Soll die Kläranlage am Wölfersheimer See modernisiert werden? Oder sollen die Abwässer nach Utphe geleitet werden? Vor einer Entscheidung wollen die Gemeindevertreter erst ein finanzielles Gutachten sehen. Dieses liegt nun vor. FOTO: PM
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Soll die Kläranlage am Wölfersheimer See modernisiert werden? Oder sollen die Abwässer nach Utphe geleitet werden? Vor einer Entscheidung wollen die Gemeindevertreter erst ein finanzielles Gutachten sehen. Dieses liegt nun vor. FOTO: PM

Kläranlage

Kläranlage Wölfersheim: Entscheidung steht an

  • vonred Redaktion
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Das Thema Wölfersheimer Kläranlage wird seit einigen Wochen diskutiert. Nun liegt ein finanzielles Gutachten vor, auf dessen Basis die Gemeindevertreter über die Zukunft der Anlange entscheiden sollen.

Die Fragen, um die es geht: Soll die Kläranlage am Wölfersheimer See modernisiert werden? Oder sollen die Abwässer nach Utphe geleitet werden? Eine Entscheidung steht noch aus - denn, so haben es die Gemeindevertreter mehrheitlich in der vergangenen Sitzung entschieden: Erst soll ein finanzielles Gutachten erstellt werden. Mit diesem sollen u. a. die finanziellen Auswirkungen für die Wölfersheimer der jeweiligen Varianten untersucht werden - sowohl die Gebührenentwicklung für die Bürger als auch die reine liquide Situation.

Wie es nun in einer Pressemitteilung aus dem Rathaus heißt, liegt das Ergebnis des Gutachtens vor: Demnach wäre es für die Bürger am günstigsten, das Abwasser in die Verbandskläranlage nach Utphe zu pumpen. Bürgermeister Eike See sagt dazu: "Die Sachlage ist eindeutig. Das Ergebnis hätte jedoch auch anders aussehen können. Die Parlamentarier können zum Beginn des Jahres eine Entscheidung über die Abwasserentsorgung unserer Gemeinde und damit auch für die Zukunft der Wasserqualität unseres schönen Wölfersheimer Sees treffen."

Gewässertherapie und Regenbecken

Die Zukunft des Sees ist eng mit der Kläranlage verknüpft. Denn, das ist bereits durch andere Gutachten festgestellt worden: Das geklärte Abwasser ist der einzig nennenswerte Zulauf in den See und für diesen schädlich.

Unabhängig von der anstehenden Entscheidung zur Kläranlage haben die Gemeindevertreter bereits Investitionen auf den Weg gebracht, die die Qualität des Seewassers verbessern sollen. So wurde beschlossen, dass ein Regenüberlaufbecken errichtet und mit einem Feststoffrückhalt ausgestattet wird. Dafür werden 1,85 Millionen Euro investiert. Ein solches Becken diene als Puffer. Wassermassen, die bei einem Starkregen auftreten, werden darin zwischengespeichert und nach und nach verarbeitet.

Eine weitere Investition: Der See bekommt eine Gewässertherapie. Denn: Im Sommer habe der See ab unter zwei Metern Wassertiefe bis zum Grund in 18 Metern Tiefe keinen Sauerstoff mehr. Dadurch könne sich der am Grund abgesetzte Phosphor wieder in das Wasser zurücklösen. Der See dünge sich dadurch intern immer weiter. Die Fische haben nur einen schmalen Lebensraum zur Verfügung. Sie können nur zwischen der Wasseroberfläche und drei Metern Tiefe leben. Ein ökologischer Kollaps könne jederzeit stattfinden. Besonders gefährlich sei es, wenn sich die Wasserschichten miteinander vermischten.

Fischsterben verhindern

Dadurch würde der Sauerstoffgehalt der oberen Wasserschichten noch weiter sinken, und es käme zu einem Fischsterben. Möglich wäre dies zum Beispiel bei einem starken Hagel im Sommer. Um die Wasserschichten (thermische Schichtung) zu erhalten, soll eine Tiefenbelüftung durchgeführt werden. Dabei wird das Tiefenwasser künstlich mit Sauerstoff angereichert. Die Gemeindevertreter beschlossen, unverzüglich mit einer solchen Gewässertherapie zu starten und dafür rund 350 000 Euro zu investieren. Das Büro Fluvalis soll beauftragt werden, die technische und bauliche Umsetzung mit den zuständigen Wasserbehörden und dem Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie zu begleiten.

Nach der Inbetriebnahme der Tiefenwasserbelüftung und den ersten messbaren Erfolgen dieser Maßnahme müsse der im See in hohen Konzentrationen vorhandene Phosphor verringert werden. Die Tiefenbelüftungsanlagen sollen so ausgestattet werden, dass Eisensalz in den unteren Wasserschichten eingebracht werden kann. Dieses Salz kommt auch in der Natur so vor. Der im Wasser gelöste Phosphor bildet mit dem Eisensalz eine Verbindung, flockt aus und sinkt zu Boden. Phosphor wird somit ausgefällt und ist im See nicht mehr biologisch verfügbar. Im gesamten Seewasser kann somit die Konzentration an gelöstem Phosphat verringert werden. Dadurch wird die derzeit übermäßig hohe Produktion (das Algenwachstum) im durchlichteten Bereich reduziert. Das Tageslicht kann tiefer eindringen, und im durchlichteten Bereich wird Sauerstoff produziert. Weiterhin bildet sich weniger Biomasse, die beim Absinken unter Verbrauch von Sauerstoff mikrobiell abgebaut wird. Dadurch wird die Sauerstoffzehrung in den tiefen Bereichen verringert. Um die Wasserwerte weiter im Blick zu behalten, wurde beschlossen, Beprobungen und Untersuchungen durchzuführen.

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