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Leere Klassenräume. Stattdessen sitzen die meisten Schüler zurzeit alleine vor ihrem heimischen Rechner. Das ist für eine Weile schaffbar, aber Schule muss wieder Begegnungsort werden, sagen Lehrer, Schulleitung und Elternbeiratsvorsitzende der Singbergschule. SYMBOLFOTO: DPA

Singbergschule

Kontakt halten trotz Corona

  • Sabrina Dämon
    vonSabrina Dämon
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Morgens Videokonferenz mit dem Deutsch-Lehrer, mittags Mathe-Arbeitsaufträge abarbeiten - Distanzunterricht erfordert viel Organisation. Ein Gespräch über die Situation an der Singbergschule.

Wie es nach den Ferien weitergeht? Präsenzunterricht? Distanz? Eine Antwort gibt es nicht. Wie so oft in den vergangenen Monaten: Entscheidungen werden spontan getroffen und müssen vor Ort umgesetzt werden. »Die Schulen sind alle unterschiedlich. Jeder muss irgendwie seinen Weg finden«, sagt Olaf Bogusch. Er ist der Schulleiter der Singbergschule, auf die rund 1400 Schüler gehen. Aktuell, berichtet er, sind rund 650 davon regelmäßig in der Schule - die Abschlussklassen (sowohl Haupt- und Realschule als auch gymnasiale Oberstufe) sowie die Fünft- und Sechstklässler im Wechselunterricht.

Die Hauptschul-Klasse, in der Thomas Küchenmeister unterrichtet, gehört zum Beispiel dazu. Und, sagt Küchenmeister, der Rektor des Realschulzweigs: »Uns ist in den vergangenen Wochen wirklich bewusst geworden, dass Schule echt Sinn ergibt.« Er meint Schule als Begegnungsort - zwischen Schülern untereinander und mit den Lehrern. Seit seine Schüler wieder in den Klassenräumen sind, sagt er, »freue ich mich jeden Tag darüber, dass wir wieder gemeinsam arbeiten können«. Die Schüler vor sich haben, Reaktionen einschätzen, mal miteinander lachen oder sich streiten - »das ist ganz anders, als wenn alle vor ihrem Rechner sitzen«.

Das sagt auch Nikola Lenz. Die Rektorin ist an der Schule für die Digitalisierung verantwortlich. Die Online-Konzepte klappten, »und es ist erstaunlich, wie gut die Schüler alles mit der Technik hinbekommen«. Dennoch: Präsenzunterricht sei durch Videokonferenzen nicht zu ersetzen. Beispiel Unterricht: Schüler dürfen aus Datenschutzgründen nicht dazu verpflichtet werden, ihre Kamera anzuschalten. Es sei zwar möglich, sie direkt anzusprechen, sodass sie im Chat oder über das Mikrofon antworten. Aber: »Es gibt auch einige, die sich total scheuen, über das Mikrofon zu reden.«

Keine Klassenarbeiten

Dafür bieten die Online-Klassenräume aber auch Möglichkeiten, erzählt Dominik Reh. Der Referendar unterrichtet seit Februar eigene Klassen - manche online, andere im Präsenzunterricht. Ein Beispiel sind »Wasserfall-Chats«. Bedeutet: Der Lehrer stellt eine Frage, bittet die Schüler, die Antwort in den Chat zu schreiben, und auf sein Kommando schicken alle die Nachricht gleichzeitig ab - damit keiner von den Antworten der anderen beeinflusst wird. Zudem ist es möglich, zu fragen, ob alle alles verstanden haben. Die Schüler können mit virtuellen Handzeichen antworten, die nur der Lehrer sieht. Im Vergleich zum Melden im Klassenraum ist die Hemmschwelle kleiner.

Online-Unterricht besteht aber nicht nur aus Videokonferenzen. Zum Teil werden Arbeitsaufträge hochgeladen. Das kann, bei all den Fächern, eine Menge Stoff sein, dessen Bewältigung große Selbstorganisation erfordert - und womit sich die regulären Schulzeiten verschieben. Das hat Bärbel Armenat bei ihren Kindern beobachtet. »Sie haben sich gut an die Situation gewöhnt«, sagt die Vorsitzende des Schulelternbeirats. Sie berichtet davon, dass - anders als früher - ihre Kinder abends ihre Schul-E-Mails prüfen. Schauen, was für den nächsten Tag auf dem Plan steht. »Das entwickelt sich schon Richtung Homeoffice.«

Letztlich, sagt Lenz, können digital zwei Drittel des eigentlich vorgesehenen Unterrichtspensums bewältigt werden. Klassenarbeiten seien über Distanzunterricht nicht möglich: »Weil die Leistungsfeststellung gewährleistet sein muss.« Und nicht überprüfbar sei, ob jeder Schüler seine Aufgaben alleine mache. Zumal es hin und wieder Berichte darüber gibt, dass Eltern neben ihren Kindern sitzen und helfen. Und auch so manch ein Vokabeltest passe nicht zu dem, was der jeweilige Schüler normalerweise abgeben würden.

Doch es gibt auch die gegensätzlichen Fälle, bei denen die Eltern nicht hinterher sind, dass die Organisation klappt. Kinder, die ohnehin Probleme in der Schule haben, bleiben jetzt erst recht zurück, sagt Küchenmeister. Deswegen helfe trotz moderner Technik manchmal nur ein Telefongespräch. Überhaupt müsse man darauf achten, Kontakt zu halten. Deswegen würden auch Schüler in die Schule bestellt - tageweise in Einzelbetreuung.

Aktuell sei Digitalunterricht zwar eine passable Lösung, dennoch: »Ich sehe die Zukunft nicht darin, dass Schüler zu Hause sitzen«, sagt Küchenmeister. Einiges werde bleiben, etwa freiwillige Digitalangebote wie Online-Nachhilfe. Aber: »Präsenzunterricht ist für alle Beteiligten nach wie vor dringend nötig.«

»Schule besteht nicht nur aus Pflichtunterricht«, sagt Schulleiter Olaf Bogusch. »Daneben gibt es viele Projekte und Angebote.« Damit die pandemiebedingt nicht untergehen, würden viele davon auch digital angeboten. Etwa das Projekt »Dialog P«, das für Zehntklässler ursprünglich als Präsenzveranstaltung geplant gewesen ist, nun online angeboten wird. Hauptteil ist ein Gespräch mit Abgeordneten des Landtags. Zudem ist die Berufsbörse online angeboten worden oder ein Seminar zum Thema »Kommunale Selbstverwaltung«. Was jedoch ein Problem sei: Praktika, verpflichtend für bestimmte Jahrgänge. Ob das klappt, ist aber nicht sicher. Ebenso sind die Oberstufenklassen in den vergangenen Jahren nach Berlin gefahren. »Es ist schon bitter, wenn man nichts unternehmen kann«, sagt Thomas Küchenmeister. Geplant ist aber eine Festwoche für November - zur Wiedervereinigung. sda

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