B 3 und B 45

Von Friedberg bis Karben in zehn Minuten: Ortsumgehung Wöllstadt ist offen

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Die B 3/B 45-Ortsumgehung Wöllstadt ist offen. Die Anwohner dürfen sich ebenso freuen wie alle, die künftig deutlich schneller zwischen Friedberg, Karben und Ilbenstadt unterwegs sind.

Als Ulrich Hansel von Hessen Mobil beim Verlesen der zahlreichen Ehrengäste das Protokoll links liegen ließ, um Wöllstadts Ehrenbürgermeister Alfons Götz zu begrüßen, wurde es laut. Es gab "Bravo Alfons"-Rufe und langen Beifall für den Mann, dessen politischer Lebenstraum am Montagmittag nach drei Jahrzehnten in Erfüllung ging.  

Die Eröffnungsfeier für die Freigabe der B 3/B 45-Ortsumgehung sollte trotz der Rückschau auf leidvolle Jahre des Wartens aber vor allem ein Fingerzeig in die Zukunft sein: Denn statt der in Spitzenzeiten bis zu 28 000 Fahrzeugen pro Tag sollen es den Berechnungen der Planer im Bundesverkehrsministerium nach künftig zwischen 4500 und 7800 sein – eine Entlastung um bis zu 75 Prozent, wie Staatssekretär Rainer Bomba betonte. Insgesamt 52,3 Millionen Euro habe der Bund investiert, um die Anwohner in beiden Ortsteilen von Lärm, Abgasen und Unfallrisiken zu entlasten. Gleiches stellte er für die B 3-Anlieger in Butzbach, Okarben und Kloppenheim in Aussicht. Hier seien die Ortsumgehungen bereits in Planung.

Dass die Ortsumgehung, die bereits 2009 Baurecht hatte, danach aber wegen fehlender Mittel fast auf Eis gelegt worden war, nun freigegeben ist, sei dem nimmermüden Einsatz der Wöllstädter zu verdanken, lobten alle Redner. Neben Götz war das vor allem die BI um ihren Vorsitzenden Peter Dangelmaier. Mehrmals waren die Bürger auf die Straße gegangen, um zu demonstrieren. "Und keiner hat geklagt. Das ist außergewöhnlich", sagte Europaministerin Lucia Puttrich und verwies auf die langwierige Umsiedelung von Feldhamstern und Rebhühnern. Gerichtsverfahren hätten das Projekt leicht weiter verzögern können.

"Die Friedberger mussten 40 Jahre warten", gab Landrat Joachim Arnold zu bedenken – auch wenn hierfür eher die deutsche Einheit verantwortlich war. Die Ortsumgehung werde nicht nur die gewerbliche Entwicklung Wöllstadts beflügeln, sondern sei auch wichtig für die Anbindung der Ray Barracks, des neuen Friedberger Stadtteils.

Der Landrat erinnerte aber auch an die Zukunft der Wöllstädter Einzelhändler, die bald mit deutlich weniger Durchgangsverkehr (und damit Kunden) leben müssen. "Gehen Sie weiter vor Ort einkaufen", lautete sein Appell an die zahlreich erschienenen Wöllstädter.

Dabei ist es gerade eine Befürchtung der Wöllstädter, dass es ihnen wie den Ockstädtern ergehen wird: Dort hat die Umgehungsstraße nur kurzzeitig Entlastung gebracht; die Autos fahren weiter durch den Ort, um zur A 5 zu kommen. Droht Ober-Wöllstadt das gleiche Schicksal? "Wir werden alles daran setzen, die beste Lösung für die Anwohner in der Gießener und Hanauer Straße umzusetzen", versprach Bürgermeister Adrian Roskoni. Nach den Sommerferien will er in Verhandlungen mit dem Wetteraukreis treten, der für die künftige Kreisstraße 11 zwischen Rosbach und Ober-Wöllstadt verantwortlich zeichnet. Ziel sei es, einen breiteren Gehweg anzulegen und die Straße zum Teil nur einspurig befahrbar zu gestalten. In puncto Nachfahrverbot für Lkw müsse man erst die aktuellen Verkehrszählungen abwarten. Nach der Freigabe würden Messstellen eingerichtet.

Die Zukunft Wöllstadts wird eng mit der Ortsumgehung verbunden sein. Wie passend, dass die nächste Generation beim Fest vertreten war: Adrian Roskoni ist dieser Tage zum zweiten Mal Vater geworden und hatte seinen Nachwuchs dabei. Alfons Götz’ Enkel Constantin (9) durfte mit die silberne Schere in die Hand nehmen, um neben den Honorationen das schwarz-rot-goldene Band zu zerschneiden. Ebenso wie Leo Feuerbach (11), der gleiches bereits vor acht Jahren bei der Eröffnung der Friedberger B3a getan hatte.

Im Festzelt auf der neuen Straße, die nach einem Platzkonzert des Musikvereins Ober-Wöllstadt von den beiden Ortspfarrern Peter Meier-Röhm und Norbert Braun gesegnet worden war, durften sich die Gäste noch Schnitzel mit Grüner Soße schmecken lassen. Sie mussten sich jedoch mit dem Kauen beeilen – schließlich sollte die Ortsumgehung zeitig freigegeben werden.

Info

Was noch nicht fertig ist

Sieben Kilometer B 3 – südlich von Friedberg und bis hinter Nieder-Wöllstadt – sind ab heute genauso zu fahren wie die zwei Kilometer B 45 – westlich von Ilbenstadt bis zum Knoten zwischen Ober- und Nieder-Wöllstadt. Noch nicht fertig ist der Anschluss des Knotens an die nun alte B3 zwischen den Ortsteilen. Hier gibt es wegen des Grundwasseraufkommens Probleme mit dem Untergrund; die Auffahrt muss angehoben werden. Für den Rückbau und den Anschluss an die Umgehung (und zur L3204 nach Rodheim) muss zudem die Frankfurter Straße zwischen Nieder-Wöllstadt und Okarben im kommenden Jahr gesperrt werden. Die alte B3 zwischen Friedberg und Ober-Wöllstadt folgt Anfang 2018: Sie soll einen Radweg erhalten. Für die Restarbeiten muss man von einer Bauzeit von gut einem Jahr ausgehen. (hed)

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