dab_im_veith3_220621
+
Horst Veith hat in seinem naturnahen Garten den Schwerpunkt auf Wasser und Teiche gelegt.

Liebe zur Natur

Horst Veith gärtnert aus Sorge um die Welt

  • VonInge Schneider
    schließen

Ein Garten ohne Wasser und Teiche, ohne Vögel, Libellen und Fische? Das kam für Horst Veith niemals infrage. Seine Vision ist sogar: »1000 Teiche in allen Wöllstädter Gärten.«

Horst Veith, Jahrgang 1943, ist ein Ober-Wöllstädter Urgestein. Der Familien- und Großvater hat die Veränderung von Natur und Landschaft rund um seinen Heimatort hautnah miterlebt, das Verschwinden der Streuobstwiesen, die Ausdehnung eintöniger Äcker, die Belastung des Rosbachs mit Schafstoffen, die weit ausholenden Umgehungsstraßen.

Vieles hat er versucht, über den NABU und die Gemeindevertretung zu verändern, nicht alles war erfolgreich, oft ist er mit seinem Einsatz für den Naturschutz angeeckt. Wiederum konnte er häufig Familien und Kinder begeistern, so als Biberbeauftragter - und knüpfte damit an eine prägende Erfahrung seiner Kindheit an.

Liebe zur Natur vom Lehrer geweckt

»Es war mein Ober-Wöllstädter Volksschullehrer Theodor Nierbauer, gleichermaßen Pädagoge, Naturschützer und Jäger, der uns damals Achtjährigen die Liebe zur Natur, ihre Beobachtung und Pflege sowie auch gärtnerische und handwerkliche Fähigkeiten beibrachte«, erinnert sich Veith. »Das Wort ›Naturschutz‹ war damals keineswegs in aller Munde, als er uns wichtige Zusammenhänge und das Aufeinander-Angewiesensein von Erde, Wasser, Luft und Wetter, von Pflanze, Tier und Mensch nahebrachte.«

Wenn es um den Raubbau an der Erde geht, kann sich Veith, der bereits dem NABU-Vorgänger Deutscher Bund für Vogelschutz angehörte, in Rage reden: »Wenn man bedenkt, dass allein die Gattung Dinosaurier unseren Planeten 160 Millionen Jahre lang dominierte, dann versteht man, wie lang der Atem der Natur und der Evolution ist.

Sie haben alle Zeit der Welt - und dann kommt die Gattung Mensch daher, deren Leben als Individuum und als Art damit verglichen nur einen Wimpernschlag lang währt, und benimmt sich, als wäre sie im Selbstbedienungsladen.«

Wenig Nachwuchs bei Vögeln und Insekten

Die Ausbeutung der Erde könne so nicht weitergehen, führt der Gartenbesitzer beim Blick über das vielfältige Leben an seinen Teichen aus. »Der Raubbau im Umgang mit Wasser und Boden, der überhöhte Einsatz von Spritzmitteln und Dünger, der CO2-Ausstoß und die Klimaschande - ich denke, wir haben noch etwa drei, vier Jahre, um das Steuer herumzureißen, anschließend wird es zu spät sein.«

So wenig Nachwuchs bei Vögeln und Insekten wie in diesem Jahr habe er noch nie erlebt. »Es ist alles rückläufig, es fehlt der Wille, diese Welt zu erhalten. Die Eigeninteressen, der Profit und der schnelle Konsum gehen uns vor.«

Horst Veith selbst hat als gelernter Schlosser im Metallbau gearbeitet, 15 Jahre auch auf dem Frankfurter Flughafen, danach in der Produktion bei Mercedes in Bad Homburg. Er kennt die Perspektiven von Fluggesellschaften und Autoproduzenten und bleibt gerade deshalb bei seinen flammenden Appellen.

Ausgeklügeltes Bewässerungssystem

Der Garten, vor 50 Jahren angelegt, mit Teichen und einem über Jahre hin entwickelten Bewässerungssystem aus Regen- und Dachwasser nebst Vorratsspeichern, ist bis heute sein Refugium. Er ist sein Ausgleich zum Alltag und mit frischen Pflücksalaten, Küchenkräutern, Tomaten, Bohnen und Zucchini auch beliebte Nahrungsquelle für die Familie.

Selbstverständlich spritzt Veith keine chemischen Unkraut- und Insektenbekämpfungsmittel, gedüngt wird mit Hornknochenspänen, vorgezogen unter anderem in einem Balkontreibhaus.

Bunte Vielfalt, reges Leben

Neben den Teichen gibt es Flächen für Wildblumen, natürlich die Seerosen, an den Ufern Leinkraut, Blutweiderich, Gilbweiderich, Wasserdost, Farne und Zitronenmelisse. Blaue Prachtlibellen, Plattbauchlibellen sowie die Vierflecklibelle und die Mosaikjungfer in ihrer blauen und roten Variante flirren im Sonnenlicht.

Der zugewanderte Teichfrosch lässt ab und zu sein Quaken vernehmen. Amseln, Rotkehlchen, Rotschwänzchen, Blaumeise, Stieglitze, Mönchsgrasmücke, Klapper- und Gartengrasmücke und Bluthänfling hat Veith schon gesichtet, sogar einen Eisvogel.

Gartenglück genießen

Das Ausbleiben des Vogel- und Insektennachwuchses beunruhigt ihn ebenso wie die Tatsache, dass der Eisvogel vielleicht in seinen angestammten Fließgewässern keine Nahrung mehr fand.

Dennoch: An Sommerabenden, wenn die Nachtigall betörend in den Sträuchern singt, dann kann Horst Veith alle Probleme vorübergehend vergessen und sein Gartenglück nur noch genießen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare