Zum Welttag des Buches geben einige Wetterauer Buchliebhaber Lesetipps.
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Zum Welttag des Buches geben einige Wetterauer Buchliebhaber Lesetipps.

Welttag des Buches

Welttag des Buches: Wetterauer geben Tipps von und für Buchliebhaber

  • Sabrina Dämon
    vonSabrina Dämon
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Zum heutigen Welttag des Buches haben einige Wetterauer ein Buch ausgewählt, das zu ihren "Lieblingen" gehört, um es vorzustellen. Herausgekommen ist eine bunte Mischung.

Haben Sie ein Lieblingsbuch? Oder mehrere und können sich nicht entscheiden, welches an erster Stelle steht? So geht es vielen. Dennoch: Zum heutigen Welttag des Buches haben einige Wetterauer ein Buch ausgewählt, das zu ihren "Lieblingen" gehört, um es vorzustellen. Herausgekommen ist eine bunte Mischung – von Klassikern bis hin zu Fantasy- Büchern und Kurzgeschichten – und hoffentlich der ein oder andere Lesetipp.

  • Buchtipp von Andreas Matlé - "Moby Dick" von Herman Melville:

Die Frage nach dem Lieblingsbuch kann ich nicht beantworten. Augen zu, zwischen meinen Regalen im Kreis gedreht: Der Finger deutet auf "Moby Dick" von Herman Melville, auf die Ausgabe der Manesse-Bibliothek; diese liebevolle Edition, gegen die kein Kindle-Gerät eine Chance hat.

Wie ich auf "Moby Dick" stieß? Zunächst das Hörspiel auf der "Europa"-Langspielplatte, folgend das "für die Jugend aufbereitete und gekürzte" Buch, dann der grandiose Film mit Gregory Peck als Kapitän Ahab und schließlich das voluminöse Original. Es gibt nur wenige Bücher, deren erster Satz für jede Quizsendung mit Niveau taugt: "Man nenne mich Ismael." Schlicht, unverdächtig, beinahe harmlos. Schleichend nimmt die Erzählung Fahrt auf. Die unbarmherzige Jagd des Kapitän Ahab auf den weißen Wal, bei der er nicht nur sein, sondern auch das Leben der Besatzung aufs Spiel setzt. Ein elementares Buch über das Leben an sich, Habgier, Rache, Freundschaft, Abenteuerlust, gleichwohl die Konfrontation mit der neuzeitlichen Ratio. Trotz der eigenartigen Berufssprache der Walfänger in einfacher Sprache erzählt - was für die Qualität des Buches spricht. "Schicksal des Menschen auf den bewegten Wassern der Welt, Fluch und Geheimnis des Bösen!" Apropos: Da ich es nun nach langer Zeit wieder einmal in den Händen halte, warum nicht gleich dabeibleiben…

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  • Buchtipp von Renate Gantz-Bopp:

Ja, ich lese gerne - am liebsten Kurzgeschichten mit heiterem oder nachdenklichem Inhalt. Zwei kleine Büchlein begleiten mich schon seit vielen Jahren - und ich hole sie immer wieder mal gerne aus dem Regal, um darin zu lesen:

"Hühnersuppe für die Seele - Geschichten, die das Herz erwärmen" (obwohl ich Vegetarierin bin) von Jack Canfield und Mark Victor Hansen. Liebenswerte und kluge Geschichten von bekannten und weniger bekannten Autoren, die eines gemeinsam haben: Sie berühren das Herz und erinnern daran, dass die Liebe das Wichtigste im Leben ist.

Zurzeit mein persönlicher "Bestseller" ist ein Weihnachtsgeschenk meines Mannes - und jetzt endlich finde ich die Zeit, es zu lesen: "Der Geschichtenbaum" von Martin Schnur. "Eine wunderschöne Geschichte, nicht nur für Kinder" - steht auf dem Einband. Und: "Wer sich seine Neugier und Verspieltheit bewahrt, macht die Welt für sich und andere zu einem lebenswerteren Ort. Man muss nur die Augen offen halten und gelegentlich die Flügel ausstrecken - die nächste Geschichte wartet direkt vor der eigenen Haustür."

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  • Buchtipp von Dr. Jasmin Behrouzi-Rühl - "Jane Eyre" von Charlotte Brontë:

Unmöglich, ausgeschlossen, DAS Lieblingsbuch zu benennen! Ich habe zu viele "Lieblinge" und fühle mich angesichts dessen schon fast unanständig. Um den Raum hier nicht zu vergeuden, zitiere ich aber aus einem für mich ganz frischen: Lange stand es auf meiner Lesewunschliste und, angeregt durch eine freundliche Journalistin, habe ich es jetzt gerade gelesen.

Welch eine Lust! Und was für eine lebensvolle Persönlichkeit dürfen wir da begleiten: "Glauben Sie, dass ich ohne Seele, ohne Herz bin, weil ich arm, klein, hässlich und einsam bin? Sie irren sich!" Das ist "Jane Eyre" von Charlotte Brontë. Vom ersten Satz an sieht man alles vor sich und ist mit dabei: Im roten Zimmer des Herrenhauses, in das sie als kleines Mädchen eingesperrt wird, im Waisenhaus Lowood, das "in Hügel und Wald eingebettet und am Rande eines Stromes lag", in Thornfield, diesem herrschaftlichen leeren Haus, umgeben von Krähennestern, wo sie einem eigenartigen, interessanten Mann begegnet. Dieses Buch ist voller Luft, Licht und Wind, Stille und Sturm. Wer nicht verreisen darf, könnte mit diesem Buch und seiner Geschichte dennoch glücklich werden.

Auszug aus "Jane Eyre": Der Boden war hart gefroren, die Luft war still, meine Straße einsam. Ich ging sehr schnell, bis ich mich erwärmt hatte, dann ging ich langsamer, um das Vergnügen, welches Zeit und Umstände für mich in sich bargen, zu genießen und zu ergründen. Die Kirchenuhr schlug drei, als ich am Glockenturm vorüberging. Die niedersinkende, matt strahlende Sonne und die herannahende Dämmerung machten die Stunde reizvoll. Ich war eine Meile von Thornfield entfernt auf einem engen Heckenweg, welcher im Sommer für seine wilden Rosen im Herbst für seine Nüsse und Brombeeren bekannt war, und der sogar jetzt noch einige korallenrote Schätze in Gestalt von Hagebutten und Mehlbeeren aufzuweisen hatte.

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  • Buchtipp von Berthold Wild - "Mit sich selbst befreundet sein" von Wilhelm Schmid:

In diesem Buch geht es nicht um eine Selbstsucht, sondern darum, dass die Selbstbeziehung die Grundlage für die Beziehung zu anderen ist.

Die Art und Weise, sich selbst, ohne Selbstsucht, zuzulassen, ist eine Lebenskunst. Gerade auch jetzt, in einer neuen digitalen Zeit, die sich so extrem schnell verändert, droht sich das Selbst zu verlieren. Aus der Selbstfreundschaft erwächst die Kraft und Freude, für andere da sein zu können. Begegnungen mit anderen machen das Leben wertvoll und sinnvoll. "Sinn" an erster Stelle: Sinn setzt unbegrenzte Kräfte frei. Sinn ist nicht nur die Lebensquelle des Einzelnen, sondern auch der Rückhalt der gesamten Gesellschaft. Wilhelm Schmid: "Sich um ein schönes, bejahenswertes Leben zu bemühen begründet zudem eine Orientierung an Werten und erweitert den Sinn auch hierauf (ethische Zusammenhänge)."

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  • Buchtipp von Wilfried Mogk - Die Elfen-Reihe von Bernhard Hennen:

"Ich habe viele Lieblingsbücher", sagt Wilfried Mogk. Als Buchtipp hat er sich jedoch für eine Fantasy-Reihe von Bernhard Hennen entschieden, über den der Echzeller Bürgermeister sagt: "Er ist der beste Fantasy-Schriftsteller, den wir in Deutschland auf dem Markt haben." Am liebsten mag Mogk die vielteilige Elfen-Reihe: "Der Autor hat sich im Laufe der Jahre ein Fantasy-Universum ausgedacht - mit drei Welten. In einer leben die Menschen, in einer anderen die Fabelwesen - Elfen, Orks, Trolle -, und eine dritte Welt ist zerbrochen. Warum, das erfährt man im Laufe der Abenteuerserie."

Was Mogk besonders an der Reihe gefällt: "Wie der Autor Charaktere entwirft: Es gibt nicht nur gut oder schlecht. Die Charaktere sind vielschichtig. Zum Beispiel sind die Orks nicht einfach nur böse, sondern haben auch Beweggründe." Mit den Büchern jedenfalls "hat man viele Tausend Seiten Lesespaß".

Übrigens: Der Autor hat schon in jungen Jahren Pen-and-Paper-Rollenspiele geschrieben. Als Wilfried Mogk Bernhard Hennen zufällig auf der Frankfurter Buchmesse getroffen hat, haben sie sich kurz darüber unterhalten. Mogk hat nun eine Widmung in einem seiner Hennen-Bücher: "Für Willi, der mich schon zu einer Zeit gekannt hat, in der wir beide noch keine grauen Haare hatten."

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  • Tipp von Simba Burgdorf - "Sturmlicht-Chroniken" von Brandon Sanderson:

Für mich als Pfarrer sind zwei Dinge an einem Buch entscheidend. In einem Universum, in dem der Autor Schöpfungskraft hat, interessiert mich, auf welche Ideen er für seine Welt gestoßen ist. Zudem lese ich nur Bücher, die die Motivation beflügeln. Beides rührt daher, dass ich im christlichen Denksystem verwurzelt bin.

Für mich ist es interessant, wenn Autoren Bücher ohne ein christliches Denksystem schreiben. Der Autor spielt Gott. Wie wird er das Schicksal der Geschöpfe leiten? Da diese Dinge in Fantasy-Büchern dargestellt werden, bin ich mit Haut und Haaren diesem Genre verfallen. Besonders ein Autor hat mich in seinen Bann gezogen: Brandon Sanderson. Seine "Sturmlicht-Chroniken" möchte ich herausheben. Er schafft es, dass die Komposition der lebensfeindlichen Welt ("Roschar") Charaktere so schleift, dass sie in der Härte des Alltags auf Werte des moralischen Handelns stoßen und diese zu ihren Leitsätzen werden. Was sie bewegt, nach Idealen zu handeln? Das Versprechen auf Fähigkeiten, die an die Götter Roschars gebunden sind. Stellen Sie sich vor, ich würde dies in ein christliches Weltbild übersetzen und von der Kanzel predigen: "Handle gut, damit du göttliche Unterstützung erfährst." Klingt irgendwie abgedroschen, wenig konkret. Aber wenn Sanderson seine Charaktere in Beziehung zu ihren Göttern stellt, klingt es aufregend, inspirierend. Daher freue ich mich riesig darüber, dass Sanderson es schafft, mich und hoffentlich alle Leser zu motivieren, nach Idealen zu greifen. In diesem Sinne predigen die "Sturmlicht-Chroniken" manchmal besser als ich. In jedem Fall sind sie es wert, gelesen zu werden!

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