Verkehrschaos

Taunusring und Feldbergstraße: Wie Anwohner die Durchfahrt madig machen

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Die Anwohner in Ober-Wöllstadt sind genervt: Ständig fahren Autos durch Seitenstraßen. Die Bewohner haben sich etwas überlegt, um die Durchfahrt zu erschweren. Dafür gibt es Beschimpfungen.

Nein, es macht keinen Spaß, durch die Feldbergstraße in Ober-Wöllstadt zu fahren. Dort ein Auto, da ein Hänger, dann Gegenverkehr – Stop-and-go. Schnell geht es auch nicht. Soll es aber auch nicht. "Dafür haben wir gesorgt", sagt Judith Weilbächer. "Wir stellen unsere Autos so, dass man Schlangenlinien fahren muss." Und damit ein Fahrzeug zum Halten gezwungen wird, wenn Gegenverkehr kommt. Da das jedoch viele nicht interessiert hat und sie auf den Gehweg auswichen sind, stehen dort nun Eimer. "Das sind die Möglichkeiten, die wir haben."

Handy-Videos und Listen

Wir – das sind zahlreiche Anwohner der Feldbergstraße und des Tanunsrings. Die Ortsumgehung ist zwar nun seit fast einem Jahr geöffnet, viele, die in Rosbach auf die A 5 auffahren wollen, nehmen dennoch den Weg durch Wöllstadt. Weil es schneller geht? Nicht unbedingt, sagt Steffen Voigt. "Höchstens zu den Stoßzeiten." Sonst spare man keine Zeit. Dennoch: Verkehr sei ständig. Judith Weilbächer und ihre Tochter Carolin Laugwitz haben Handy-Videos, die das bezeugen – morgens um 7 fahren im Sekundentakt Autos durch die Seitenstraße. Daher haben sie auch Fahrzeuge gezählt. Von Mittwoch, 0 Uhr, für 24 Stunden: "1916 Fahrzeuge." Im Taunusring, vermuten sie, sind es noch mal so viele. Die Kennzeichen seien durchmischt. FB natürlich, aber ebenso MKK, BÜD, F. "Allein 22 Lkw und Sattelzüge sind in dieser Zeit durch die Feldbergstraße gefahren, obwohl zwei Mal auf ein Durchfahrtsverbot aus Richtung Nieder-Wöllstadt kommend hingewiesen wird."

Gefährlich für Kinder

Gerade für Kinder sei es gefährlich – "die Autos fahren teilweise 80", sagt Britta Lietsch, die im Taunusring (30er-Zone) wohnt. "Viele Grundschüler müssen wieder in die Schule gebracht werden." Markus Laugwitz ergänzt: "Man kann hier keine Kinder mehr alleine auf die Straße lassen. Meine Große hat erst angefangen, Inliner zu fahren, das geht zurzeit nicht."

Richtig schlimm geworden sei es seit der Sperrung der Hanauer Straße – viele, die aus Richtung Nieder-Wöllstadt in den Ort fahren, biegen in den Taunusring ab, das "Anlieger frei"-Schild ignorierend.

Kontrollen gefordert

Die Ortsdurchfahrt nutzen viele als Abkürzung (auch andere Straßen sind betroffen, siehe Kasten) – statt die Umgehung bis nach Friedberg zu nehmen und über die B 455 Richtung A 5 zu fahren.

Verhindern lässt sich das nur durch Kontrollen, glauben die Anwohner. Dass es die noch nicht regelmäßig gibt, ärgert viele. "Wenn ich in Friedberg kein Parkticket ziehe, kriege ich sofort einen Strafzettel. Und hier? Hier passiert nichts", schimpft Voigt.

Beschimpfungen

Dafür, dass sie nun die Initiative ergreifen und mit ihrem Parkverhalten den Durchgangsverkehr einschränken, gebe es oft böse Reaktionen. Sätze wie, "Warum machen Sie es den Leuten so schwer?", sind noch harmlos, erzählt Susanne Böhm. Die Bandbreite reiche von Beschimpfungen bis zu Mittelfingern. Einmal, berichtet Britta Lietsch, hat sie beobachtet, wie ein Lkw-Fahrer einen geparkten Anhänger zur Seite gehoben hat, um durchzukommen. Ein anderer habe einen Eimer auf dem Bürgersteig umgefahren.

Kontrollen in Sicht?

Die Gemeinde arbeitet daran, dass verstärkt kontrolliert wird, sagt Bürgermeister Adrian Roskoni. Allerdings sei das nicht einfach. Absprachen mit dem zuständigen Amt des Ordnungsbezirk seien notwendig, eigenmächtig könne eine Gemeinde nicht kontrollieren. Es werde auch geprüft, ob eine private Firma engagiert werden könne. Dazu bedürfe es aber einer Genehmigung des Regierungspräsidiums sowie eine Abstimmung mit der Ordnungsbehörde – das dauert. Dass die Bewohner verärgert darüber seien, verstehe er, könne aber noch nichts ändern. "Wir müssen öffentliches Recht einhalten."

Ab August Hanauer Straße zu

Es gebe jedoch eine gute Aussicht: Ab August wird im Zuge der Kanalarbeiten in der Hanauer Straße ein Abschlagbauwerk zwischen Taunusring und Mühlweg freigelegt. Bedeutet: In der Straße ist ein Loch, es wird kein Durchkommen geben. Dann allerdings dürften vermehrt Bewohner anderer Straßen geplagt werden. So oder so: "Wir versuchen, die Probleme an allen Stellen in den Griff zu kriegen, letztlich liegt es aber an der Vernunft der Autofahrer."

Info

Geplagtes Wöllstadt

Mit Wöllstadt und dem Verkehr ist das so eine Sache: Irgendwo fährt immer einer durch, obwohl er es nicht soll und muss. Die Anwohner der Gießener und Hanauer Straße kennen das. Vor der Ortsumgehung haben ohnehin Tausende Autos die damalige B 3 genommen. Aber auch mit der Eröffnung seien nach wie vor viele Fahrzeuge durch den Ort statt außen herum gefahren, beklagte Helmut Naumann vergangene Woche in einem Leserbrief, er bezieht sich auf die Gießener Straße. "Dort fahren nach der Planung der Ortsumgehung fast 8000 Kfz pro Tag." Naumann schlägt u.a. vor, den "Bus-Feldweg" (die Umleitung für Busse) auszubauen – ein Vorschlag, der auch beim Besuch in der Feldbergstraße zur Sprache kam. Laut Bürgermeister Roskoni ist das aber allein deswegen schon nicht möglich, weil der Weg nicht ohne Weiteres breiter gemacht werden könne (Privatflächen). Was die Gießener Straße (die zur Kreisstraße zurückgebaut wird) angeht, sagt er: "Wir versuchen, das Beste herauszuholen." So solle Baurecht für zwei Engstellen geschaffen werden.

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