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»In der wohltuenden Kälte wird der Kopf frei«

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Hungen/Wölfersheim (sto). Am nächsten Samstag ist es wieder soweit: Der Berstädter Carnevalverein »Die Dorfspatzen« lädt zum Neujahrsschwimmen im Berstädter Hausgewässer, dem Inheidener See, ein. Am 9. Januar um Punkt 12 Uhr wollen sich die wetterfesten Carnevalisten neben dem DLRG-Stützpunkt in die Fluten stürzen.

Die Idee, sich auf diese Weise für die Anstrengungen der anstehenden Fastnachtskampagne zu stählen, hatten zwei Mitglieder der »Dorfspatzen«, Thomas Schmidt und Stephan Musch. Jeden Sonntag absolvieren die beiden eine Runde im Inheidener See. »Wenn wir schon das ganze Jahr hier schwimmen, könnten wir auch ein Neujahrsschwimmen anbieten«, war ihr Gedanke. Schließlich gibt es solche Veranstaltungen weltweit.

Narrenkappen auf dem Kopf

Dabei gibt es von Land zu Land erhebliche Unterschiede. In Frankreich beispielsweise liebt man es, sich voll bekleidet ins Nass zu stürzen. In Russland, wo meist erst eine dicke Eisdecke gebrochen werden muss, gehen die Schwimmer in der Regel nur mit Badehose und Bikini ins Wasser. In den Niederlanden ziehen sich die Neujahrsschwimmer meist rote Mützen auf. Auch die Berstädter gehen mit Mützen alljährlich in den Inheidener See. Jedoch kopieren sie damit nicht die holländischen Variante: Sie setzen sich stattdessen die blau-weißen Narrenkappen ihres eigenen Vereins aufs Haupt.

Zum Berstädter Neujahrsschwimmen sind neben den Zuschauern auch Mitschwimmer beiderlei Geschlechts willkommen, ganz gleich, ob sie sich in französischer, russischer oder holländischer Version ins Wasser begeben. Besondere Voraussetzungen, um mitmachen zu können, gibt es nicht, versichert Stephan Musch. Er hält es für vorteilhaft, vor dem Gang ins Wasser »viel dummes Zeug zu schwätzen«, um sich abzulenken, verrät er aus langjähriger Erfahrung. »Das Wichtigste ist, die anfängliche Hemmschwelle zu überwinden.«

»Ein fettes Frühstück hilft«

Sein Tipp für Neueinsteiger: »Wir nehmen immer vor dem Neujahrsschwimmen ein reichhaltiges und fettes Frühstück zu uns. Allerdings sind in unserer Runde am Inheidener See auch kalorienbewusste Männer und Frauen willkommen.« Zum Aufwärmen - auch für die weniger mutigen Zuschauer - gibt’s Kaffee und Glühwein.

Um sich der Herausforderung mutiger stellen zu können, sei es von Vorteil, tagtäglich morgens kalt zu duschen, betont Andreas Wöhrle, der damit zugleich den Aspekt der Energieersparnis in die Waagschale wirft. Thomas Schmidt spricht das tolle Gefühl des Bades im kalten See an: »Sobald man die wohltuende Kühle spürt, ist der Kopf frei, und man hat ganz klare Gedanken.«

»Sich vom Ungemach läutern«

Die Reinigung des Geistes ist offenbar der entscheidende Aspekt des Neujahrsschwimmens. So spricht das Trio unisono von einer Stählung von Körper und Geist und verweist auf den lateinischen Spruch »Mens sana in corpore sano«. »In diesen Momenten des Neujahrsschwimmens läutern wir uns von allem Ungemach der vergangenen Monate«, erzählt Thomas Schmidt, während Andreas Wöhrle auch an die karnevalistischen Wurzeln des Berstädter Neujahrsschwimmens erinnert: »Hier tanken wir Kraft für die kommenden närrischen Wochen.«

8 Wer sich noch nicht sicher ist, ob er sich in den kalten See wagen will, kann sich von Stephan Musch (Tel. 01 71/ 7 31 33 27) Mut zusprechen lassen. Alle anderen, die mehr über das Neujahrsschwimmen am 9. Januar wissen wollen, können sich bei ihm melden.

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