Jäger Olaf Warnke zeigt einen Teil des EU-Vogelschutzgebietes Wetterau in Berstadt. Im Feuchtgebiet im Hintergrund, in dem sich Brutplätze von geschützten 

Vogelarten befinden, wird bereits nicht gejagt, sagt er. Dem Naturschutzbund reicht das aber nicht. Er fordert ein Jagdverbot für Vögel im gesamten Schutzgebiet, die Jagdzeiten für anderes Wild zu verkleinern und klare Erhaltungsziele zu formulieren. 	FOTOS: NIC
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Jäger Olaf Warnke zeigt einen Teil des EU-Vogelschutzgebietes Wetterau in Berstadt. Im Feuchtgebiet im Hintergrund, in dem sich Brutplätze von geschützten Vogelarten befinden, wird bereits nicht gejagt, sagt er. Dem Naturschutzbund reicht das aber nicht. Er fordert ein Jagdverbot für Vögel im gesamten Schutzgebiet, die Jagdzeiten für anderes Wild zu verkleinern und klare Erhaltungsziele zu formulieren. FOTOS: NIC

Vogelschutzgebiet

Jäger kritisiert Forderungen des NABU zum Vogelschutzgebiet Wetterau

  • vonSebastian Schmidt
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Ob Jagen ein wichtiger Teil des Naturschutzes ist, ist umstritten. Jäger verteidigen ihre Arbeit - der Naturschutzbund kritisiert sie und will schärfere Vorschriften, auch im Vogelschutzgebiet Wetterau.

Jäger Olaf Warnke aus Berstadt hält aktuelle Forderungen des Naturschutzbundes Hessen (NABU) für weltfremd: »Der NABU kennt die Verhältnisse vor Ort nicht und will pauschale Regelungen, die letztendlich dem Naturschutz zuwiderlaufen.« Der NABU sieht das Vogelschutzgebiet Wetterau nicht ausreichend geschützt und fordert: keine Jagd mehr auf Vögel, Jagd auf anderes Wild auf zwei Monate beschränken und Erhaltungsziele festlegen.

Vögel verursachen Schäden an Feldern

Warnke ist seit 2013 Jagdpächter im Gebiet »Mittlere Horloffaue«. Das Gebiet hat der NABU auch in seinen Forderungen genannt. »Mein Schwager und ich kümmern uns hier um ein 750 Hektar großes Gebiet.« Dazu gehöre auch ein Naturschutzgebiet, an das Äcker und die B455 grenzen. Eine ihrer Aufgaben sei es, den Vogelbestand auf den angrenzenden Feldern zu regulieren. »Da sitzen zeitweise 300 bis 400 Gänse auf dem Acker. Die verursachen den Bauern große Schäden.«

Der NABU fordert, dass die Jagd auf Vögel im Naturschutzgebiet komplett verboten werden soll. Für Warnke zeige sich darin, dass der NABU nicht wisse, wovon er spreche: »In den Brutgebieten im Naturschutzgebiet wird bereits gar nicht gejagt. Das haben wir mit den örtlichen Naturschützern der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) ausgemacht.« Udo Seum von der HGON Wetterau bestätigt das auch.

Abseits von den Brutstätten, aber immer noch im Naturschutzgebiet jagen sie nur mit Schalldämpfern Schalenwild, sagt Warnke. Schalenwild seien zum Beispiel Rehe oder Wildschweine.

NABU will kürzere Jagdzeiten für Schalenwild

Dass der NABU jetzt die Jagd auf diese Tiere auf zwei Monate beschränken möchte, sei mit dem Ziel des Vogelschutzes nicht zu vereinbaren. »Wir haben hier in der Gegend sehr viele Wildschweine. Das liegt an den Maisfeldern für die Biogas-Anlage. Die Schweine finden da sehr viel Nahrung und gute Versteckmöglichkeiten.« Wenn sie die nur noch zwei Monate im Jahr bejagen würden, käme es zu einer unkontrollierbaren Population. Die Wildschweine als Allesfresser gefährden am Boden brütende Vögel, sagt Warnke.

Mark Harthun vom NABU Hessen ist der Auffassung, dass die Störung durch die Jagd schlimmer für die Vögel sei als ihr Nutzen. Durch das Jagen werden Vögel aufgeschreckt und verlassen das Gebiet. »Es ist auch eine Illusion zu glauben, dass man durch die Jagd regulatorisch eingreifen kann.« Durch die Jagd geschaffene Lücken in der Population von diesen Tieren würden schnell wieder geschlossen werden.

Erhaltungsziele im Naturschutzgebiet

Die Forderung des NABU, Erhaltungsziele festzusetzen, hält Warnke für problematisch. »Wir erfassen Zahlen zum Beispiel bei den Hasen. Da haben wir letztes Frühjahr 180 Tiere gezählt, und im Herbst waren es nur noch 60. Zwei Drittel der Population ist also verstorben. Deswegen jagen wir hier keine Hasen.« Bei anderen Tieren mache es aber wenig Sinn. Wenn normalerweise zehn Rehe da sein würden und plötzlich wären es 30, würden sie nicht einfach 20 schießen. »Da muss man sich die Gesamtsituation anschauen.« Ein starres Erhaltungsziel könne die aktuellen Gegebenheiten in einem Gebiet nicht ausreichend berücksichtigen. Außerdem erfasse die HGON bereits die Anzahl der Vögel. Seum sagt dazu: »Das stimmt. Wir dokumentieren die Vogelsichtungen auf www.ornitho.de.«

»Es heißt immer die bösen Jäger.«

Harthun erklärt, dass die Erhaltungsziele nur für bedrohte Arten in den EU-Vogelschutzgebieten gelten würden und nicht für Rehe. »Da hat der Jagdpächter vielleicht etwas falsch verstanden.« So ein Ziel müsse auch nicht die Anzahl der Tiere betreffen, sondern könne zum Beispiel ein Gebiet festlegen: »Wir schaffen ein Feuchtgebiet von 8 Hektar und erhalten das.«

Warnke sagt, dass auch ihm der Naturschutz wichtig sei. »Es heißt immer die bösen Jäger, aber zum Beispiel durch das Bejagen der Raubtier-Populationen werde die restliche Tierwelt geschützt. Er betont: »Genau wie der NABU wollen auch wir und die HGON die Tierwelt schützen, aber der NABU trifft pauschale Aussagen, ohne sich vor Ort schlau zu machen.«

Harthun widerspricht: Das sei die typische Argumentation von Jägern, wenn es um das Jagen gehe. »Und der NABU hat sehr gute örtliche Kenntnisse in dem Gebiet.«

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