+
An der A 45-Zufahrt bei Berstadt will Rewe ein Logistikzentrum bauen.

Umstrittenes Projekt

Logistikzentrum bei Berstadt: Rewe nennt geplante Mitarbeiter-Zahl

  • schließen

Das Rewe-Logistikzentrum in Berstadt wird noch immer heftig diskutiert. Nun stellte das Unternehmen im Bauausschuss erstmals eine Visualisierung vor und äußerte sich zu Mitarbeitern. Ausführlich diskutiert wurde allerdings nicht.

Auch bei der zweiten Präsentation des Neubauprojekts für ein Rewe-Logistikzentrum war eine ausführliche Diskussion nicht möglich. Denn in der Sitzung des Bauausschusses am Mittwochabend hatten nur dessen Mitglieder Rederecht, wie Bürgermeister Eike See zu Beginn betonte. So war es vor allem Michael Rückl (Grüne), der kritische Fragen stellte. Die Beiträge anderer Ausschussmitglieder nahmen die Rewe-Vertreter zum Anlass, um für das Projekt zu werben.

An sieben Infoständen hätten Besucher der Bürgerversammlung im Dezember Gelegenheit gehabt, sich bei 21 Experten über das Projekt zu informieren, erinnerte See. Auf Antrag von FWG und Grünen habe man beschlossen, diese Präsentationen noch einmal im Bauausschuss vorzustellen, "kurz bevor der finale Beschluss gefällt werden muss".

Rewe-Logistikzentrum: Visualisierung erstmals vorgelegt

14 Vertreter von Rewe und externen Planungsbüros saßen den Ausschussmitgliedern gegenüber, um das Projekt zu verteidigen. "Wir haben eine ganze Front an Experten hier sitzen", sagte See. "Es sollen keine Fragen unbeantwortet bleiben." Für die Bauauschusssitzung am Montag, wenn die Ergebnisse der Offenlage abgewogen würden, seien vergleichbar viele Experten geladen.

Gesamtprojektleiter Daniel Liebe erläuterte noch einmal, weshalb das Zentrum für Rewe an diesem Standort eine so große Bedeutung habe. Er sprach die Umsatzsteigerungen der vergangenen Jahre und die Erwartungen für die Zukunft sowie das wachsende Sortiment an. Die Präsentation selbst brachte wenig Neues, sondern zielte eher darauf ab, Kritik an dem Projekt zu entkräften.

Versiegelung: Volker Jansen, Geschäftsführer des Planungsbüros PGSJ, erläuterte, dass 60 000 Quadratmeter der Dachflächen begrünt werden sollen. Das geschieht nicht ganz freiwillig. Denn nur 80 Prozent der Grundstücksfläche von rund 300 000 Quadratmetern dürfen versiegelt werden. Die begrünten Dachflächen entsprechen den restlichen 20 Prozent. Auf Nachfrage erläuterten Rewe-Vertreter, dass nicht das komplette Hallendach begrünt werden könne, weil Undichtigkeiten dann kaum noch aufzufinden seien. Außerdem würden sich dadurch die Anforderungen an die Statik erheblich erhöhen, und es sei später kaum möglich, eine Solaranlage zu installieren.Entwässerung: Auch bei der Behandlung des Niederschlagswassers wurde deutlich, wie aufwändig das Projekt an diesem Standort ist. Denn in den Waschbach als einzige Entwässerungsmöglichkeit darf durch den Neubau nicht mehr Wasser eingeleitet werden, als ihm jetzt an Wasser zufließt. Deshalb müssen bei starken Niederschlägen große Wassermengen zurückgehalten werden, damit nicht mehr als 450 Liter pro Sekunde in den Waschbach fließen. Ein Teil dieses gespeicherten Wassers soll gereinigt und in dem Logistikzentrum verwendet werden.

Erscheinungsbild:In Fotografien wurde simuliert, wie der geplante Gebäudekomplex aus verschiedenen Richtungen zu sehen ist. Dabei wurde deutlich, dass die Hallen mit bis zu 35 Metern Höhe von vielen Standpunkten aus den Horizont dominieren werden. Zwar verschwinden die Hallen auf den Fotos teilweise im Dunst. In der Realität eines menschlichen Betrachters werden sie bei klarerem Wetter jedoch zum Beispiel vom Ortsrand Echzell aus wohl deutlich landschaftsprägend wahrzunehmen sein. Rückl kritisierte, dass diese Visualisierung erst jetzt gezeigt werde und nicht schon vorher Teil des Genehmigungsverfahrens gewesen sei.

Ackerboden:Gegen die Kritik an der Vernichtung wertvollen Ackerbodens will Rewe den Oberboden schonend auf ehemaligen Abraumflächen bei Berstadt und Wohnbach ausbringen lassen. Liebe betonte, es sei ein Umweltbeirat eingerichtet worden, der viele Maßnahmen diskutiere, um das Projekt verträglicher für Mensch und Natur zu machen. So sei die Nutzung einer Bahnstrecke für die Mitarbeiter im Gespräch. Andere Maßnahmen wie eine Bushaltestelle an der Einfahrt oder Einzäunung nur des genutzten Bereichs des Logistikzentrums und nicht des gesamten Grundstücks, seien bereits beschlossen.

Verkehr:Derzeit verkehren auf der B 455 zwischen Wölfersheim und Hungen täglich je 127 Lkw des Rewe-Unternehmens in beiden Richtungen. Laut Prognose sollen 2025 täglich 710 Lkw das Logistikzentrum anfahren oder verlassen. Der Großteil dessen - 588 zu- und abfahrende Lkw - soll über die A 45 fahren. Hierzu soll eine separate Spur von der Ausfahrt des Logistikzentrums direkt zur Autobahn führen und in die Einfädelspur Richtung Süden einmünden. Diese soll auch an der Ampelanlage, die den Verkehr an der Einmündung der K 181 auf die B 455 regeln soll, rechts vorbeiführen.

Der durch Rewe verursachte Lkw-Verkehr durch Wölfersheim soll durch das Logistiklager von derzeit zweimal 127 Lkw auf zweimal 94 Lkw abnehmen. Die Prognose geht davon aus, dass Richtung Echzell nur jeweils ein Lkw in beide Richtungen fahren werde. Ob diese Prognosen eintreffen, will Rewe aber nicht versprechen. "Ich könnte nicht für die verschiedenen Transportunternehmen die Hand ins Feuer legen, dass sie immer die Wege fahren, die wir denken", räumte ein Vertreter des Unternehmens ein. Allerdings seien sie angehalten, den kürzesten und schnellsten Weg zu fahren. Dieser entspreche überwiegend der Rewe-Tourenplanung.

Personal:Rewe nennt für das Logistikzentrum eine Zahl von 550 Mitarbeitern. "Sie fangen mit 550 Leuten an, und meine These ist: Da werden nicht viele davon übrig bleiben", kritisierte Rückl. Durch die geplante Automatisierung des Lagers würden viele Arbeitsplätze überflüssig. Dazu passe auch die Altersstruktur, nach der viele Mitarbeiter in den nächsten Jahren in Rente gingen. "Wir wollen seriöse Angaben machen", verteidigte ein Rewe-Vertreter die Zahl. Die 550 Mitarbeiter seien eine Mindestzahl. In der Hochlaufphase würden deutlich mehr benötigt. "Vielleicht ist ein Indiz, dass wir 800 Parkplätze bauen. Die bauen wir nicht für 550 Mitarbeiter." Er versicherte: "Wir garantieren 550 plus, und wenn Sie fragen, wie viele sind es 2030, dann sind es immer noch 550."

Dieser Artikel könnte Sie auch interessieren:

Rewe-Logistikzentrum: Entscheidung ist getroffen

Auf einer 30 Hektar großen Ackerfläche bei Berstadt will Rewe ein Logistikzentrum bauen. Am Freitag hat die Regionalversammlung über die Gewerbefläche entschieden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare