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Das ehemalige Gemeindewirtshaus mit der mittlerweile abgerissenen Predigttreppe.

Treppenpredigt am Dorfwirtshaus

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Wölfersheim (pm). Im April des Jahres 1521 war Martin Luther zum Reichstag nach Worms geladen. Dort bekannte er sich zu seinen Überzeugungen und widerrief seine reformatorischen Gedanken und Schriften nicht. Diese beschwerliche Reise brachte ihn auch mit Berstadt in Berührung, wie Burkhard Käs, Vorsitzender des Arbeitskreises Dorfentwicklung Berstadt, berichtet.

Dieses Ereignis feiert am heutigen 29. April sein 500-jähriges Jubiläum. »Luther wird mit den Worten: ›Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Amen!‹, zitiert. Diese Worte und Luthers reformatorisches Gedankengut sprachen sich wie ein Lauffeuer im ganzen Reich herum«, so Käs. Als Luther von Worms abreiste, sei Eile geboten gewesen, denn über ihn sollte Reichsacht verhängt werden. Urkundlich belegt sei, dass Luther am 28. April in Friedberg nächtigte und am Morgen des 29. April dort aufbrach, um am 29. und 30. April in Grünberg zu nächtigen. Als Reiseroute wählte er wohl die damalige Reichsstraße »Kurze Hessen«, an der Berstadt lag. »Luther kam also vermutlich über den Heiligenstock und die Furt im Waschbach in die Mitte von Berstadt«, berichtet Käs. Dort stand und steht noch immer das alte Gemeindewirtshaus in der Oberpforte.

»Als die Berstädter erfuhren, dass Luther im Ort ist, liefen alle Einwohner herbei und wollten den Reformator sehen. Luther hatte wohl mit den Berstädtern einen guten Bierdurst gemein und kehrte den Überlieferungen zufolge mit seinen Begleitern in dem Wirtshaus ein.« Die Berstädter versammelten sich demnach vor dem Gasthaus und forderten Luther lautstark auf, zu ihnen zu sprechen. Der Legende nach predigte Luther von der Wirtshaustreppe zu den Berstädtern, was schlüssig erscheint, da er die Kirche wegen seiner Exkommunizierung hierzu nicht nutzen durfte. »Welchen Wortlaut die Treppenpredigt hatte, ist nicht überliefert. Erfolg hatte die Predigt auf jeden Fall, denn schon nach kurzer Zeit wandte sich Berstadt von der römischen Kirche ab und wurde evangelisch«, weiß Käs.

An der Stelle der Berstädter Treppenpredigt haben der Arbeitskreis Dorfentwicklung und die Berstädter Kirchengemeinde eine Info-Tafel erstellt und zwei Lutherrosen gepflanzt. Für den heutigen Jubiläumstag verspricht Vorsitzender Käs ein Überraschung.

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