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Rewe will bei Berstadt ein Logistiklager bauen. Es gebe keinen alternativen Standort, sagt der Betriebsratsvorsitzende.

Rewe-Logistikzentrum

Rewe-Betriebsrat kritisiert Dekan in offenem Brief: „Ein Schlag ins Gesicht“

  • Dagmar Bertram
    vonDagmar Bertram
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Es gibt harsche Kritik am Vorgehen von Rewe beim geplanten Logistikzentrum in Wölfersheim. Ein Betriebsrat ist empört und antwortet mit einem offenen Brief.

  • Bei Wölfersheim-Berstadt soll ein Rewe-Logistikzentrum entstehen.
  • Der evangelische Dekan Volkhard Guth kritisierte Rewe für das Vorgehen in Wölfersheim.
  • Jetzt schießt Rewe-Betriebsrat Michael Adlhoch mit einem offenen Brief zurück.

Wölfersheim - In einem offenen Brief kritisiert Michael Adlhoch vom Rewe-Betriebsrat den evangelischen Dekan Volkhard Guth. Das Dekanat gehört zum Aktionsbündnis Bodenschutz Wetterau, das ein Logistikzentrum des Konzerns bei Wölfersheim-Berstadt verhindern will.

Zur Schöpfung gehöre nicht nur die Natur, argumentiert Adlhoch, sondern auch der Mensch. Er äußere sich stellvertretend für »550 Menschen und ihre Familien, die auf einen weiterhin heimatnahen Arbeitsplatz setzen dürfen«, sagt der Vorsitzende des Betriebsrats Rewe Logistik und Verwaltung Region Mitte.

Offener Brief wegen Rewe-Logistikzentrum bei Wölfersheim

Guth sei engagiert und offensichtlich ambitioniert, beginnt Adlhoch. »Aber ich wundere mich sehr über Ihre Aussagen als Kirchenmann.« Denn Guth argumentiere ausschließlich gegen das Zentrum und beziehe sich dabei »wenig auf Fakten«. Als Dekan trage er viel Verantwortung: »Die Menschen hören Ihnen zu, Sie sind in der Position, Meinungen zu bilden. Ich hoffe, das ist Ihnen bewusst«, schreibt Adlhoch.

Er frage sich, ob die Ablehnung des Lagers bei Wölfersheim Guths persönliche Meinung sei oder er damit die Meinung der Evangelischen Kirche Wetterau oder gar der gesamten Evangelischen Kirche Hessen-Nassau vertrete. Aktueller Anlass für den offenen Brief ist eine Pressemitteilung des Aktionsbündnisses. Darin war Guth zitiert worden mit: »Rewe hat sich wie ein Dieb in der Nacht in die Region eingeschlichen und vollendete Tatsachen schaffen wollen.«

Rewe-Logistikzentrum bei Wölfersheim: Weder eingeschlichen noch gestohlen

Der Arbeitnehmervertreter ärgert sich über den »offenkundigen Vergleich mit Kriminellen« und fragt Guth, ob dies sein Verständnis von Respekt und Nächstenliebe sei. »Kennen Sie denn nur auszugsweise das soziale und ökologische Engagement von Rewe? Leider offensichtlich nicht, sonst würden Sie vermutlich anders kommunizieren.« Rewe habe sich weder eingeschlichen noch etwas gestohlen. »Wir sind seit Jahrzehnten fest mit der Region verwurzelt.« Seine Kollegen gäben jeden Tag ihr Bestes. Guths Äußerungen seien für sie, »die gerade in Corona-Zeiten unter schwierigsten Bedingungen arbeiten müssen, stets aufs Neue ein Schlag ins Gesicht«.

Rewe habe sich die Entscheidung für Wölfersheim nicht leichtgemacht und auch nicht in einer »Nacht-und-Nebel-Aktion« entschieden. Aber es gebe keine Alternative: »Ein Handelsunternehmen braucht die Logistikstruktur im Herzen des Liefergebiets«, sagt der Betriebsratsvorsitzende. Aus Guths Umfeld sei immer wieder von »prekärer Beschäftigung« die Rede. Adlhoch: »In unseren Logistikzentren ist das nicht so. Selbst die Kollegen, die in jungen Jahren keine Ausbildung gemacht haben, sind zu 100 Prozent tarifgebunden und erfahren darüber hinaus eine Vielzahl an übertariflichen Leistungen.«

Rewe-Logistikzentrum bei Wölfersheim: Investitionen in die Region

Die Schöpfung habe neben Erde auch Menschen hervorgebracht, greift er Guths Ansatz auf. »Menschen brauchen Arbeit und das am besten heimatnah. Die Menschen bei Rewe ernähren mit dieser Arbeit ihre Familien, investieren in die Region und ermöglichen so ein Miteinander.« Bei der Verteidigung des Bodens dürfe man die Menschen hinter dem Neubau bei Wölfersheim nicht vergessen.

Rewe habe zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um den Flächenverbrauch auf ein Minimum zu reduzieren. »Die Oberböden werden aufwändig abgetragen und bleiben in der Region. Das erhält zwar nicht den vollen Wert dieser Böden, ist aber ein weiteres Indiz dafür, wie intensiv sich Rewe mit diesen Themen auseinandersetzt. Es gibt viel zwischen Schwarz und Weiß, es gibt Kompromisse und Einigung.«

Rewe-Logistikzentrum bei Wölfersheim bedeute hunderte Arbeitsplätze

In dem Logistikzentrum bei Wölfersheim werde es mindestens 550 unbefristete Arbeitsplätze plus 20 Ausbildungsstellen geben. Darüber hinaus würden mehrere Hundert Menschen täglich an dem Standort verkehren und Arbeit finden. »Ein Gebäude muss instandgehalten werden, ein Betrieb braucht technischen Support, Lkw und Logistikanlagen müssen gewartet werden, es wird Besucher geben, wir betreiben eine Kantine, eine Pforte bietet zusätzliche Arbeitsplätze.«

Rewe habe lange stillgehalten und viele Anschuldigungen und Unwahrheiten über sich ergehen lassen, sagt Adlhoch. Und an Guth gerichtet: »Ich würde mir wünschen, dass Sie sich nicht weiter an der Verbreitung von Gerüchten und Unwahrheiten beteiligen und sich (...) auch für die Interessen unserer Kolleginnen und Kollegen einsetzen, viele davon sind vermutlich Mitglied Ihrer Kirche.« (Dagmar Bertram)

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