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Das gemeindeeigene Anwesen im Taunusring 2 soll energetisch saniert werden. FOTO :UDO

Taunusring 2 wird saniert

  • vonUdo Dickenberger
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Wöllstadt (udo). Das kommunale Anwesen im Taunusring 2 in Ober-Wöllstadt soll energetisch saniert werden. Das haben die Gemeindevertreter in ihrer jüngsten Sitzung beschlossen. Für den SPD-Gemeindevertreter Bernd Hinkelmann ist das »hinausgeworfenes Geld«. Die beiden großen Fraktionen jedoch begrüßen die Entscheidung. Über den Verkauf des Gebäudes war in den vergangenen Jahren immer wieder diskutiert worden.

Hinkelmann ist der Auffassung, nur ein Abriss und ein anschließender Neubau seien angemessen. Er wies in der Sitzung auf zwei ältere weitergehende Anträge seiner Fraktion und beantragte eine Rücküberweisung in den Ausschuss - was aber abgelehnt wurde. Angenommen wurde jedoch der Antrag der CDU für die Sanierung: Die Planung soll 20 000 Euro kosten, die Investition 260 000 Euro. Die Fenster, das Wärmedämmverbundsystem und die Balkone sollen modernisiert werden.

Hinkelmann kritisiert die hohen Kosten. Die Gemeinde besitze nachher immer noch ein altes Haus. Er sei während der Flüchtlingskrise vor fünf Jahren zum Ergebnis gekommen, die beste Option für die Gemeinde sei, das Anwesen abzureißen und ein flüchtlingsgerechtes Gebäude zu errichten, das nach der Krise ohne größeren Aufwand in ein brauchbares Wohnhaus umgewandelt werden könne. Die Bausubstanz sei marode. Schon 2016, bei der Überlegung zur Unterbringung von Flüchtlingen, habe man ein neues Gebäude erstellen wollen. Warum immer wieder in das Haus investiert werde, könne er nicht verstehen.

Kurios: Die SPD-Fraktion hatte die Verwendung der »Hessenkassen«-Mittel in die Sanierung selbst mitgetragen. Allerdings habe er aus Krankheitsgründen bei dieser Sitzung gefehlt, erläutert Hinkelmann. Wäre er dabei gewesen, hätte er sofort darauf hingewiesen, dass dazu SPD-Anträge aus 2016 noch in den Ausschüssen seien. Hinkelmann fasst zusammen: »Das marode Gebäude gehört abgerissen; die Hessenkassen-Mittel in Höhe von 280 000 Euro sollten beim neuen Gebäude eingesetzt werden.« Die derzeitigen Bewohner könnten dann, wenn das neue Gebäude fertig sei, dorthin umziehen.

Bausubstanz ist erhaltenswert

Sebastian Briel (FWG) weist auf WZ-Anfrage darauf hin, dass in der Sitzung vom Januar 2020 gemeinschaftlich und einstimmig die energetische Sanierung des Mietgebäudes beschlossen worden sei. Die FWG habe im Jahr 2015/2016 den Verkauf der Liegenschaft geprüft. Nachdem es für einen Verkauf keine politische Mehrheit gab, habe die FWG das gemeinschaftlich ausgehandelte Maßnahmenpaket für die »Hessenkasse« mitgetragen. Briel: »Die FWG ist daher gegen einen Abriss der Immobilie.« Mit dem einstimmigen Beschluss, den damals auch die SPD mitgetragen habe, sehe sich die FWG in der Pflicht, dieses Versprechen umzusetzen. Grundsätzlich soll das Thema »bezahlbarer Wohnraum« noch stärker intensiviert werden.

Oliver Kröker (CDU) teilt mit, dass das Gebäude in den 70er Jahren gebaut wurde. Laut einer Anfrage aus 2019 an den Bürgermeister ist »die jetzige Bausubstanz erhaltenswert und die Zuschnitte der Wohnungen entsprechen den heutigen Anforderungen.« Obwohl in den letzten Jahren einige Modernisierungen erfolgten, gebe es einen Sanierungsstau, insbesondere im energetischen Bereich.

Eine Investition lohne sich. Das Gebäude sei in der Vergangenheit immer wieder aus rein politischen Beweggründen schlechtgeredet worden - »danach könnte man fast meinen, es würde kurz vor dem Einsturz stehen«. Das stimme aber gar nicht. Die Gebäudesubstanz sei vor etwa sechs Jahren umfassend untersucht, bewertet und für erhaltenswert befunden worden. Die Gemeinde habe im Haus über viele Jahre hin in Not geratene Menschen unterbringen und soziale Härten abfedern können. Ein privater Hausbesitzer würde in einem solchen Fall sanieren statt abreißen, weil es die bessere Lösung ist. »Ein Abriss mit Neubau wäre betriebswirtschaftlich schlecht«, meint Kröker.

Bürgermeister Adrian Roskoni (parteilos) betont, dass sich die Politik 2016 bewusst gegen einen Abriss entschieden habe. Eine energetische Sanierung sei aus seiner Sicht sehr sinnvoll.

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