Glücklich mit ihrer neuen Aufgabe: Hermia Schlichtmann auf der Orgelempore im Frankfurter Kaiserdom FOTO: HAU
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Glücklich mit ihrer neuen Aufgabe: Hermia Schlichtmann auf der Orgelempore im Frankfurter Kaiserdom FOTO: HAU

Ein Kreis schließt sich

  • vonAnnette Hausmanns
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Wölfersheim(hau). Als Hermia Schlichtmann im August vergangenen Jahres am Frankfurter Kaiserdom ihre Stelle als Domkantorin und Leiterin der Knabenchöre antrat, war sie schon sicher, ihren Traumjob gefunden zu haben. Jetzt hat die leidenschaftliche Kirchenmusikerin und Chorleiterin aus Wölfersheim auch die Leitung der Frankfurter Domsingschule und damit die Verantwortung für die gesangliche Grundausbildung von über 300 Mädchen, Jungen und jungen Erwachsenen und mit momentan sieben Stimmbildnern übernommen. "Ich bin überglücklich", strahlt Schlichtmann.

Lange, sehr lange hatten sich die Jungs mit ihrer Chorleiterin Hermia Schlichtmann auf diesen Spätsommerabend vorbereitet. Jetzt endlich, nach fünfmonatiger "Corona-Pause", durften die jungen Sänger im Kaiserdom zu Frankfurt wieder einen Evensong singen. Dankbar lauschen die Zuhörer im Dom St. Bartholomäus unter anderem dem voll Inbrunst vorgetragenen "Bleib bei uns, Herr". Die Chorleiterin aus der Wetterau ist mächtig stolz auf "ihre" Jungs. Über viele Wochen hatte die Domkantorin im Pandemie-Ausnahmezustand für die Knabenchöre Mittel und Wege gefunden, Kontakt mit den jungen Sängern zu halten und nach wenigen Life-Proben unlängst beim ersten musikalischen Abendlob seit März unter den vorgegeben Corona-Bedingungen zu singen.

Kreativ sein in Krisensituationen

Schlichtmann brennt für diese Art von Musik. Eigentlich schon immer. Spätestens aber seit ihrem Studium der Kirchenmusik in Aachen und ihren ersten beruflichen Schritten als Kirchenmusikerin am Niederrhein, wo die gebürtige Münsterländerin vor allem für die Jugendmusik verantwortlich zeichnete.

"Ich liebe es, neue Ideen zu erfinden, neue Türen zu entdecken, neue Konzepte und Welten zu entwickeln, kreativ zu sein in Krisensituationen", blickt sie auf die Herausforderung, den Probenbetrieb unter Corona-Bedingungen wieder anlaufen zu lassen. Noch dazu unter erschwerten personellen Bedingungen: Seit August war die Stelle der Mädchenchorleitung und der Leitung der Frankfurter Domsingschule vakant.

Schlichtmann übernahm die Verantwortung als Leiterin der Domsingschule, leitet weiterhin die Knabenchöre und probt zum Teil auch kommissarisch mit den Mädchen. Die jungen Menschen pädagogisch und organisatorisch zielführend zu leiten, sei ihr eine Herzensangelegenheit, lächelt die Musikerin. "Ganz Frankfurt scheint uns zu helfen", ist Schlichtmann dankbar. Mittlerweile seien die Chorproben und Stimmbildungseinheiten in Kleingruppen auf drei Standorte verteilt: Dom, zwei Kirchen und zwölf Gemeindesäle mit grundsätzlich offen stehenden Türen.

Mit großer Energie wird die musikalische Zukunft gestaltet. Als besonders reizvoll und erfüllend empfindet Schlichtmann die Kombination aus Domkantorei und Domsingschule. "Neben der variationsreichen und farbenfrohen Gestaltung der Liturgie ist es mir wichtig, Chöre aller Gattungen zu einem Netzwerk zu verknüpfen und besonders Kinder und Jugendliche durch die Musik für den Glauben zu begeistern." Die Auftritte der jungen Sänger in den Evensongs und außerhalb des Frankfurter Doms erforderten in dieser außergewöhnlichen Zeit kreative Neuerungen und inhaltliche Anpassungen, ist Schlichtmann ganz in ihrem Element.

"Die Stelle am Frankfurter Kaiserdom ist wie für mich gemacht", fühlt sich Hermia Schlichtmann "sehr glücklich, sehr dankbar und voller Energie". Es sei, als habe sie ihr musikalischer Lebensweg mit all seinen Erfahrungen über viele Stationen schnurstracks zum Hauptportal des Frankfurter Doms geführt. Zum ersten von vielen beruflichen Abschieden habe vor 25 Jahren der Pfarrer ihrer ersten Stelle am Niederrhein für die scheidende Kirchenmusikerin zu deren Schlussliedwunsch "Zeige mir den Weg" eine ganze Predigt kreiert. "In Frankfurt schließt sich der Kreis, ich fühle mich wie angekommen", ist Schlichtmann überzeugt.

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