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Spektakel am Himmel: Tausende Kraniche fliegen über die Wetterau

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Von: Sophie Röder

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Der Zug der Kraniche hat begonnen: Klaus Koller hat den Anblick der fliegenden Zugvögel festgehalten. © Red

Der Zug der Kraniche begeistert viele Menschen. Auf dem Weg in die Brutgebiete im Norden fliegt ein Großteil über die Wetterau. Manche Kraniche haben hier sogar überwintert.

Wölfersheim-Berstadt - Eine sich bewegende Keilformation, das können aufmerksame Beobachter gerade gehäuft am Himmel erblicken: Denn die ersten Kraniche sind aus dem Süden zurückgekehrt und ziehen weiter nach Norden. »Sie fliegen aus Spanien nach Skandinavien, Polen und Norddeutschland«, sagt Udo Seum, u. a. Arbeitskreisleiter Wetteraukreis bei der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) und Beisitzer der NABU-Gruppe Bingenheim.

»Die Kraniche fliegen gemeinsam bis nach Mecklenburg-Vorpommern. Dort teilen sie sich auf und fliegen weiter in ihre Brutgebiete«, erklärt Seum. Ein Teil der Kraniche bleibe direkt in Mecklenburg-Vorpommern, beispielsweise um den Müritzsee. Andere zögen weiter nach Polen oder nach Schweden zum Hornborgasee und in schwedische Moorgebiete. »Da hört man überall Kraniche«, sagt Seum. Wiederum andere verteilen sich von dort weiter in andere skandinavische Länder. Auf ihrer Route, die die Vögel auch durch die Wetterau führt, gibt es hier gleich zwei beliebte Rastplätze in Naturschutzgebieten: zum einen das Bingenheimer Ried und zum anderen die Mittlere Horloffaue nahe Berstadt.

Rund 400 Kraniche haben im Wetteraukreis überwintert

Normalerweise treffen die Kraniche bis Ende Februar, Anfang März in der Wetterau ein. Und dann wieder ab Mitte Oktober, wenn sich die Zugvögel auf dem Flug nach Süden befinden, sagt der Experte.

Doch in diesem Winter habe es eine Besonderheit gegeben: »Durch die fehlende Kälte sind manche Kraniche hier geblieben. Tagsüber haben sie sich über die Wetterau verteilt, abends kamen sie immer in die Mittlere Horloffaue zurück.« Diese rund 400 Kraniche seien von Dezember bis Mitte Februar geblieben. »Doch ein bis zwei Tage vor dem ersten Sturm waren sie plötzlich weg«, sagt Seum. »Sie haben die Veränderung gefühlt und sich auf den Weg nach Norden gemacht.«

Mehrere Tausend Kraniche fliegen über die Wetterau

Wer die ersten Kranichzüge verpasst hat, bekommt dieses Frühjahr gewiss noch einmal die Möglichkeit, die Kraniche - auch bekannt als Vögel des Glücks - mit eigenen Augen zu sehen. »Da kommen noch welche«, sagt Seum. Und nicht gerade wenige: »In Spanien sind aktuell noch 60 000 bis 70 000 Kraniche. Sie warten, bis der Sturm vorbei ist und die Temperaturen höher sind. Denn sie merken, wann sie in die Brutgebiete hinein können.«

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WZ-Leserfotografin Ursula Seeger hat diese Kraniche noch vor ihrem Abflug aus der Wetterau fotografiert. © Red

Wie der NABU auf seiner Internetseite informiert, sind die nächsten Kraniche am Samstag in Spanien gestartet. Diese befinden sich derzeit auf der sogenannten Hessenroute. »Nach dem Durchzug des Sturmtiefs können die Vögel in dessen Rücken nun südwestliche Winde nutzen, die sie rasch voranbringen.«

Um ein genaues Bild vom Zuggeschehen der Kraniche in der heimischen Region zu erhalten, bittet der NABU darum, alle Beobachtungen zu melden. Am einfachsten ist es, die Daten online auf den Internetseiten Naturgucker.de oder Ornitho.de einzutragen. Auf der Naturgucker-Website kann man übrigens auch alle anderen Kranich-Beobachtungen aus Hessen und anderen Bundesländern anschauen. Auf diese Weise lässt sich der Zug der »Glücksvögel« ganz leicht mitverfolgen. (Sophie Mahr)

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