Der Musikzug Nieder-Wöllstadt hat die Proben wieder aufgenommen - gespielt wird aber nur draußen. FOTOS: UDO/ARC
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Der Musikzug Nieder-Wöllstadt hat die Proben wieder aufgenommen - gespielt wird aber nur draußen. FOTOS: UDO/ARC

Keine Auftritte

Orchester über draußen, aber mit "voller Kapelle"

  • vonUdo Dickenberger
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Musikern macht die Pandemie besonders zu schaffen. Aber langsam laufen die Aktivitäten wieder an. Der Musikzug und der Musikverein in Wöllstadt versuchen das Beste aus der Situation zu machen.

Wöllstadt(udo). Musikern macht die Pandemie besonders zu schaffen. Proben können nicht in gewohntem Rahmen stattfinden, und die meisten, wenn nicht sogar alle Auftritte von Orchestern mussten abgesagt werden.

Bernd Eisenhut ist der Vorsitzende des Musikvereins Ober-Wöllstadt. Die Aktivitäten laufen langsam wieder an. Das Orchester hat die Ausbildung Anfang Juni wieder gestartet, und mit Proben in kleineren Gruppen im Stammorchester ist Ende Juni angefangen worden. Am 30. Juni fand die erste Gesamtprobe im Freien auf der Bleiche statt.

Online-Workshops über Komponisten

Alle Auftritte und Engagements indes wurden abgesagt. Unklar sei, wie hier ein Wiederanfahren aussehen könnte, sagt Eisenhut. Schäden würden bleiben - weniger finanziell, da der Verein gut aufgestellt sei. Aber der ein oder andere Musiker werde die Krise zum Anlass nehmen, um seine Mitgliedschaft zu beenden.

Christof Westerfeld ist der zweite Vorsitzende des Musikvereins. Er erläutert, dass mit Beginn der Einschränkungen gezielt Online-Treffen stattfanden und verschiedene Aktionen durchgeführt wurden.

Dirigentin Lisa Bodem habe wöchentliche Online-Workshops für ihre Orchester angeboten. Dazu zählten der Musikverein Ober-Wöllstadt, das Sinfonische Blasorchester der Uni Frankfurt und der Musikverein Brachtal. Hier habe sie ausführlich musikalische Werke und die Komponisten erläutert und vorgestellt. Man habe sich über die Orchestergrenze hinaus austauschen können.

Die musikalische Früherziehung sei unter Einhaltung der Hygieneregeln noch vor den Sommerferien wieder aufgenommen worden. Die Kurse seien unter Leitung der Musikpädagogin Lydia Schüffler erfolgreich beendet worden, berichtet Westerfeld. Viele Einzelunterrichte konnten digital durchgeführt werden. Das Schülerorchester "Piccolinos" und das Jugendorchester "Sound Factory" sei unter Leitung von Alica Biewald vor den Sommerferien online und dann auf Abstand in der Römerhalle und im Kulturraum unterrichtet worden. Auch die Musikerleistungszeichen "Kleine Stimmgabel" und das bronzene D1-Leistungsabzeichen konnten abgelegt werden.

Teil des größten Online-Orchesters

In einzelnen Aufnahmen nahm das Stammorchester das Stück "Queens Park Melody" auf. Die Videos fügte Andreas Eisenhut zusammen. Christof Westerfeld wirkte außerdem bei einem Corona-Online-Orchester mit, wobei der Weltrekord des größten virtuellen Orchesters aufgestellt wurde.

Der Musikzug Nieder-Wöllstadt habe Ende Mai als einer der ersten Musikvereine wieder vorsichtig den Probenbetrieb starten dürfen, erklärt Vorsitzender Joachim Schnabel. Gespielt wird nur im Freien - im Garten des Vize-Vorsitzenden Jochen Leps. Dort können alle Vorgaben so umgesetzt werden, dass das komplette Orchester üben darf.

Die Musiker seien überglücklich, wieder wenigstens anderthalb Stunden pro Woche gemeinsam spielen zu dürfen. Man habe sich bewusst gegen kleingruppige Registerproben im Vereinsraum entschieden. Auch wenn das Spielen im Freien Nachteile habe: das Wetter, die einsetzende Dunkelheit, die Stechmücken, zählt Schnabel auf. Doch die Vorteile von Gemeinschaftsproben mit allen Mitgliedern überwiegen: der Zusammenhalt und die Vereinsgemeinschaft. Aus diesem Grund hat der Musikzug auch eine Radtour unternommen.

Auch beim Musikzug sind alle geplanten Auftritte weggebrochen und damit auch ein Großteil der Einnahmen. Da aber die beiden Ausbilderinnen und Dirigentinnen ehrenamtlich tätig sind, entstünden keine großen laufenden Kosten. Schnabel: "Wenn schon keine Auftritte mehr, dann wollen wir wenigstens sozial aktiv bleiben und das Miteinander stärken." Wie und wann die Auftritte wieder starten könnten, sei derzeit leider nicht zu beantworten.

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