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Rückblick

Amazon und Rewe müssen warten: Großprojekte in der Wetterau 2020 ausgebremst

  • Sabrina Dämon
    vonSabrina Dämon
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In der Nähe der Wetterauer A45-Auffahrt möchten sich zwei Unternehmen ansiedeln: Amazon und Rewe. In beiden Fällen hat der BUND den Planungen einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Wölfersheim – Die Bagger waren schon da. In Vorbereitung auf den Bau des Logistikzentrums bei Berstadt hatte Rewe bereits eine Baugenehmigung beim Wetteraukreis für die Erdbauarbeiten gestellt. Doch die Arbeiten dauerten nicht lange: Ende Juli verhängte das Verwaltungsgericht Gießen einen Baustopp. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hatte gegen den Bebauungsplan geklagt und einen Eilantrag gegen die sofortige Vollziehung von genehmigten Flächenarbeiten gestellt.

Vor allem das Vorkommen des Feldhamsters auf dem Areal und die Nähe zum etwa 350 Meter entfernten Vogelschutzgebiet seien nicht ausreichend in die Abwägungen zum Bebauungsplan eingeflossen, rügt der BUND. Vonseiten des Gerichts hieß es, diese Rügen seien nicht völlig von der Hand zu weisen, es sei daher offen, wie das Normenkontrollverfahren des BUND ausginge, das vor dem Hessischen Gerichtshof gegen den Bebauungsplan der Gemeinde anhängig sei.

So der Stand im Juli, so der Stand heute. Die Klage ist nach wie vor beim Gericht in Arbeit, für die Projektkritiker ist der Baustopp ein Erfolg.

Wetterau: Rewe-Verantwortliche zuversichtlich bei Projekt in Wölfersheim

Die Verantwortlichen von Rewe zeigen sich jedoch zuversichtlich, dass das Bauvorhaben trotz Verzögerungen nicht auf der Kippe steht. Pressesprecherin Anja Krauskopf sagt: Zwar gebe es nun eine Verzögerung des Zeitplans, »die für uns das Projekt jedoch nicht infrage stellt«. Zudem, sagt sie, seien zwischenzeitlich der Bauantrag für den Hochbau eingereicht und die weiteren Planungen fortgesetzt worden. Zu dem Verfahren sagt sie: »Das Gericht wird grundsätzlich darüber befinden, ob und inwieweit das Vorbringen des BUND begründet ist. Welche Konsequenzen sich daraus ergeben, ist offen.«

Nur wenige Kilometer Luftlinie entfernt hat sich Ähnliches abgespielt: Auch dort, im Echzeller Ortsteil Grund-Schwalheim, hatten die Bauarbeiten bereits begonnen. Der Online-Versandhändler Amazon will dort ein Verteilzentrum betreiben. Und auch hier: Baustopp wegen eines BUND-Antrags.

Baustopp in der Wetterau: Bauarbeiten von Amazon in Echzell ruhen

Der Unterschied zum Rewe-Projekt: Eine politische Diskussion gab es hier nicht, da es für die Gewerbefläche bereits seit einigen Jahren einen Bebauungsplan gibt. Mit der vom Wetteraukreis erteilten Baugenehmigung konnten die Arbeiten beginnen.

Doch im November kam die Meldung: Der BUND hat bei Gericht einen Antrag gegen die Baugenehmigung gestellt. Laut BUND würde sich die Halle nachteilig auf die Vogelwelt auswirken, weil neben der Gewerbefläche ein Schutzgebiet liegt. Da das begehrte Ziel des Antrags »nicht offensichtlich unbegründet« erscheine, hieß es vonseiten des Verwaltungsgerichts Gießen, dürften keine »vollendeten Tatsachen« geschaffen werden. Bis das Gericht über die Zulässigkeit des BUND-Antrags entschieden hat, liegt das Vorhaben auf Eis.

Wenige Tage vor dem Baustopp hatte sich der Bauherr, die Firma 77. Logimac Logistic Grundbesitz GmbH, bezüglich des juristischen Vorgehens des BUND geäußert. Man sehe keine Gefahr für das Projekt, da man alle Auflagen umgesetzt habe. Dass nebenan ein Vogelschutzgebiet liege, sei juristisch nicht relevant.

Wie es bei Amazon und bei Rewe weitergeht, hängt nun von Juristen ab. Bisher sind keine Entscheidungen getroffen worden.

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