’s "scheißegal", wie alle zum Finale sangen. Doch eines war klar: "Wir bleiben ja in irgendeiner Form dabei", hatte Elke Blum verkündet. So wurde (dann zusammen mit einigen Männern) noch lange das närrische Jubiläum gefeiert.

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