Müssen lange in Haft: Serghei B. (vorne) und Vasili Y. mit Dolmetschern und Verteidigern. 	FOTO: ROHDE
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Müssen lange in Haft: Serghei B. (vorne) und Vasili Y. mit Dolmetschern und Verteidigern. FOTO: ROHDE

Lange Haftstrafen für Bandendiebstahl

  • vonHedwig Rohde
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Wölfersheim/Gießen (doe). Die Jugendkammer der Ersten Großen Strafkammer das Landgerichts Gießen hat am Montag drei Männer zu teils langen Haftstrafen verurteilt. Von ihrer WG in Wölfersheim aus hatten sie Straftaten begangen. Mehrere Fälle gemeinschaftlichen Raubes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, gemeinschaftlichen Diebstahls - teils in besonders schwerem Fall und in Tateinheit mit Sachbeschädigung - sowie gemeinschaftlichen schweren Bandendiebstahls wurden unter Vorsitz von Richter Andreas Wellenkötter verurteilt.

Die drei 27- bis 21-jährigen moldauischen Staatsangehörigen erhielten Haftstrafen von acht Jahren, vier Jahren und zehn Monaten sowie eine Jugendstrafe von fünfeinhalb Jahren. Auch müssen sie Schadensersatz zahlen; zwischen 13 000 und 44 000 Euro.

Es war eine Wohngemeinschaft ganz eigener Art, die sich im Laufe des Jahres 2016 im Domizil des aus der Republik Moldau stammenden Paketfahrers Andrei U. (alle Namen geändert) in Wölfersheim bildete. Von den bis zu acht jungen Moldauern, die - zumeist ohne Ausbildung und ohne Sprachkenntnisse - zeitweise dort zusammenfanden, ging zumindest der 2014 nach Deutschland eingereiste U. einer geregelten Arbeit nach.

Rentner überfallen

Im Lauf des Jahres 2016 zog der damals 19-jährige Serghei B. bei U. ein. B. war zwölfjährig vor seinem gewalttätigen Vater aus dem Elternhaus geflohen. Er hatte die nächsten sechs Jahre in einem Kinderheim verbracht, das ihm allerdings keinen Schulbesuch ermöglichte. Direkt nach Erlangen der Volljährigkeit verließ er seine Heimat, durchstreifte einige europäische Länder und kam schließlich in der Hoffnung auf Arbeit nach Deutschland. Diese Hoffnung zerschlug sich schnell, und es wurde beschlossen, dass er sich seinen Lebensunterhalt durch Einbrüche sichern solle. Ab Anfang 2017 war bei einigen Taten Vasili Y. als Dritter mit von der Partie, womit das wesentliche Kriterium der »Bandenbildung« erfüllt war.

U. fungierte bei den Einbrüchen anfangs als Fahrer - der Verdacht, er habe seine Tätigkeit als Paketfahrer benutzt, um geeignete Objekte auszukundschaften, habe in der Verhandlung nicht abschließend geklärt werden können, stellte Staatsanwalt Matthias Franz am Ende fest. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt hatte das Verfahren geführt, weil U. und seine Komplizen in mehreren Teilen Hessens aktiv gewesen waren.

Insgesamt 21 Einbrüche bevorzugt in frei stehende Einfamilienhäuser, aber auch in Wohnungen und Büros, begangen zwischen September 2016 und März 2017 im Raum Echzell/Hungen/Gießen, hatten U., B. und Y. gleich am ersten Verhandlungstag vor zwei Wochen gestanden. In vier Fällen hatten sie unerwartet die teils hochbetagten Wohnungseigentümer angetroffen, wobei sie nicht zögerten, diese unter Androhung und auch durch Einsatz von Gewalt unter Druck zu setzen.

Dass sie mit ihren umfassenden Geständnissen dem Gericht eine langwierige Beweisaufnahme ersparten, vor allem aber den hochbetagten Zeugen die Aussagen, wurde ebenso zugunsten der Angeklagten gewertet wie ihr seit zweieinhalb Jahren unter Beweis gestelltes Wohlverhalten im Vollzug. Alle drei waren im Frühjahr 2017 nach Großkrotzenburg umgezogen, dort weiter auf Raubzug gegangen und wegen mehrerer Einbrüche unter anderem in Sulzbach und Alzenau im Dezember 2017 vom Landgericht Aschaffenburg zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Sie saßen seither in Haft. Im Zuge des Verfahrens hatte man auch die in Mittelhessen begangenen Taten aufgedeckt.

Mit dem Urteil folgte die Kammer dem Antrag des Staatsanwalts, der in Folge der umfänglichen Geständnisse am unteren Ende des möglichen Strafrahmens blieb. Die vom Landgericht Gießen verhängten Gesamtstrafen beziehen die in Aschaffenburg verhängten und zum Teil bereits verbüßten Strafen mit ein. Dem eher als Mitläufer eingestuften Y. wurde eine Strafverringerung von drei Monaten zugesagt.

In ihren letzten Worten zeigten sich alle drei Angeklagten reumütig; B. und Y. baten um Verzeihung und versicherten, baldmöglich »nach Hause« zurückkehren und ein anderes Leben führen zu wollen. Alle drei sind ausreisepflichtig und werden spätestens nach Verbüßen von zwei Dritteln ihrer Strafen abgeschoben.

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