Die Fronten in Wöllstadt sind verhärtet

  • David Heßler
    VonDavid Heßler
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Wöllstadt (hed/pm). Nicht erst seit der Woche vor der Bundestagswahl liegen sich Freie Wähler und die CDU in den Haaren. Zuletzt wurde der Ton jedoch merkbar rauer. Vor der Sitzung am heutigen Dienstag (20 Uhr in der Römerhalle) gibt es wechselseitig Schuldzuweisungen und die Bitte, sachlich zu bleiben. Ohne Erfolg, wie es scheint.

Die CDU, seit der Kommunalwahl in der ungewohnten Oppositionsrolle, wirft dem Vorsitzenden der Gemeindevertretung, Sebastian Briel (FWG), eine unfaire Sitzungsleitung vor. »Er soll die Würde und die Rechte der Gemeindevertretung wahren, die Arbeit der Gemeindevertretung gerecht und vor allem unparteiisch fördern.

Seit der Kommunalwahl ticken die Uhren in Wöllstadt jedoch anders«, urteilt Fraktionschef Oliver Kröker. Er spricht in der CDU-Pressemitteilung vom Mittwoch die letzte Sitzung der Gemeindevertretung (im Juli) an, bei der Briel persönliche Angriffe auf einen stets namentlich benannten Gemeindevertreter nicht unterbunden hätten. Er habe das mit »süffisanten Spitzen« vielmehr noch befeuert und den Angesprochenen herabgewürdigt. Briel würde auch sonst seine Stellung nutzen, »um Angelegenheiten stets zugunsten seiner Partei zu regeln«, ist Kröker überzeugt.

Auch sonst sei die Sitzungsleitung verbesserungswürdig. Zuletzt sei das gemeindeeigene WLAN-Netz gestört gewesen, es habe vielen der Zugang zu den Sitzungsunterlagen gefehlt. Briel habe auf Beanstandungen nicht reagiert. Mit seinem Verhalten drohe er »das gesamte Gremium zu beschädigen«. Der »unwürdige Umgang miteinander« müsse nun aufhören, lautet Krökers Appell.

Der Streit der beiden Fraktionen hatte sich nach einer Ausschusssitzung hochgeschaukelt, bei der die CDU beantragt hatte, dass die Verwaltung einen Newsletter beziehungsweise Social-Media-Kanäle einrichtet. Laut Bürgermeister Adrian Roskoni würde das die Verwaltung aber personell überlasten.

Orwell-Vergleiche auf Facebook

Die Freien Wähler lehnten das Ansinnen daher ab, was Kröker auf Facebook zur Bemerkung veranlasst: »Es drängt sich der Verdacht auf, dass die FWG weiter Politik im Hinterzimmer betreiben will.« Die CDU dagegen stehe für transparente und nachvollziehbare Entscheidungsprozesse. In einem weiteren Post wird die Arbeit der FWG gar in die Nähe des »Ministeriums der Wahrheit« aus George Orwells »1984« gerückt.

Ein Vergleich mit einem diktatorischen Überwachungsstaat sei die »nächste Spitze der Entgleisung«, kam sogleich die Retourkutsche. »Bewusste Falschdarstellungen« würden das Klima unnötig vergiften. Wenn die Union im Nachgang der FWG unterstelle, sie wolle die Bevölkerung nicht informiert wissen, sei das falsch, wehren sich die Freien Wähler.

Alle relevanten Informationen auf der Internetseite der Gemeinde hinterlegt. Die Diskussion sei von der Union bewusst verkürzt dargestellt worden. »Offensichtlich ist es nicht möglich, mit dieser CDU Wöllstadt konstruktiv zusammenzuarbeiten«, lautet das Urteil der Freien Wähler. Nun ist die Bundestagswahl vorbei und womöglich haben sich die Gemüter etwas beruhigt. Es dürfte gleichwohl eine spannende Sitzung heute Abend werden.

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