Ein Foto vom Eröffnungstag im Juli 2015: Am Anfang war der Wochenmarkt auf dem Rathausparkplatz in Nieder-Wöllstadt beliebt. Doch mit der Zeit hat der Besucherandrang nachgelassen.
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Ein Foto vom Eröffnungstag im Juli 2015: Am Anfang war der Wochenmarkt auf dem Rathausparkplatz in Nieder-Wöllstadt beliebt. Doch mit der Zeit hat der Besucherandrang nachgelassen.

Wochenmarkt

Kein Wochenmarkt mehr in Wöllstadt - Das sind die Gründe

  • Sabrina Dämon
    vonSabrina Dämon
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Der Wochenmarkt in Nieder-Wöllstadt lief schon eine ganze Weile nicht mehr gut. Gründe dafür, dass mittwochs immer weniger Besucher gekommen sind, gibt es laut Marktsprecher mehrere.

Am Ende hat es einfach nicht mehr gereicht. Zu viel Aufwand, zu wenig Ertrag. Der Organisator des Wöllstädter Wochenmarkts, Joachim Schnabel, hat die Konsequenz gezogen: Es wird keinen Markt mehr in der Gemeinde geben. Schade, findet Schnabel. »Ich habe das leidenschaftlich gemacht. Ein Schwätzchen halten, dazu verkaufen. Das war mein Ding.«

Im Juli 2015 kamen zum ersten Mal Lebensmittel-Händler auf dem Rathausparkplatz in Nieder-Wöllstadt zusammen, um ihre Waren anzubieten. Damals war es noch ein Selbsterzeugermarkt, Marktsprecher war Norbert Schön, der heute den Rosbacher Markt organisiert.

Die Resonanz in Wöllstadt war groß. Zumal es zu dieser Zeit keinen Supermarkt in der Gemeinde gab. Frisches Gemüse, Brot, Fleisch und Fisch, zudem noch Feinkost, Blumen und ein Imbiss - für die Wöllstädter eine gute Gelegenheit einzukaufen. Aber nicht nur: Der Wochenmarkt etablierte sich schnell als Treffpunkt. Stets standen Bierbänke bereit, die sich rasch füllten. Besucher holten sich Getränke, machten es sich gemütlich, saßen und plauderten.

Mit dem Wöllstädter Wochenmarkt sei es genau andersherum gewesen als bei anderen Märkten, sagt Bürgermeister Adrian Roskoni. »Normalerweise dauert es vier, fünf Jahre, bis sich so ein Markt etabliert. Unserer war gleich von null auf hundert Prozent.«

Mit der Zeit sei es dann schlechter geworden. »Ungefähr vor zwei Jahren, im Sommer 2018, wurden die Umsätze weniger«, sagt Schnabel. Musste manch ein Händler in der Anfangszeit an einem Martkmittwoch noch einmal wegfahren, um Nachschub zu holen, ist es zum Schluss immer schwieriger geworden, Ware zu verkaufen.

Wöllstädter Markt - »gebranntes Kind«

Dass der Markt nicht mehr so gut angenommen worden ist, liegt an mehreren Faktoren, glaubt Schnabel. Einerseits hat der in der Gemeinde »dringend benötigte« Rewe-Markt zwischen den beiden Ortsteilen im November 2018 eröffnet. »Aber das ist nicht der alleinige Grund; da bin ich mir sicher«, sagt der Marktsprecher. »Da kommen viele Faktoren zusammen.«

Zum Beispiel auch die Mundpropaganda. In der Beschicker-Szene habe sich herumgesprochen, dass es auf dem Markt in Wöllstadt aus Verkäufersicht nicht so gut laufe. »Wenn ein Händler aufgehört hat und wir haben versucht, Ersatz zu organisieren, haben wir niemanden bekommen. Wöllstadt war mittlerweile ein gebranntes Kind.« Dort verdiene man ohnehin nichts, habe es geheißen. »Und für 80 bis 100 Euro Umsatz stellt sich keiner einen ganzen Tag auf den Markt. Das ist nicht rentabel.«

So sei das Angebot mit der Zeit lückenhaft geworden - was sich wiederum auf die Besucher ausgewirkt habe.

Was auch mit hineinspiele: Viele der Besucher, die von Anfang an treue Wochenmarkt-Besucher gewesen seien, seien in den vergangenen Jahren gestorben oder ins Heim gekommen.

Überhaupt sei es eine bundesweite Tendenz, dass es kleinere Wochenmärkte immer schwerer hätten zu überleben - gerade solche, die nicht über die Grenzen der jeweiligen Gemeinde hinaus frequentiert würden.

Wöllstädter Wochenmarkt: Feierabend-Treff am Stand

Für Schnabel und Roskoni ist es jedenfalls bedauerlich. Aber nicht zu ändern. »Es ist mir wirklich nicht leichtgefallen«, sagt Schnabel. Er habe es bis zum Schluss probiert, auch vonseiten der Gemeinde habe der Markt stets viel Unterstützung bekommen.

Schnabel selbst sei einer der wenigen gewesen, dessen Stand auch zum Ende hin noch recht gut besucht gewesen sei - wegen der Getränkeangebote an seiner mobilen Straußwirtschaft und dem damit einhergehenden Feierabendtreff, der sich an seinem Stand quasi etabliert hatte. Aber auch hier: »Seit vergangenem Herbst wurde es weniger.« Und was die Produkte zum Kauf (Apfelsaft, Obst, Eier) angehe, habe er schon länger einen Rückgang bemerkt. Zudem habe er immer zwei Helfer zum Auf- und Abbau gebraucht. Sein Vater und Schwiegervater haben diesen Part übernommen. »Aber wenn ich dafür zwei Leute hätte bezahlen müssen, hätte es auch nicht funktioniert.«

Für Schnabel ist es aber noch nicht ganz vorbei. Zwar bietet er seine Produkte nicht mehr auf dem Rathaus-Parkplatz an, sein Hofladen hat aber nach wie vor geöffnet.

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