Das Bild stammt von Dr. Werner Neumann vom BUND. Dazu heißt es: "Die Baugrube für die Rewe-Abwasserleitung. Hinter dem kleinen Wall verläuft der Waschbach und verliert in diesem Bereich sein Wasser."
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Das Bild stammt von Dr. Werner Neumann vom BUND. Dazu heißt es: »Die Baugrube für die Rewe-Abwasserleitung. Hinter dem kleinen Wall verläuft der Waschbach und verliert in diesem Bereich sein Wasser.«

Rewe-Logistikzentrum

Rewe-Bau bei Berstadt: BUND erstattet Anzeige - Wurde ein Bach trockengelegt?

Warum ist der Waschbach bei Berstadt ausgetrocknet? Der Naturschutzverband BUND sieht den Grund dafür in einer kürzlich errichteten Abwasserleitung für das Rewe-Logistikzentrum. Deswegen hat der Verband Anzeige erstattet.

Wölfersheim-Berstadt - Erst vor zwei Wochen war das Thema Rewe-Logistikzentrum in den Medien, da der BUND gegen den Bebauungsplan geklagt hatte. Daraufhin ordnete das Verwaltungsgericht Gießen einen Baustopp an. Wie es in dieser Sache weitergeht, ist noch nicht entschieden. Nun folgt ein weiterer Schritt des BUND, der versucht, den Bau des Logistikzentrums zu verhindern: Dr. Werner Neumann, Kreisvorsitzender des BUND, sagt: »Wir sind sehr bestürzt, dass nun ein Bach trockengelegt wird. Wir fordern einen sofortigen Baustopp, um weitere Naturschäden durch die Bauarbeiten von Rewe zu verhindern.« 

Rewe-Bau bei Berstadt: BUND informiert Untere Wasserbehörde

Dass der BUND zu dem Schluss gekommen sei, die Abwasserleitung sei verantwortlich, liege daran, dass wenige Meter oberhalb der Baustelle noch Wasser fließe. Da es aber dort versickere, wo ein Abwasserrohr unter dem Bach durchgebohrt worden sei, liege der Verdacht nahe, »dass durch die Bauarbeiten der Untergrund aufgerissen wurde und das Wasser des Bachs in die Baugrube läuft«, heißt es in einer Pressemitteilung. Daher habe der BUND vergangenen Donnerstag die Untere Wasserbehörde des Wetteraukreises informiert. Dort ist man jedoch zu der Einschätzung gelangt, der ausgetrocknete Bach habe nichts mit der Baumaßnahme zu tun. Der BUND teilt diese Einschätzung allerdings nicht. 

Das Bild stammt von der Gemeinde. Bürgermeister See sagt dazu: Es zeigt, »dass der Waschbach bereits vor der Baustelle kein Wasser mehr führte«.

»Der BUND fordert, dass der Vorfall rasch aufgeklärt und dass vor allem das Versickern des Wassers aus dem Waschbach gestoppt wird. Zudem muss bei einer geplanten Querung des nahe gelegenen Zingelgrabens, der derzeit noch leicht Wasser führt und auch im europäischen Naturschutzgebiet liegt, ein ähnlicher Schaden durch das Abwasserrohr verhindert werden.« Der Waschbach liege in einem Natura-2000-Gebiet mit besonders geschützten Fischarten wie Schlammpeitzger und Bitterling und der Libellenart Helm-Azurjungfer. Wie es heißt, befürchte Gewässerökologe Dr. Egbert Korte »erhebliche Beeinträchtigungen dieser Vorkommen.« Es müsse geklärt werden, ob bei der Planung der besondere Schutzstatus berücksichtigt wurde »und inwieweit für die Baumaßnahme eine ökologische Begleitplanung erfolgte.« 

Rewe-Bau bei Berstadt: Stellungnahme von Bürgermeister Eike See

Wie es in der Stellungnahme des Wölfersheimer Bürgermeisters Eike See (SPD) heißt, habe der Bau der Abwasserleitung (der von Rewe in Auftrag gegeben worden sei) aber nichts damit zu tun, dass der Bach ausgetrocknet sei. Er sagt: »Der Waschbach wird, genau wie alle anderen Gewässer in unserer Gemeinde, regelmäßig untersucht und in Augenschein genommen. Durch eine von uns durchgeführte Sichtung des Wasserstandes konnte festgestellt werden, dass der Waschbach schon weit vor der eigentlichen Baustelle kein Wasser mehr führte.« 

Die Annahme, die anhaltende Trockenperiode sei für die Situation verantwortlich, liege laut Bürgermeister auch deswegen nahe, da in Utphe bereits seit vergangenem Monat Biotope an der Horloff trockenlägen und in vielen weiteren hessischen Bächen und Flüssen wenig bis gar kein Wasser mehr fließe. 

See kritisiert zudem das Vorgehen des BUND: »Dass in diesem konkreten Fall, dem niedrigen Wasserstand im Waschbach, auf dem Höhepunkt des Hochsommers« Anzeige erstattet werde, »ohne die Ergebnisse der Sichtung durch die Gemeinde und die Untere Wasserbehörde abzuwarten, finde ich nicht sachlich.« 

Rewe-Bau bei Berstadt: Stellungsnahme von Rewe

Anja Krauskopf, Pressesprecherin von Rewe, sagt: »Die Baumaßnahmen haben keinerlei Auswirkungen auf den derzeitigen Wasserstand des Waschbaches.« Eine Trockenlegung des Bachs in Zusammenhang mit den Arbeiten an den öffentlichen Regen- und Schmutzwasserkanälen sei nicht geplant. »Nach Fertigstellung der Regenwasserkanäle ist vielmehr eine gedrosselte Einleitung von Regenwasser in den Waschbach geplant.« Eine gestrige Kontrolle durch die Baufirma habe ergeben, dass das Bachbett trocken sei und auch stromaufwärts kein Wasser führe. Die Baugrube für den noch zu setzenden Schmutzwasserschacht stehenoch offen, werde aber nach Abschluss der Arbeiten wieder verfüllt. Bei dem Wasser handle es sich um Grundwasser.

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