Bei Berstadt soll bald das Rewe-Logistikzentrum gebaut werden. Die Kritiker des Vorhabens versuchen aber nach wie vor, den Bau zu verhindern.			ARCHIVFOTO: NIC
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Bei Berstadt soll bald das Rewe-Logistikzentrum gebaut werden. Die Kritiker des Vorhabens versuchen aber nach wie vor, den Bau zu verhindern. ARCHIVFOTO: NIC

»Rewe soll sich vom Acker machen«

  • Sabrina Dämon
    vonSabrina Dämon
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Wölfersheim (sda/pm). Das Aktionsbündnis Bodenschutz Wetterau ruft wieder zu Protesten gegen das geplante Rewe-Logistikzentrum bei Berstadt auf. Anlass ist laut einer Pressemitteilung die Information, »dass Rewe beim Bauamt des Wetteraukreises eine Bauvoranfrage vorgelegt hat«. Außerdem habe Rewe einen Antrag zum »Oberbodenabtrag und Abtransport sowie Erdbauarbeiten zur Geländeregulierung« eingereicht.

Damit, schreibt das Bündnis, »plant Rewe ohne rechtliche Grundlage, den humusreichen Mutterboden abzutragen und auf den Feldern der umliegenden Gemarkung zu verteilen«. Das schaffe vollendete Tatsachen. Denn: Die politische Entscheidung, ob Rewe bauen darf, steht formal noch aus.

Rewe: Baubeginn im dritten Quartal

Im Grunde war politisch alles geklärt. Nach zahlreichen Planungsschritten haben die Wölfersheimer Gemeindevertreter vergangenen Juni den Bebauungsplan beschlossen. Doch: Da sich zwei Eigentümer im Osten des Plangebiets des Rewe-Logistikzentrums geweigert hatten, ihr Land an die Gemeinde zu verkaufen, musste die Planung geändert und der Bebauungsplan erneut offengelegt werden. Diese Phase der Offenlage und damit einhergehenden Öffentlichkeitsbeteiligung läuft aktuell - noch bis 5. Juni, wie Bürgermeister Eike See sagt. »Nach Abschluss des Verfahrens werden die Unterlagen und Abwägungen erneut der Gemeindevertretung vorgelegt, die dann nochmals abstimmen wird.«

Ohne Bebauungsplan kein Bau - zumindest formal. Die Erschließungsarbeiten (Kanal-, Wasser- und Stromleitungen) laufen aber bereits seit vergangenem Jahr.

Auf die Frage, ob und warum Rewe den Antrag für den Erdaushub vor der Baugenehmigung gestellt hat, antwortet Rewe-Pressesprecherin Anja Krauskopf: »Wie für ein Bauvorhaben dieser Dimension üblich, werden wir im Rahmen der bestehenden rechtlichen Möglichkeiten die baurechtlichen Genehmigungen für die Umsetzung unseres Projektes erwirken. Das gilt sowohl für die schon vor vielen Monaten gestellte Bauvoranfrage ebenso wie für die beantragte Teilbaugenehmigung Erdarbeiten.«

Baubeginn soll laut Krauskopf im dritten Quartal dieses Jahres sein.

Das versuchen die Kritiker des Vorhabens nach wie vor zu verhindern. In der Pressemitteilung heißt es: »Wenn Rewe meint, ohne rechtliche Grundlage den besten Boden der Wetterau vernichten zu wollen, dann stellen wir uns quer, politisch, vor Gericht und auf dem Acker.«

Klage gegen das Vorhaben läuft

Zudem kommen Mitglieder des Bündnisses zu Wort. Joerg Weber und Karl Moch vom Verein Bürger für regionale Landwirtschaft und Ernährung der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft werden zitiert mit den Worten: »Auf der einen Seite wirbt Rewe mit dem Slogan ›Direkt vom Acker auf den Tisch‹, und hier wird durch Rewe ausgerechnet unser wertvollstes Ackerland vernichtet. Wir sagen, Rewe soll sich vom Acker machen in Wölfersheim.«

Andrea Rahn-Fahr, die Vorsitzende des Regionalbauernverbands Wetterau-Frankfurt, sagt: »Die Vernichtung der seltenen und hochwertigen Schwarzerdeböden im Bereich Berstadt führt unwiederbringlich zum Verlust der Möglichkeit, dass auch zukünftige Generationen dort hochwertige Lebensmittel erzeugen.«

Und Wolfgang Dittrich, Referent für gesellschaftliche Verantwortung im evangelischen Dekanat Wetterau, sagt: »Die Bewahrung der Schöpfung heißt für uns, genau hinzuschauen, wenn bester Ackerboden vernichtet wird.«

Dr. Werner Neumann vom BUND-Landesvorstand berichtet zudem, dass der BUND nach wie vor gegen das Vorhaben klagt - konkret gegen die Zielabweichung vom Regionalplan. Diese Zielabweichung war einer der nötigen Planungsschritte, um aus dem Ackerland bei Berstadt Gewerbefläche zu machen.

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