+
Das Gemüse, das die Gemeinde vom Solawi-Feld erhält, reicht für zwei Erwachsene, aber kaum für alle Kita-Kinder, bemängeln die Grünen. Dafür könnten die Kinder hier erleben, wie gesunde Biolebensmittel angebaut werden, argumentiert der Bürgermeister. FOTO: PM

"Kleines, grünes Feigenblatt"

  • schließen

Wölfersheim(hed/pm). "Regional, biologisch und gesund - so stelle ich mir Lebensmittel für unsere Kindergärten vor." Mit diesen Worten hatte Bürgermeister Eike See für den Beitritt Wölfersheims zu "Solidarische Landwirtschaft Frankfurt am Main" (Solawi) geworben. Dabei reiche der Ernteanteil, den die Gemeinde als Mitglied erhält, gerade mal für zwei Erwachsene, teilen die Grünen nun mit. Sie werfen dem Bürgermeister vor, der Beitritt diene lediglich Werbezwecken. Der SPD-Bürgermeister verteidigt sich.

Die Gemeinde Wölfersheim, treibe mit dem Rewe-Logistikzentrum die Vernichtung von ca. 30 Hektar Ackerland voran und stehe damit für Strukturen, die mit den Zielen von Solawi unvereinbar seien, sagt der Fraktionsvorsitzende Michael Rückl (Grüne). Der Beitritt sei durch und durch unglaubwürdig. Noch vor zwei Monaten hätte die SPD die Umwidmung von 20 000 Euro zur Förderung regionaler Produkte in den Schul- und Kitaessen abgelehnt - laut See, weil die Kommune für das Mittagessen der Schulen nicht verantwortlich ist, sondern der Wetteraukreis.

Die Grünen habe dem von der SPD forcierten Beitritt zwar zugestimmt, "weil wir das Solawi-Ziel der Produktion und Direktvermarktung regional, saisonal und biologisch erzeugter Lebensmittel grundsätzlich gut finden", sagt Rückl. Doch schon in der Sitzung habe man Kritik geäußert. Der beschlossene Ernteanteil von 75 Euro monatlich sei als Beitrag zur Versorgung der Kindergärten vernachlässigbar, entspreche er doch gerade mal einer gut 100 Quadratmeter großen biologisch bewirtschafteten Ackerfläche. "Es passt nicht, sich an solidarischer Landwirtschaft zu beteiligen, den Landwirten aber massiv bestes Ackerland zu entziehen", so die Grünen. Die Gemeinde mache es wie der Rewe-Konzern und versuche, sich "grün zu waschen". Der Beitritt sei "nicht mehr als ein kleines, grünes Feigenblatt auf der rücksichtslosen Politik gegenüber den Belangen von Natur und Umwelt".

Es sei bedauerlich, dass die Grünen "bei dem in meinen Augen tollen Solawi-Projekt, erneut die Anti-Rewe-Brille" aufsetzten und versuchten, gegen die Ansiedlung des zweitgrößten hessischen Arbeitgebers mit 550 Arbeits- und 20 Ausbildungsplätzen Stimmung zu machen, urteilt Bürgermeister Eike See. Er sieht den Beitritt als sinnvolle Ergänzung des Ernährungskonzepts in den Kitas, das über ein Jahr hinweg durch die Gemeinde, die acht Kita-Leiterinnen, unter Einbindung der Eltern sowie des Instituts für Sporternährung Bad Nauheim erstellt worden sei. Neben den Punkten Regionalität und biologischer Anbau seien noch weitere Punkte eingeflossen. "Als Beispiel lässt sich der Anteil des Fleisches für die Mahlzeiten aufzählen."

See verweist auf regionale Erzeuger

Die Kinder könnten künftig auf dem Solawi-Feld erleben, wie Lebensmittel angebaut werden. Die Gemeinde pflege seit vielen Jahren eine enge Beziehung zu regionalen Erzeugern wie dem Bauernhof Spargel Hofmann in Södel, den Metzgereien Pfarrer und Hofmann in Melbach und Wölfersheim oder der Kelterei "61zwoohundert". See: "Diese und viele weitere regionale Erzeuger nehmen schon lange an unserem Markt der Regionen teil und helfen immer wieder bei unterschiedlichen Kita-Aktionen. So wird zum Beispiel in unseren Kindergärten nur noch selbst erzeugter Apfelsaft aus Wölfersheim ausgeschenkt, den unsere Kita-Kinder selbst gepresst haben."

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare