Für die Grünen nicht das Hauptproblem des Wölfersheimer Sees, aber auch ein nicht zu unterschätzendes: Mais bis fast ans Ufer.
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Für die Grünen nicht das Hauptproblem des Wölfersheimer Sees, aber auch ein nicht zu unterschätzendes: Mais bis fast ans Ufer.

Vier Meter Algenschicht im See

Wölfersheim (en). »Vollauf bestätigt« sieht der Grünen-Abgeordnete Dr. Franz Grolig – Biologe an der Uni Marburg – seine Befürchtungen, wenn er das Gutachten zur Wasserqualität des Wölfersheimer Sees durchforstet.

Grolig hatte nach der massiven Blaualgenblüte 2011 immer wieder die Dringlichkeit einer solchen Analyse angemahnt. Sein Fazit: »Die Idylle trügt – der See droht bei ungünstigem Sommerwetter umzukippen.«

Selbst bei Google Maps unterscheide sich der knapp 37 Hektar große See durch seine tiefgrüne Farbe von den Teichen in der Umgebung. Wenn der Gemeindevorstand seine Stellungnahme mit dem Titel »Wölfersheimer See ist nicht normal« überschreibe, stellen die Grünen dazu fest: »Das einzige, was beim Wölfersheimer See nicht normal ist, ist der Umstand, dass seit über 40 Jahren die Einleitung der Abwässer der Kläranlage erlaubt ist.« Die geklärten Abwässer enthielten zwar keine organischen Bestandteile mehr, jedoch noch reichlich Nährsalze, insbesondere Nitrat und Phosphat, die den See überdüngten. Solche Abwässer dürften eigentlich nur in Fließgewässer eingeleitet werden.

Die Folgen seien eine Überdüngung des Sees, dadurch übermäßige Produktion von Biomasse im Sommer, dadurch wiederum Sauerstoffmangel. Im Sommer sei Leben nur in den oberen zwei bis vier Metern des bis zu 18 Meter tiefen Sees möglich. Darunter herrschten sauerstofffreie Bedingungen, unter denen Bakterien aus dem zu Boden sinkenden Überschuss an Biomasse giftige Gase wie Ammoniak, Schwefelwasserstoff und das klimaschädliche Methan produzierten. Der Boden des Sees sei inzwischen von einer bis vier Meter dicken Schicht aus Biomasse bedeckt – dieses massive Sediment behindere möglicherweise den Zustrom von frischem Grundwasser.

Auch wenn der Nährstoffeintrag durch die Landwirtschaft im Vergleich zu den Abwässern der Kläranlage als eher gering einzustufen sei, so sei doch der Einsatz von Herbiziden, die den Blaualgenwuchs fördern könnten, kritisch zu bewerten. Der starke Blaualgenwuchs mache die Fische des Sees ab dem Frühjahr ungenießbar.

Mit den Aussagen des Gutachtens rücke der vielfach geäußerte Wunsch, den See badetauglich zu machen, in weite Ferne. Zunächst gehe es schlicht darum, ihn vor einem Umkippen zu bewahren. Der an den Gemeindevorstand erteilte Auftrag, zusammen mit der Verwaltung und Fachleuten unverzüglich Lösungsmöglichkeiten (samt Kosten) aufzuzeigen, werde letztlich nicht daran vorbei kommen, dass nur der Stopp der Einleitung der Kläranlagenabwässer eine Sanierung des Sees ermögliche. Es werde wohl kein Weg daran vorbei führen, so Dr. Grolig, die Abwässer in den Graben an der Südostseite des Sees zu leiten. Dass dies teuer und möglicherweise technisch aufwändig sei, könne man sich vorstellen.

Dennoch sprechen sich die Grünen dafür aus, diesen Weg konsequent zu gehen. Kurzfristige Maßnahmen, die die Qualität des Sees insbesondere im Frühjahr und Sommer soweit verbesserten, könnten helfen, dass er in dieser kritischen Zeit nicht umkippe. Nachhaltig aber helfe nur die Sanierung. Möglichst unter Erschließung von Fördertöpfen müsse ein langfristiges Sanierungskonzept her, das dann konsequent Stück für Stück abgearbeitet werde. Schon im Doppelhaushalt 2015/16 sollten die ersten Schritte verankert werden.

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