Obst, Wurst, Brötchen - bei "Mein Markt Röthig" in der Mitte von Ober-Wöllstadt gibt es alles, was man für den täglichen Bedarf braucht. Dennoch ist es wirtschaftlich schwierig, einen kleinen Lebensmittelmarkt zu betreiben, sagt Dirk Röthig. 		FOTOS: SDA
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Obst, Wurst, Brötchen - bei »Mein Markt Röthig« in der Mitte von Ober-Wöllstadt gibt es alles, was man für den täglichen Bedarf braucht. Dennoch ist es wirtschaftlich schwierig, einen kleinen Lebensmittelmarkt zu betreiben, sagt Dirk Röthig. FOTOS: SDA

Nahversorgung

Wöllstadt: „Mein Markt Röthig“ schließt Ende Februar

  • Sabrina Dämon
    vonSabrina Dämon
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Dirk und Sabine Röthig leiten seit 15 Jahren ein Lebensmittelgeschäft in Ober-Wöllstadt. Doch kommenden Monat schließen sie das Geschäft. Besonders für Senioren eine schlechte Nachricht.

Erst die Ortsumgehung, dann die Straßensperrung, jetzt Corona. »Irgendwann war es wirtschaftlich einfach nicht mehr tragbar«, sagt Dirk Rö-thig. Seit 15 Jahren leitet er das Lebensmittelgeschäft »Mein Markt Röthig« in der Hanauer Straße in Ober-Wöllstadt. Nun jedoch haben er und seine Frau Sabine sich dazu entschieden, den Laden Ende Februar zu schließen. »Die Entscheidung war nicht leicht. Wir sind mit den meisten Kunden hier per Du«, sagt Sabine Röthig.

Dirk und Sabine Röthig betreiben den Laden. Dirk Rö-thigs Vater hilft noch mit; er hatte das Geschäft 1992 übernommen und bis zur Übergabe an den Sohn geleitet. 140 Quadratmeter Verkaufsfläche, eine Fleischtheke, eine für Backwaren. »Wir haben alles, was man so braucht. Von der Nähnadel bis zum Salatblatt.« Und eine Poststelle. Dort gibt es einiges zu tun; da wegen des Lockdowns mehr im Internet bestellt wird, gibt es auch häufiger Retour-Sendungen

Aber, sagen die Eheleute: Wegen Corona kämen noch weniger Kunden in das Geschäft als ohnehin schon. Denn die meisten Kunden seien Senioren. Die jedoch sind wegen der Pandemie dazu angehalten, das Haus so wenig wie möglich zu verlassen und Einkäufe von Angehörigen erledigen zu lassen. »Junge Leute fahren eher mit dem Auto in die großen Märkte«, sagt Sabine Röthig - eine Entwicklung, die die Röthigs sowieso schon in den vergangenen Jahren gespürt hätten.

Dirk und Sabine Röthig stemmen die Arbeiten im Markt zu zweit - und kennen fast alle ihre Kunden, erzählen sie. »Hier wird immer gerne ein Schwätzchen gehalten.«

Durch die Ortsumgehung seien zudem einige der Postkunden weggefallen - Pendler, die abends von der Autobahn gekommen seien und z. B. nach Niddatal wollten. Mit der Ortsumgehung begann in Wöllstadt der Rückbau der B 3, also der Ortsdurchfahrt, die zur Gemeindestraße geworden ist. Damit einhergehend wurde auch die Hanauer Straße gesperrt. »Wir hatten vor der Sperrung schon überlegt, ob wir schließen sollen, uns dann aber entschieden, dass wir es durchziehen«, sagt Sabine Rö-thig. Bis jetzt. Dennoch, sagt Dirk Röthig: Seine Eltern, denen die Ladenfläche gehöre, seien grundsätzlich bereit, zu vermieten.

Mit der Bekanntgabe der Marktschließung gab es auch politische Reaktionen. Die Wöllstädter CDU äußerte ihr Bedauern: Das Lebensmittelgeschäft sei zu einer Institution im Ort geworden. »Dass nun bald Schluss sein soll, finden wir traurig«, sagt Jürgen Schweitzer. Der CDU-Vorsitzende sieht Probleme auf die Nahversorgung im Ort zukommen. »Bald kein Bäcker, keine Postfiliale und keine Einkaufsmöglichkeit mehr im Ortsteil zu haben, ist gerade für viele ältere Bürgerinnen und Bürger eine schlechte Nachricht.«

Vor allem die Älteren hätten Jahrzehnte die Einkaufsmöglichkeit in der Ortsmitte genutzt. In den Markt zu gehen, sei stets mehr gewesen als nur ein Einkauf, »sondern immer auch eine Gelegenheit für ein kurzes Schwätzchen und für soziale Kontakte«.

Die Christdemokraten schlagen daher vor, gemeinsam auszuloten, wie und auf welche Art ein neues Angebot geschaffen werden könnte.

Dazu äußert sich auch Bürgermeister Adrian Roskoni. Einen Nachfolger für einen Lebensmittelmarkt zu finden, sei gewünscht, aber schwierig. Zumal Wöllstadt keine Ausnahme ist: Immer mehr kleine Geschäfte in kleineren Orten haben in den vergangenen Jahren geschlossen - eben weil die wirtschaftliche Situation eine schwierige ist und der Trend zu großen Märkten geht. Eine gute Alternative wäre laut Roskoni deswegen, wenn eine Bäckereikette eine Filiale in Ober-Wöllstadt eröffnen könnte - in Kombination mit der Post. »In der Bäckerei könnten dann auch zwei Kühlschränke stehen mit Wurst, Käse und Milch.« Aber: »Wir müssen erst noch jemanden finden.« Mit etwas Glück werde ein Bäcker gefunden, und der Betrieb könnte im März quasi nahtlos weitergehen. »Wenn es nicht so gut läuft, dauert es ein halbes Jahr, und im schlechtesten Fall gibt es gar keinen Nachfolger.«

So oder so: Zur Überbrückung für die Zeit ohne Nahversorgung habe man sich im Rathaus bereits Gedanken gemacht. Mit der Initiative »Wöllstadt hilft« der katholischen Kirche sei man im Gespräch über einen Einkaufs-Shuttleservice. »Ich denke, da stehen die Chancen gut.«

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