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Sven Garrecht der Star des Abends

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Von: Marc Stephan

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Der Star des Abends ist Sven Garrecht. Sein Auftritt erinnert an eine Mischung aus Udo Jürgens und Götz Alsmann. 	(Foto: arc)
Der Star des Abends ist Sven Garrecht. Sein Auftritt erinnert an eine Mischung aus Udo Jürgens und Götz Alsmann. (Foto: arc) © Marc Stephan

Beim 5. Songwriter-Abend »Freies im Gesang« in Wölfersheim gab es Künstler von denen man mehr hören möchte und solche, bei denen man sich fragte, warum man noch nicht mehr gehört hat.

. Mit Liedern die Welt verändern oder vielleicht auch nur ein bisschen sich selbst, indem man singt, was einen bewegt, die Freiheit genießt, die einem die Musik gibt. So könnte man die Aussage Thomas Gerlachs zusammenfassen, als er mit seinen Liedern den 5. Songwriter-Abend »Freies im Gesang« am Samstag eröffnete. Er selbst bezeichnete es als Liedermacherabend und traf mit seinen eigenen Erfahrungen aus 50 Jahren Liedermachen wohl genau den Nerv, der auch die jungen Menschen heute noch umtreibt, wenn sie Text und Melodie ersinnen, um sich selbst zu finden und damit vielleicht die Welt zu verändern.

Sebastian Göbel, Kulturbeauftragter der Gemeinde Wölfersheim und selbst Songwriter, kündigte zu Beginn des Abends an, es gebe Sänger an diesem Abend, von denen man mehr hören möchte und andere, von denen man nicht mehr hören möchte. Dabei gab es jedoch auch Künstler, bei denen man sich fragte, warum man eigentlich noch nicht mehr von ihnen gehört hat. Einer von ihnen war sicherlich Sven Garrecht mit Band, der an eine Mischung aus dem jungen Udo Jürgens und Götz Alsmann erinnerte. Geschliffene Texte bildeten mit ausgefeilten Melodien und mitreißenden Rhythmen eine Einheit, vorgetragen mit bewundernswerter Leichtigkeit. Lebensfreude pur. Mehr Spaß an Musik kann man nur schwer vermitteln.

Frank Albersmann aus Viernheim begann seinen Beitrag mit Blues in der Stimme, die dafür allerdings ein bisschen schmutziger sein dürfte. Seine Lieder mit skurrilen Texten und ebensolchen Aussagen lassen auf einen interessanten Menschen schließen. Dass er am Ende seiner Lieder immer schrie und fast auszurasten drohte, nahm das Publikum als Brennen für seine Musik auf, ein sympathischer Künstler.

Schlecht gestimmt und provoziert

Marie Schwind genügte ein gesungener Vokal, um dem Publikum eine gehörige Gänsehaut zu verpassen. Eine klare weiche Stimme, die jeden Ton trifft, kaskadenartige Melodien mühelos meistert und eine junge Frau, die mit ihrem abwesenden Blick in die Ferne das Besungene gerade zu erleben scheint. Zusammen mit ihren persönlichen und gefühlvollen Texten ein Erlebnis. Doch kann die junge Aschaffenburgerin auch anders, wenn sie mit frecher Stimme von der »Mücke« singt, die ihren Rüssel ins Opfer rammt.

Yannick Di Mari sei mit seiner Stimme unter anderem für das Abschmelzen der Polkappen verantwortlich, vermutete der Moderator des Abends Andreas Arnold. »Di Mari« sollte mit seiner gefühlvollen Soulstimme zeigen, was Arnold meinte. Mit großer Empfindsamkeit bezog er Stellung zu gesellschaftlichen Problemen, wenn er fragte: »Wo bleibt die Menschlichkeit, wenn jeder für sich alleine lebt?«

Zum zweiten Mal stand Johannes Napp als Solist mit eigenen Liedern auf der Bühne. Wie im Programmheft angekündigt, brillierte er als begnadeter Gitarrist. Beim Singen traf er noch nicht jeden Ton, doch reiht er sich gut in den Reigen der anderen Künstler ein. Musikalität und Gespür für die Texte sind da, sodass man auf die Entwicklung des jungen Butzbachers gespannt sein darf.

Während Napp seine Gitarre ständig nachstimmte, vielleicht als Running Gag, schien dem Songwriter Torben Skorbinski die Stimmung seiner Klampfe ziemlich egal gewesen zu sein, wie alles andere auch. Dass er mit seinen Liedern irgendwas bewegen wollte oder sie ihn selbst bewegten, mochte man ihm nicht abkaufen, es schien ihm nur um Provokation zu gehen. Zur verstimmten Gitarre waren seine Sangeskünste fast passabel. Teilweise wurde er von der Cajon Box übertönt, leider nicht immer.

Ein weiterer Lichtblick dagegen war Kathrin Kempf mit ihrer durch alle Lagen vielfältigen Stimme. Von einer vollen, sehnsuchtsvollen Stimme bis zu einer dünnen, geheimnisvollen oder bedrohlichen umfasste das Repertoire der kecken Offenbacherin alle Nuancen. Durch diese musikalische Sprache konnte ihren Liedern jeder problemlos folgen, auch wenn sie nicht auf Deutsch, sondern auf Englisch sang.

Marc Stephan

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