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Rewe will nach Berstadt ? für die Grünen ist das keine gute Option. Sie kritisieren den Konzern für seine Planung. Die Echzeller Grünen äußern ihre Sorge bezüglich des Verkehrs, die Wölfersheimer sprechen von "Märchen in den Planungsunterlagen". (Symbolfoto: dpa)

Rewe-Lager Berstadt

Rewe-Logistikzentrum in Berstadt: Grüne kritisieren "Ungereimtheiten in Unterlagen"

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Die Grünen befürchten, der Verkehr in Echzell werde mit dem geplanten Rewe-Logistikzentrum in Berstadt zunehmen. Sie kritisieren außerdem "Ungereimtheiten" in den Unterlagen.

Kritik für das geplante Rewe-Logistikzentrum bei Berstadt gibt es eine Menge und aus vielen Ecken. In einem WZ-Interview, das am vergangenen Samstag erschienen ist, sprachen drei Führungskräfte des Konzerns über die Gründe, warum sie gerade in Berstadt ein 100000-Quadratmeter-Lager bauen wollen. Nun reagieren die Wölfersheimer sowie die Echzeller Grünen auf Aussagen, die die Rewe-Chefs getroffen haben. Zum einen geht es um die Standortwahl, zum anderen um die Verkehrssituation in Echzell. Zudem weisen sie auf die Offenlage des Bebauungsplans hin (siehe Kasten).

Sorge um Verkehr in Echzell

Olga Bernardelli, Vorsitzende der Echzeller Grünen, reagiert auf die Aussage von Rewe-Führungskraft Hans-Martin Obermann, der im WZ-Interview sagte, dass in der Regel genau ein Lkw durch Echzell fahre, dass es sich dabei um jenen handele, der den Markt dort beliefere, und dass es auch mit dem Logistikzentrum dabei bleiben solle.

Bernardelli sagt: "Verkehrliche Engpässe bestehen bereits jetzt und ohne das Logistikzentrum, das in Größe und Ausdehnung seinesgleichen sucht. Verkehrsströme suchen sich ihren Weg, wenn der Verkehr stockt. Wenn man mit diesem Blick auf die Landkarte schaut, dann führt sozusagen gar kein Weg an Echzell vorbei." Und: "Ist der Konzern erst da, werden sich alle die Augen reiben, wie viel Verkehr und andere negative Konsequenzen gerade auf Echzell zukommen."

"Kaum Staus in diesem Bereich"

Hans-Martin Obermann von Rewe, er wird als Projektentwickler für den Bau in Berstadt zuständig sein, sagt bezüglich des Verkehrs: Grundsätzlich sei kein Verkehr durch Echzell geplant – die Planungen seien da eindeutig. Dennoch erkennt er an: Gerade bei Staus komme es vor, dass Fahrer andere Wege nehmen. "Wenn heute auf der A 45 in Höhe Wölfersheim Stau ist, werden die Leute auch abfahren." Dazu könne es auch später kommen, allerdings nur in Ausnahmefällen. Außerdem, sagt er, gebe es auf der A 45 in diesem Bereich ohnehin nur selten Stau.

"Märchen in Planungsunterlagen"

Die Pressemitteilung der Wölfersheimer Grünen trägt den Titel "Rewe-Manager entlarven Planungsunterlagen als Märchen". Sie beziehen sich auf eine Aussage von Jürgen Scheider, ebenfalls Führungskraft bei Rewe, der auf die Frage nach dem Standort antwortet: "Wir haben eine Fläche gesucht, die passend ist. Diese wurde uns angeboten." Die Planungsunterlagen hingegen, schreiben die Grünen, enthielten Ungereimtheiten.

"Alles spricht gegen den Standort"

"Bei der Standortsuche wird so getan, als sei Wölfersheim der einzig geeignete Standort von zehn untersuchten Arealen." Demgegenüber stehe die Aussage des Rewe-Chefs, die Fläche sei dem Konzern angeboten worden. Michael Rückl von den Grünen: "Daraus folgt, dass die Wölfersheimer Fläche durch die von Rewe beauftragten Dienstleister im Vorfeld gar nicht untersucht wurde. Sie geriet, vermutlich, weil zwischen Berstadt, Utphe und Echzell die besten Böden Hessens liegen, überhaupt nicht in deren Blickfeld. Es ist schlicht so, dass alles gegen die Geeignetheit dieses Standortes sprach."

Wie Rewe auf Berstadt kam

Obermann von Rewe entgegnet: Die Fläche sei tatsächlich nicht nach der Erstprüfung durch den externen Dienstleister aufgetaucht. Grund dafür, dass die Fläche nicht als möglicher Standort untersucht worden sei, liege daran, dass erst einmal nur solche einbezogen worden seien, die bereits als Gewerbeflächen ausgewiesen worden waren im Untersuchungszeitraum – die Berstädter Fläche ist nach wie vor eine landwirtschaftliche und muss noch umgewidmet werden.

Wie Rewe dann auf diese Fläche gekommen ist? "Durch einen Hinweis von einem Privatmann", sagt Obermann. Daraufhin habe er sich an die Gemeinde gewandt – erst im Anschluss sei die Fläche nach den Kriterien des Konzerns untersucht worden.

Info

Stellungnahme bis 19. Januar

Bis kommenden Freitag läuft die erste Offenlage des Bebauungsplans zum geplanten Rewe-Logistikzentrum. Die Grünen aus Wölfersheim und Echzell schreiben dazu: "Die Grünen fordern alle Bürgerinnen und Bürger, die dem Logistikzentrum skeptisch gegenüberstehen, sich mit einer ablehnenden Stellungnahme im aktuellen Offenlegungsverfahren zu beteiligen." Zudem weisen sie darauf hin, dass sich die Planungsunterlagen im Internet finden unterwww.plan-es.com/beteiligungsverfahren.html. Auf der Homepage der Echzeller Grünen finde sich eine Musterstellungnahme, die unterschrieben beim Planungsbüro eingereicht werden könne. In der Pressemitteilung der Echzeller Grünen sagt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende, Christa Degwitz, zudem, man hoffe, im Echzeller Rathaus werde "zielgerichtet Widerstand" geleistet – dazu solle ein Rechtsbeistand beauftragt werden – auch damit keine Fristen und Einsprüche versäumt würden. "Für Echzell geht es um alles – da wäre ein Rechtsbeistand eine gute Investition." (sda)

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