Ortsdurchfahrt Wöllstadt

Doch keine Engstellen?

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Über Jahrzehnte führte die B 3 durch Wöllstadt. Mit der Umgehungsstraße änderte sich das. Nun plant die Gemeinde Maßnahmen, die die Durchfahrt unattraktiv machen sollen. Bei den Plänen zur Gießener Straße gibt es jedoch ein Problem.

Es ist besser geworden. Seit die Wöllstädter Ortsumgehung fertig ist, hat sich der Verkehr im Ort reduziert. Allerdings noch lange nicht so, wie es sein soll: Noch immer nehmen Autofahrer den Ort als Abkürzung. Manche bspw., die aus Friedberg kommen und in Rosbach auf die A 5 wollen, fahren lieber durch Ober-Wöllstadt.

Damit die Ortsdurchfahrt künftig für Autofahrer unattraktiv wird, hat sich die Gemeinde zahlreiche Maßnahmen ausgedacht, die im Zuge des sogenannten Rückbaus umgesetzt werden sollen. Rückbau, weil aus der ehemaligen B 3 Gemeinde- und Kreisstraßen geworden sind.

Die Ilbenstädter Straße in Nieder-Wöllstadt ist schon fertig: Die jetzige Gemeindestraße hat durch Parkplätze Verschwenkungen bekommen, damit man nur in Kurven und dadurch langsam durchfahren kann. In Ober-Wöllstadt wird zurzeit in der Hanauer Straße gearbeitet. Und auch die Gießener Straße soll bald an der Reihe sein.

Doch dort ist der Gemeinde in Sachen Planung ein Strich durch die Rechnung gemacht worden, wie Bürgermeister Adrian Roskoni berichtet. Die Gießener Straße ist zwar nun Kreisstraße, dennoch hat die Gemeinde einige Pläne. So sollten zwei Engstellen entstehen (Straßenbreite von 3,50 Meter), die den Begegnungsverkehr unmöglich machen.

Soweit der Plan. Um diesen schnell umzusetzen, hatte die Gemeinde versucht, das Bauvorhaben ohne ein sogenanntes Planfeststellungsverfahren durchzuführen – also ein Verwaltungsverfahren, in dem darüber entschieden wird, ob Gestaltungsmaßnahmen im öffentlichen Raum zulässig sind.

Nur drei Jahre Zeit

Ein solches Verfahren dauert. Der Kreis allerdings, der für die Erneuerung der Straße zuständig ist, hat keine Zeit. Denn: Nur wenn die Straßendecke innerhalb von drei Jahren nach der Umwidmung von einer Bundesstraße zur Kreisstraße erneuert wird, gibt es 150 000 Euro Zuschuss von Hessen Mobil. Ein Planfeststellungsverfahren, erklärt der Bürgermeister, dauert aber in der Regel länger – "bis zu fünf Jahren" (weil zum Beispiel Gutachten zu Lärm und Verkehr gemacht werden müssen).

Also wählte die Gemeinde einen anderen Weg, der in der Verwaltungssprache "Entfall der Planfeststellung" heißt und bei dem es sich um ein verkürztes Verfahren handelt. Bedeutet: Es erfolgte lediglich eine Phase der Offenlage, in dem das Vorhaben und die dazugehörigen Pläne öffentlich einzusehen waren. Die Bedingung: Bei dem verkürzten Verfahren dürfen keine negativen Einwände eingehen.

Hier beginnt, zumindest aus Gemeinde- und Politikersicht, das Ärgernis: Eine Person reichte während der Phase der Öffentlichkeitsbeteiligung einen Einwand gegen die Engstellen ein, so gingen mit diesen u.a. Lärmbelästigungen für die Anwohner einher. Das Thema Engstellen ist damit erst einmal vom Tisch.

"Wir sind alle sauer und wissen nicht weiter", sagt Oliver Kröker, CDU-Fraktionschef im Gemeindeparlament. Für ihn seien die zwei Engstellen die beste Lösung gewesen. Auch dem Bürgermeister gefällt die Entwicklung nicht. Denn der Kreis wolle sich laut Roskoni die Fördermittel nicht entgehen lassen, er werde also so oder so in den kommenden drei Jahren die Straßendecke erneuern. Die Gemeinde wolle in diesem Zuge Wasserleitungen und Kanal erneuern, denn die Leitungen seien von 1926.

Sollte also die Straße bis 2021 neu gemacht werden, würde es wegen des Einwands nur eine Engstelle geben, die fünf Meter breit ist. Die Durchfahrt werde dadurch nicht gerade unattraktiver, sagt Roskoni.

Deshalb muss die Gemeindevertretung eine Entscheidung treffen: Darüber, ob ein Planfeststellungsverfahren eingeleitet wird oder die Idee der zwei Engstellen ein für allemal beerdigt wird.

Die Chance, dass nach Abschluss eines Planfeststellungsverfahrens zwei Engstellen eingerichtet werden dürfen, liege bei 50 Prozent, vermutet Roskoni. "Wir werden eine Menge Geld für Gutachten ausgeben müssen und können dann eventuell drei Jahre später wieder die Straße wegen Bauarbeiten sperren." Entschieden werde spätestens im Herbst, wenn das Thema im Parlament behandelt wird.

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