Hier sollen ab März 2021 Tagesmütter und -väter zehn U 3-Kinder betreuen. Nicola Waldheim und Bürgermeister Adrian Roskoni vor dem alten Lehrerhaus in Nieder-Wöllstadt.	 FOTO: JSL
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Hier sollen ab März 2021 Tagesmütter und -väter zehn U 3-Kinder betreuen. Nicola Waldheim und Bürgermeister Adrian Roskoni vor dem alten Lehrerhaus in Nieder-Wöllstadt. FOTO: JSL

Bald Leben in der Bude

  • vonJürgen Schenk
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Wöllstadt (jsl). Noch ist das alte Lehrerhaus in der Nieder-Wöllstädter Schulstraße verwaist. Im Innern herrscht gähnende Leere. Weder Tisch noch Stuhl ist übrig geblieben. Doch die Zeichen stehen auf Veränderung. Schon bald soll wieder Leben in die Bude kommen. Die Gemeinde Wöllstadt hat das historische Gebäude gekauft, um darin eine Kindertagespflegestätte einzurichten.

Am Anfang des 20. Jahrhunderts war das Haus zusammen mit der gegenüberliegenden »Neuen Schule« errichtet worden. Für den Erwerb und die Instandsetzung der Immobilie gibt die Gemeindekasse eine Summe im mittleren sechsstelligen Bereich. Bürgermeister Adrian Roskoni (parteilos) rechnet damit, dass die Kleinkinderbetreuung ab März 2021 starten kann.

Im Erd- und Obergeschoss sollen demnächst zwei eigenständige Wohnungen entstehen. Jede Etage kann von einer Tagesmutter oder von einem Tagesvater angemietet werden. Insgesamt sind in dem Haus zehn Betreuungsplätze, fünf pro Wohneinheit, geplant. Das Projekt wird von der Gemeinde als Alternative zum herkömmlichen Kita-Angebot vorgestellt. Federführend bei der Personalbesetzung ist der Fachbereich Kindertagespflege im Diakonischen Werk Wetterau.

Gemeinde finanziert auch das Mobiliar

»Der Bedarf im U 3-Bereich ist groß«, weiß Roskoni. »Unser Angebot richtet sich zuerst an Wöllstädter Familien. Mit jedem untergebrachten Kind von hier halbiert sich der Mietpreis. Durch die neue Einrichtung wollen wir mehr Flexibilität für U 3-Kinder bieten.«

Tageseltern, die den Job im alten Lehrerhaus übernehmen möchten, müssen allerdings nicht aus Wöllstadt kommen. Fünf Interessentinnen aus dem näheren Umkreis hätten sich bis jetzt beim Diakonischen Werk gemeldet, sagt Fachberaterin Nicole Waldheim. Neueinsteiger und erfahrene Kräfte seien gleichermaßen willkommen. »Wer Kinder betreuen möchte, braucht eine Pflegeerlaubnis. Zuerst führen wir mit den Leuten ein unverbindliches Beratungsgespräch durch. Dann müssen sie einen Qualifizierungskurs absolvieren, der sechs bis acht Monate dauert und kostenfrei ist. Die Unterrichtseinheiten in diesem Kurs finden hauptsächlich abends und an Samstagen statt. Vermittelt werden fachliches Wissen und Kompetenzen im Umgang mit Kindern.«

Roskoni sichert potenziellen Tageseltern Unterstützung zu. So werde die Gemeinde das Mobiliar in den Wohnungen finanzieren. Das alles solle als Anregung dienen. »Wer in den eigenen vier Wänden zu wenig Platz für Pflegekinder hat, weiß jetzt, wo die passenden Räume zu finden sind.«

Es ist noch nicht lange her, da mussten Eltern für einen Tagespflegeplatz einiges an Geld locker machen. Kindergärten erwiesen sich oft als die günstigere Variante. »Das ist jetzt nicht mehr so. Die Kindertagespflege ist gar nicht so viel teurer«, sagt Waldheim. Zusätzlich nennt sie Vorteile, wie flexible Zeitfenster beim Bringen und Holen der Kinder oder die fast häusliche Atmosphäre. Die gängigen Zeiten liegen nach ihrer Auskunft zwischen 7.30 Uhr und 16 Uhr. Für berufstätige Eltern sei das sehr wichtig.

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