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»Es gibt viel zu kämpfen«: Rund 40 Teilnehmende versammeln sich am 1. Mai zur traditionellen DGB-Kundgebung in Wölfersheim, um ihren Forderungen nach sicheren Arbeitsplätzen, fairen Löhnen und Solidarität Nachdruck zu verleihen.

DGB-Kundgebung

Wetteraukreis: 1. Mai ohne Singen und mit Abstand

  • VonConstantin Hoppe
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Nachdem die DGB-Tradionsveranstaltung zum 1. Mai im vergangenen Jahr wegen Corona pausieren musste, fand sie in diesem Jahr wieder statt - mit Maske, Abstand und ohne die üblichen Lieder.

Wölfersheim – Keine großen Transparente, keine Flugblätter, kein Gesang und immer genügend Abstand zwischen den Teilnehmern: Am 1. Mai trafen sich Mitglieder des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Wölfersheim zu ihrer traditionellen Kundgebung.

Nachdem die traditionelle Veranstaltung bereits im vergangenen Jahr coronabedingt ausfallen musste, hatte sich der DGB-Kreisvorstand in diesem Jahr entschieden, sie abgeändert stattfinden zu lassen: Ohne den traditionellen Weckruf durch den Spiel- und Fanfarenzug, ohne gemeinsames Essen und ohne Gesang.

Pandemie verdrängt vieles

Corona beschäftigt den DGB in besonderem Maße. »Die Pandemiezeit stellt uns alle vor große Aufgaben - sie verdrängt vieles, auf das man mehr schauen muss«, eröffnete DGB-Kreisvorsitzender Karl-Otto Waas die Kundgebung, die in diesem Jahr nicht wie gewohnt in der nahegelegenen Wetterauhalle stattfinden konnte, sondern auf dem Parkplatz hinter dem Wölfersheimer Rathaus.

Hier hatten sich rund 40 Teilnehmer eingefunden - darunter auch einige prominente Gäste, wie der ehemalige SPD-Landesvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel. Unter anderem berichtete Thomas Raupach, Betriebsratsvorsitzender von Mahle, über die vergangenen Tarifrunde

Anstehende Tarifverhandlungen

»Auch wenn es aktuell ruhig erscheint: Es gibt viel zu kämpfen«, sagte Waas. »Im Metallhandwerk stehen Tarifverhandlungen an, dazu ist die Situation in den Krankenhäusern besorgniserregend, und auch das Homeschooling stellt viele vor Probleme - mit all diesen Themen befasst sich auch der DGB.«

»Heute läuft hier alles auf Sparflamme«, meinte Wölfersheims Bürgermeister Eike See in seiner Begrüßung. »Aber das Streben nach sichere Arbeit, fairen Löhnen und Solidarität sind die Anliegen die uns alle verbinden - und sie sind gerade jetzt aktuell, wo unser Land angesichts einer für uns alle noch vor einem Jahr undenkbaren Pandemie vor großen Herausforderungen steht.«

Aber auch eine andere Entwicklung der vergangenen Monate macht dem Bürgermeister Sorgen: »Menschen mit Aluhüten, Esoteriker, rechtes Gesindel und teilweise auch ganz normale aber zutiefst verunsicherte Bürger solidarisieren sich um gegen die Politik auf die Straße zu gehen.«

Demokratische Werte schützen

Und dabei würden mittlerweile alles Regeln über Bord geworfen und die Entwicklungen würden immer beunruhigender. See: »Polizisten und politisch Verantwortliche werden beschimpft und bedroht: Gerade letzte Woche musste sich der Licher Bürgermeister Julien Neubert von mehr als 20 Corona-Leugnern mitten in der Stadt beschimpfen lassen.«

Deshalb wollte See seine Begrüßung auch dafür nutzen, um für die Werte einer demokratischen Gesellschaft zu werben: Toleranz und Dialog sowie die Achtung der Würde jedes Einzelnen.

Mehr bezahlbarer Wohnraum nötig

Die Mairede hielt in diesem Jahr Hans-Joachim Rosenbaum, Regionalleiter der IG BAU Hessen. Der Gewerkschafter aus Friedberg wurde 2018 ins Schattenkabinett von SPD-Spitzenkandidaten Thorsten Schäfer-Gümbel berufen, sollte Minister für Bauen, Wohnen und Landesentwicklung werden.

In seiner Rede sprach er Problempunkte an, denen man entgegenwirken müsse: Lohnungleichheit, Mietkosten, das Erstarken rechter Gesinnungen und der Klimawandel, um nur einige Punkte zu nennen: »Bis 2030 fehlen in Deutschland alleine 200 000 Wohnungen im mittleren und unteren Preisniveau«, sagte Rosenbaum.

Um diesem Problem entgegenzuwirken, seien Investitionen von rund drei Milliarden Euro nur für bezahlbaren Wohnraum nötig. Aber auch die bessere Anbindung des ländlichen Raums an die Städte sei unabdingbar, um dem Wohnraumproblem entgegenzuwirken.

Viele fühlen sich allein gelassen

Auch er kam am Thema Corona nicht vorbei: »Unser Sozialstaat hat in der Corona-Krise funktioniert - aber nicht für alle gleichermaßen. Insbesondere Alleinerziehende und Soloselbstständige fühlen sich alleine gelassen«, erklärte Rosenbaum.

Deshalb - und auch wegen allen anderen angesprochen Themen - sei es unabdingbar, »hohe Einkommen und Erbschaften stärker in die Verantwortung zu nehmen«, wie es auch der DGB fordert. »Der 1. Mai ist auch ein Tag der Solidarität«, rief er in seiner Rede in Erinnerung. Und: »Wir sind als Arbeitnehmer nur stark, wenn wir gemeinsam stehen.«

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