Intime Einblicke in die Elternsprechstunde: Karl Ernst "Pucki" Pulkert, Ex-Lehrer an der Bad Nauheimer ELS, Schlagzeuger, Sänger und SPD-Kommunalpolitiker in Wölfersheim, ist unter die Buchautoren gegangen.		FOTO: NICI MERZ
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Intime Einblicke in die Elternsprechstunde: Karl Ernst »Pucki« Pulkert, Ex-Lehrer an der Bad Nauheimer ELS, Schlagzeuger, Sänger und SPD-Kommunalpolitiker in Wölfersheim, ist unter die Buchautoren gegangen. FOTO: NICI MERZ

Wölfersheim

Buch »Der Lesefresskorb« erschienen: Von Eltern und anderen Lebewesen

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Lehrer, Musiker, Kommunalpolitiker - und Autor: Karl Ernst »Pucki« Pulkert hat sein erstes Buch veröffentlicht. »Der Lesefresskorb« erzählt er von Elternsprechstunden und anderen Katastrophen.

Wölfersheim - Elternsprechtag in der Schule: Gute Gelegenheit, den Lehrer der Kinder endlich kennenzulernen. Aber dann sitzt man ihm gegenüber und denkt sich: Was ist denn das bloß für ein schräger Typ?

Die Crux an der Sache: Umgekehrt verhält sich das offenbar genauso. Man möchte manchmal Mäuschen spielen, wenn Lehrer beim Sprechtag Eltern vor sich sitzen haben, die von Erziehung wenig und vom Unterrichtsstoff gar nichts verstehen.

Einblick in ein ominöses Treffen

Und sich wundern, dass die Tochter so schlechte Noten in Englisch hat, obwohl sie zu Weihnachten ein Vokabellernprogramm für den PC geschenkt bekommen hat, mit dem sie sich immer in ihrem Zimmer einschließt, damit sie beim Lernen nicht gestört wird. Irgendwas (oder irgendjemand) muss da faul sein.

Karl Ernst »Pucki« Pulkert kennt das. Und er ist es auch, der uns einen Einblick in diese ominöse Veranstaltung namens »Elternsprechtag« gewährt. Der pensionierte Lehrer, der 36 Jahre lang Deutsch und Englisch an der Ernst-Ludwig-Schule in Bad Nauheim unterrichtete, hat sein erstes Buch veröffentlicht. »Der Lesefresskorb« heißt es, im Untertitel »Geschichten rund um Eltern und andere Lebewesen«.

Langjährige Berufserfahrung

Bleiben wir noch kurz bei den Eltern: Die Gespräche - sieben an der Zahl, der Autor schlüpft hier in die Rolle des verständnisvollen Englischlehrer »Herr Kaschewski« - haben »so in Wirklichkeit nie stattgefunden«, und die Namen seien erfunden, schreibt Pulkert im Vorwort.

Aber sie beruhen auf seiner langjährigen Berufserfahrung, sind ein Konzentrat dessen, was man alles erleben kann, wenn man diesen unberechenbaren Wesen namens Eltern gegenübersitzt.

Die Erkenntnisresistenz kann einen schier zur Verzweiflung bringen. »Herr Jöckel nickt, aber sein Gesicht zeigt, dass er das nicht tut«, heißt es in einer Episode. In einer anderen hätte der Lehrer lieber einen Durchfall als den Besuch von »Frau Herziger«, die zum Heulen einen ganzen Vorrat Taschentücher mitbringt.

Schreiend komisch und betroffen machend

Wir lernen: Lehrer sind nicht nur Wissensvermittler, sie verdienen ihr Geld offenbar auch als Psychotherapeuten und Ratgeber in allen menschlichen Lebenslagen.

Manche Szenen sind schreiend komisch, andere machen betroffen. Neben den sieben Episoden aus der Schule finden sich in dem Buch viele weitere Geschichten, und auch hier gilt: Mal geht’s heiter zu, mal wird man nachdenklich.

Ergreifend ist die Geschichte »Caen«, in der Pulkert anhand dreier Briefe aus der Zeit der Zweiten Weltkriegs den Wahnsinn auf den Schlachtfeldern thematisiert.

Wilde Wutzen wälzen die Wampen

Pulkert nennt sich »Gelegenheits-Schriftsteller«, sein Buch versammelt ganz unterschiedliche Textsorten. Das ist keine hohe Literatur mit raffiniert versteckten Leitmotiven und rhetorischen Purzelbäumen, das ist leichte Unterhaltungskost, wie sie man sie einem »Lesefresskorb« erwartet.

Analog zum Fresskorb, wo die Leberwurst auch gleich neben dem Schampus steckt. Literarisch zählen dazu auch Mundartgedichte, die handwerklich sehr solide gearbeitet sind.

Da hinkt kein Vers, die Reime sind perfekt gesetzt, hier zeigt sich die Liebe des Autos zum wohlklingenden Wort und zum Binnenreim: »Wenn wilde Schweine in Waldwurzeln wühlen, / dann suchen sie schlammige Kuhlen zum Kühlen. / Wurstig wälzen die armen Wampen / und wonig wogt walkende Wallung.« Das ist großartige Kleinkunst.

Lebendige Dialoge

Das Buch hält noch eine Zugabe bereit: 2002 anlässlich der 1200-Jahr-Feier in Södel wurde in dem Wölfersheimer Ortsteil das Mundartstück »Das Blutbad von Södel« aufgeführt; zugrunde liegt eine wahre Begebenheit aus dem Jahr 1830, die Georg Büchner im »Hessischen Landboten« anprangert.

Auch dieses Stück stammt aus der Feder von »Pucki« Pulkert. Liest man es heute, wird klar, warum es damals ein großer Erfolg wurde: Lebendige Dialoge beherrscht der »Gelegenheits-Schriftsteller« auch.

Erhältlich ist »Der Lesefresskorb« zum Preis von 14,80 Euro im Bürgerbüro der Gemeinde Wölfersheim und in der Tabakstube Lux in Södel (Oppershofener Straße 13), beim Autor (Tel. 0171/5 88 22 29, Mail: PuckisGeschichten@t-online.de) oder im Buchhandel (ISBN 978-3-00-066684-1). (Jürgen Wagner)

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