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Im Wetterauer Wald der Weihnachtsbäume

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Von: Sophie Röder

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Im Wald der Familie Wodarz stehen ganz kleine, aber auch sehr große Weihnachtsbäume. © Sophie Mahr

Hubertus Wodarz hat ein ungewöhnliches Hobby: Der Wölfersheimer züchtet Weihnachtsbäume. Bei einem Spaziergang durch den Wald erklärt er, worauf es bei der Christbaumzucht ankommt.

Vögel zwitschern, Tannengeruch liegt in der Luft im kleinen Wald bei Wölfersheim. Doch es ist kein gewöhnlicher Wald, sondern die Weihnachtsbaumplantage der Familie Wodarz.

»Das ist mein Hobby«, sagt Hubertus Wodarz. 1957 hat sein Vater mit der Weihnachtsbaumzucht in Wölfersheim-Melbach begonnen. Nach dem Tod des Vaters 1978 hat Wodarz die Zucht fortgeführt. »Ich habe es immer nebenberuflich gemacht. Das war ein schöner Ausgleich. Jetzt wird es langsam zu groß«, sagt der 70-jährige Rentner. Die Plantage ist im Laufe der Jahre auf fünf Hektar angewachsen. Wie viele Bäume dort stehen, ist unbekannt.

Damit die Wetterauer regionale Weihnachtsbäume kaufen können, pflanzt die Familie jährlich um die 5000 Tannen. Auf den neueren Feldern stehen die Bäume in Reih' und Glied. Je tiefer man in das Wäldchen hinein läuft, desto ungeordneter stehen die einzelnen Bäume. Dort gilt: Es wird gepflanzt, wo gerade Platz ist. Während man durch das Wäldchen streift, um sich einen Weihnachtsbaum auszusuchen, sollte man darauf achten, nicht auf die jungen Exemplare zu treten. So manch ein Gewächs ist erst zehn bis 15 Zentimeter groß und wird leicht übersehen.

Wetteraukreis: Nordmanntanne als beliebtester Weihnachtsbaum

Die Mehrzahl der Bäume sind kleine Nordmanntannen. Das sei in den letzten Jahren die Sorte, die die Kunden bevorzugen. »Die Blaufichten waren einfacher, doch die gehen nicht mehr«, sagt Wodarz. Normalerweise werde im Frühjahr - also nach der Saison - gepflanzt. Durch die Erweiterung der eigenen Ländereien habe die Familie im November erneut Pflänzchen gesetzt. Diese haben drei bis vier Jahre Zeit, um zu einem stattlichen Weihnachtsbaum zu wachsen.

Bis dahin wartet auf Wodarz viel Arbeit: Er muss regelmäßig zwischen den einzelnen Tannen mähen. Von April bis Oktober unterstützen Schafe die Mäharbeiten; zudem sorgen sie für natürlichen Dünger. Die Bäume zu düngen sei wichtig, da ansonsten Schäden entstünden. Die Tannen, die zu wenig Dünger abbekommen haben, erkennt man an ihrem nicht ganz so satten Grün. Auch auf Schäden durch Pilze achtet Wodarz. Gespritzt werde nur dann, wenn es nicht anders gehe. In diesem Jahr musste die Familie gar nicht spritzen.

Weihnachtsbäume aus der Wetterau: Verschiedene Größen zur Auswahl

Für einen attraktiven Weihnachtsbaum sei entscheidend, dass Nadeln und Spitze schön seien. »Da wird dann auch Friseur gespielt«, sagt Wodarz und knipst einen abstehenden Ast ab. Die kleineren Tannen bekommen ab und an einen »Haarschnitt« von Hasen, die durch den Wald hoppeln und diese anknabbern. »Das ist okay«, sagt Wodarz, »es ist ja ein Wald.«

Nicht alle Tannen werden als Weihnachtsbäume verkauft. Einige sind so hoch gewachsen, dass sie in keine Wohnung passen. Manche seien so groß geworden, weil keiner sie haben wollte. Andere habe die Familie stehen lassen, damit es ein Wald bleibe.

Auf einem älteren Abschnitt steht noch eine weitere Baumsorte: die Arizonica. »Davon verkaufen wir die Äste an Gärtner, damit sie Adventsge-stecke machen können«, erklärt Wodarz. Diese Bäume sind zum Teil schon 15 Jahre alt und entsprechend groß. Die gängigen Weihnachtsbäume seien zwischen zwei und zweieinhalb Metern hoch. Doch die Kunden kaufen auch andere Größen. »Die Leute schauen sich um und entscheiden, je nachdem was da ist.« Wer den Blick schweifen lässt, sieht schnell, wie viele verschiedene Größen es gibt.

Keine Lieferengpässe beim Weihnachtsbaum aus dem Wetteraukreis

Unter der Woche kann man die Bäume am Stand der Familie in Wölfersheim kaufen. Wodarz achtet beim Fällen auch darauf, welcher Baum bereit sei und wo andere Tannen wieder Platz bräuchten. Wer sich seinen Weihnachtsbaum aussuchen möchte, kann an den Wochenenden auf die Plantage fahren. Nur eins geht nicht: Früher durften die Kunden ihre Bäume selbst fällen. »Doch dann habe ich entdeckt, dass viele Bäume angesägt waren«, sagt Wodarz. Wer den Baum nicht abholen kann, bekommt ihn auch geliefert. Sorge um Engpässe, wie sie es in diesem Jahr bei vielen Holzprodukten gibt, brauchen die Wetterauer laut Wodarz nicht haben.

Auf die Frage, wie viel Zeit er im Wald verbringt, lacht Wodarz zunächst, bevor er antwortet: »Mein Frau sagt, das ist mein erster Wohnsitz.« Mit vier Stunden Arbeit täglich könne man schon rechnen. Dabei wird der 70-Jährige auch von seinem Sohn unterstützt. »Er macht es als Hobby, und möchte die Zucht später übernehmen.«

Tipps zur Lagerung des Weihnachtsbaums

Anfang November hat Hubertus Wodarz den ersten Weihnachtsbaum der Saison verkauft. Dass Weihnachten da noch über einen Monat entfernt war, sei bei der richtigen Lagerung kein Problem: Bleibe die Tanne draußen, mache es ihr nichts aus, früh geschlagen zu werden. Wer die Tanne nicht draußen lagern könne, sondern sie direkt in die Wohnung stellen möchte, sollte sie frühestens 14 Tage vorher holen. Auch dann rät Wodarz, diese erst mal draußen liegen lassen, zum Beispiel auf dem Balkon.

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Der Wölfersheimer Hubertus Wodarz züchtet in einem kleinen Wäldchen Weihnachtsbäume. © Sophie Mahr

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