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Wölfersheim: Streit mit Gemeinde um Zirkus-Gastspiel verschärft sich - Einstweilige Verfügung

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Von: Kim Luisa Engel

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Der Streit zwischen Zirkus Alberti und Gemeinde Wölfersheim hat sich weiter verschärft. Der Zirkus holte sich das Wasser am Freitag mit rechtlichen Mitteln zurück. Neue Anschuldigen stehen im Raum.

Wölfersheim (keh/pm). »Wir leben noch«, sagt Nadja Frank von der gleichnamigen Zirkusfamilie, die den »Circus Alberti« betreibt. Dieser hatte vom 25. April bis zum 8. Mai ein Gastspiel auf dem Festplatz an der Mehrzweckhalle/Oberpforte in Berstadt gegeben (diese Zeitung berichtete).

Zwölf Tage sei man ohne Wasser gewesen, habe trotz Auftritten nicht duschen und vor allem die Tiere nicht versorgen können. Dem Zirkus seien vonseiten der Gemeinde Wasser und Strom abgestellt worden, berichtet Frank. Das Wasser hat sich der Zirkus mit einer einstweiligen Verfügung zurückgeholt.

Wölfersheim: Plakatierung löst Disput mit Zirkus aus

Vergangenen Freitag hatte die Gemeinde in einer Stellungnahme ihre Sicht der Dinge erläutert. Man habe dem Zirkus Alberti zunächst eine formlose Zusage per E-Mail gegeben, heißt es aus dem Rathaus. Nach der Zusage habe es weitere Abstimmungen wegen Wasser und Strom sowie der Plakatierung gegeben. »Seitens der Gemeinde Wölfersheim wurde mehrfach von verschiedenen Seiten telefonisch auf die Plakatierungssatzung hingewiesen und ausdrücklich untersagt, wild zu plakatieren.« Jedoch seien entgegen der Abstimmung im gesamten Gemeindegebiet Plakatierungen vorgenommen worden, ohne jegliche Genehmigung.

Die Gemeinde habe die Agentin aufgefordert, die Plakate umgehend abzunehmen. »Aufgrund der Menge der Plakatierung und der wissentlichen Missachtung der Vorgaben wurde der Agentin am selben Tag per E-Mail mitgeteilt, dass die Nutzung und somit das Gastspiel auf dem Platz in Berstadt zurückgezogen und untersagt wird«, sagt die Gemeinde. Das Vertrauen in die Zuverlässigkeit des Unternehmens sei geschädigt, und man sei zu keiner weiteren Zusammenarbeit bereit.

Wölfersheim: Gemeinde verpflichtet, Wasserrohr aufzubauen

Zu Beginn der vorvergangenen Woche habe die Gemeinde feststellen müssen, dass der Zirkus Alberti sich auf dem Gelände niedergelassen hatte. Aus einem Brief des Anwalts der Zirkusfamilie - der die Redaktion am Montag erreicht hatte - geht hervor, dass die E-Mail mit der Untersagung des Gastspiels im Spamordner der Agentin gelandet sei.

Weiterer Inhalt des Schreibens: Eine einstweilige Verfügung gegen die Gemeinde Wölfersheim von Freitag, 6. Mai. Darin steht, dass die Gemeinde das Standrohr zur Wasserversorgung rechtswidrig entfernt habe. Weiter heißt es: »Jetzt ist die Gemeinde verpflichtet, das Standrohr wieder aufzubauen, den Zirkus wieder mit Wasser zu versorgen, und gleichzeitig wurde verboten, die Wasserversorgung auf die Dauer des Gastspiels bis zum 8. Mai wieder zu unterbrechen.«

Wölfersheim: Neuer Streit um Stromversorgung

Ein Sprecher der Gemeinde Wölfersheim hat am Montag bestätigt, dass der Zirkus, unmittelbar nachdem das Amtsgericht Friedberg die einstweilige Verfügung zugestellt hatte, wieder mit Wasser versorgt wurde. Da das Gastspiel am Sonntag geendet habe, erfolgte am Montag der Rückbau. Jedoch schreibt der Anwalt der Familie, dass die Gemeinde auf die Verfügung »in ihrer unsäglichen Art« reagiert habe: Zwar laufe das Wasser wieder, doch habe die Gemeinde im »gleichen Zug den Strom ›abgedreht‹«.

Vergangenen Freitag hatte ein Sprecher der Gemeinde erklärt, dass es vor Erwirkung der Verfügung die Zusage gegeben habe, übergangsweise Strom und Wasser zur Verfügung zu stellen. Frau Frank habe versprochen, den Platz bis maximal Freitag zu räumen.

Wölfersheim: Zirkus habe Strom per Aggregat generiert

»Als sich abzeichnete, dass diese Vereinbarung nicht eingehalten wird, wurden gleichzeitig Wasser und Strom entfernt«, sagt der Sprecher am Montag. Die einstweilige Verfügung habe sich nur auf das Wasser bezogen, der Zirkus habe sich mit einem Aggregat seit dem 28. April selbst mit Strom versorgt. Daher sei auch keine Stromversorgung hergestellt worden.

Das Verhalten der Gemeinde bezeichnet Nadja Frank als »respektlos«, auch den Tieren gegenüber. Diese würden am meisten bestraft und könnten nichts dafür. Trotz allem habe man bis Sonntag, 8. Mai, gastiert und sei dann weitergefahren. »Irgendwie müssen wir auch leben«, sagt sie. »Es waren jetzt zwei Jahre Corona.«

Wölfersheim: Sehen sich beide Parteien vor Gericht wieder?

Der Anwalt des Zirkus gab zudem an, dass ein 87-jähriges Familienmitglied aufgrund des Wassermangels ins Krankenhaus gekommen sei. Frank sagt, die Frau habe ob der Aufregung einen Nervenzusammenbruch erlitten, sei noch immer im Krankenhaus. Bestimmt gebe es noch ein rechtliches Nachspiel.

Derweil überlegt die Gemeinde Wölfersheim nach Angaben vom vergangenen Freitag ebenso, rechtliche Schritte gegen den Zirkus einzuleiten. Bei der Entfernung des Stand rohres soll es zu Beschimpfungen und auch zu Tätlichkeiten gekommen sein. »Wir prüfen rechtliche Schritte wegen des geschilderten Verhaltens gegenüber der Gemeindemitarbeiter einzuleiten.« Dazu gebe es nach aktuellen Angaben aber keinen neuen Stand.

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