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Der Schein trügt: Im Gegensatz zum Ufer ist das Wasser im Wölfersheimer See alles andere als naturnah. FOTOS: ARMIN HOLLER/PM

Millionen-Frage für den See

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Wölfersheim(bf/pm). Der Wölfersheimer See ist ein Natur-idyll - zumindest außerhalb des Wassers. Weil das nitrathaltig geklärte Abwasser seit Jahrzehnten von der Kläranlage durch den See geleitet wird, findet unterhalb von fünf Metern praktisch kein Leben im Wasser statt. Auch das Schwimmen ist deshalb verboten. Es ist daher ein politisches Ziel, die Qualität des Wassers nachhaltig zu verbessern. Wie das gehen kann, darüber sprach die SPD-Fraktion nun bei Terminen in der heimischen Kläranlage und in Hungen-Utphe.

Die Wölfersheimer Kläranlage reinigt das Abwasser der Ortsteile Wölfersheim und Södel und führt das geklärte Wasser in den See. In den kommenden Jahren sind dort Modernisierungsmaßnahmen in Millionenhöhe notwendig. Für die Gemeinde stellt sich die grundsätzliche Frage, ob man die eigene Kläranlage mit hohen Kosten modernisiert oder ob man sie aufgibt und das Abwasser bis zum künftigen Rewe-Gelände pumpt, von wo eine Leitung zur Verbandskläranlage in Utphe führen wird. Dort wird bereits das Abwasser der Wölfersheimer Ortsteile Wohnbach und Berstadt geklärt.

"Damit wäre der schädliche Zufluss in den See aus der Kläranlage gestoppt. Bleibt die Kläranlage in Wölfersheim in Betrieb und wird modernisiert, müsste man über eine Leitung rund um den See für das geklärte Wasser nachdenken", teilt SPD-Fraktionschef Matthias Appel mit.

Beim Besuch der Verbandskläranlage in Utphe erhielten die Sozialdemokraten von Geschäftsführer Rolf Ringshausen und Betriebsleiter Jörg Zinsheimer einen Überblick über den Aufbau der Anlage. Hier werden neben Wohnbach und Berstadt auch die Abwässer der Stadt Hungen und weiterer Gemeinden geklärt. Die Molkerei in Hungen stelle mit ihren speziellen Abwässern dabei eine besondere Herausforderung dar, erfuhren die Gäste.

Bei leichtem Regen schon am Limit

Bei der zweiten Station begrüßte Fachbereichsleiter Markus Klopsch die Besuchergruppe auf der Kläranlage in Wölfersheim. Der leichte Regen war gut geeignet, um auf die Probleme der Anlage zu verweisen: Die Hydraulik sei schon bei solch geringen Wassermengen am Limit; die Anlage laufe dann nicht optimal. Klopsch berichtete über die Maßnahmen, die erforderlich wären, um die Anlage am Standort zu erhalten: ein weiteres Klärbecken, überdachte Silos sowie eine Hydraulikpresse für Klärschlamm und weitere Investitionen.

Unabhängig von der Entscheidung über die Zukunft der Anlage sei ein "Regenwasser-Management" mit Rückhaltebecken notwendig, um bei Starkregenereignissen kein ungeklärtes Abwasser mehr in den See fließen zu lassen.

"Mit Belüftungen und ähnlichem gehen wir dem See nur an die Symptome, aber nicht an die Ursache der schlechten Wasserqualität." erläuterte Bürgermeister Eike See (SPD). Man müsse aber an die Ursache gehen, um die Wasserqualität zu verbessern. Um bei Starkregen den Zufluss in den See zu verhindern, wolle er in den nächsten Monaten im Gemeindevorstand dazu eine Vorlage erarbeiten. "Eine Grundsatzentscheidung sollte noch in diesem Jahr erfolgen, damit wir die notwendigen Schritte rechtzeitig in die Wege leiten können." SPD-Fraktionschef Appel sieht schwierige Beratungen auf seine Fraktion und die Gemeindegremien zukommen. Die beiden Besichtigungen inklusive der Erläuterungen seien dafür eine gute Basis. "Aber wir wollen auch nichts übers Knie brechen." Nötig sei eine fundierte Entscheidungsvorlage, die dann intern und in der Gemeindevertretung beraten werden müsse. Im Laufe dieses Jahres sollte es zu einer Grundsatzentscheidung kommen.

Der Parteivorsitzende Rouven Kötter zeigte sich mit der Veranstaltung "SPD mittendrin" zufrieden. Trotz des Regens sei man mit 20 Personen mehrere Stunden unterwegs gewesen, um sich mit dem Thema Abwasser zu beschäftigen. "Es geht nichts über den persönlichen Kontakt und einen selbst gemachten Eindruck."

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