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Teures Bauholz: Verlässliche Angebote zu machen ist derzeit schwierig, sagt der Wölfersheimer Dachdecker- und Zimmerermeister Timo Knaupp.

Steigende Nachfrage

Heimische Unternehmen in Sorge: Holz wird knapper und deutlich teurer

  • Rüdiger Geis
    VonRüdiger Geis
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Bauholz ist vielerorts knapp und teuer geworden. Davon kann der Wölfersheimer Dachdecker- und Zimmerermeister Timo Knaupp ebenso ein Liedchen singen wie Jan Drullmann, Holzhändler in Altenstadt.

Wer baut, rechnet nicht selten mit spitzer Feder. Preissteigerungen in bestimmten Gewerken können da gravierende Folgen für die Finanzierung haben. Steigende Nachfrage aber sorgt für weniger Angebot und damit für höhere Preise - wie zum Beispiel beim Bauholz.

»Aufgrund der Verteuerung ist es sehr schwer geworden verlässliche Angebote zu erstellen. Daher wird Konstruktionsvollholz und Brettschichtholz bei uns zu Tagespreisen abgerechnet und unsere Angebote erhalten alle eine Preisgleitklausel«, erklärt Timo Knaupp vom Wölfersheimer Dachdecker- und Zimmererbetrieb Knaupp. »Wir mussten bisher noch keine Aufträge zurückstellen, es haben sich aber manche Projekte etwas verzögert, da wir auf die Holzlieferung länger warten mussten als sonst.«

Der Einkaufpreis beim Konstruktionsvollholz sei um mehr als das Doppelte gestiegen, bei Dachlatten sogar auf das Vierfache. »Dies merkt man natürlich in den Angebotspreisen. Unsere Kunden hatten glücklicherweise bisher immer Verständnis für die Problematik und waren damit einverstanden die höheren Kosten zu tragen.« Ein großes Problem habe die ganze Situation noch verschärft: Viele Betriebe hätten genauso reagiert, wie es die Menschen bei Corona mit Toilettenpapier und Nudeln gemacht haben: »Als es Signale von möglichen Lieferengpässen gab, haben viele Betriebe große Mengen an Materialien bestellt und sich die Lager gefüllt. Solch ein Handeln trägt dazu bei das sich die ganze Situation noch mehr verschärft«, sagt Knaupp.

Das Problem ist seiner Erfahruing nach aber bereits seit vielen jahren langsam gewachsen: »Es gibt kaum noch kleine Sägewerke, sondern nur wenig große Konzerne. Denen ist es egal, wo das Holz hingeht.« Auch der Do-it-yourself-Boom während der Pandemie habe dazu beigetragen.

»Viele Betriebe rufen jetzt nach deutschen Strafzöllen auf Holz oder ein Exportstopp. Da wir in Deutschland aber mehr Waren aus dem Ausland importieren als exportieren, kann sich das auch schnell rächen«, sagt Knaupp. »Trotzdem sollte man noch mal darüber debattieren ob es sinnvoll ist, in Deutschland geschlagenes Holz in großen Mengen ins Ausland zu liefern, wenn hier Zimmereien mit vollen Auftragsbüchern Kurzarbeit machen müssen, da das Material nicht beikommt. Da sollte man vielleicht doch Möglichkeiten ausloten um dies zu regulieren.«

Gute Auftragslage

Immerhin: Die Auftragslage sei weiterhin sehr gut. »Wir sind bereits bis nächstes Jahr April mit Aufträgen versorgt und müssen sogar Aufträge ablehnen, da wir dieses Jahr keine freien Kapazitäten mehr haben«, berichtet der Dachdecker und Zimmerermeister. Er hofft, dass sich bis zum Ende des Jahres die Lage wieder halbwegs entspannen wird.

Längere Wartezeit

»Definitiv ist die Lieferfähigkeit gerade für die Schnelldreherprodukte stark eingeschränkt. Lieferzeiten für bestimmte Produkte belaufen sich teilweise inzwischen auf zwei bis drei Monate, vor einem halben Jahr war ein bis zwei Wochen hier Standard«, berichtet Jan Drullmann von der System-Holz Handels GmbH in Altenstadt. »Anfragen aus dem gesamten Bundesgebiet haben uns täglich ereilt. Meine Aufgabe als Geschäftsleitung bestand teilweise darin, zu entscheiden, wer welche Mengen der angefragten Ware bekommen kann.« Teilweise habe man Anfragen komplett absagen müssen. Kunden, die sonst alles aus einer Hand bekommen haben, mussten somit bei mehreren Händlern zukaufen - wenn das Gewünschte überhaupt erhältlich war.

Erschwerend sei hinzugekommen, »dass die Industrie unsere Bestellungen teilweise stornierte, geliefert wurde nur eine Teilmenge, diese wurde an Vorjahresmengen kontingentiert«. Einigen seiner Kunden sei es nicht möglich gewesen, ihre Aufträge abzuarbeiten, »teilweise musste in Kurzarbeit gegangen werden«, sagt Drullmann.

Die weitere Entwicklung sei aktuell nicht absehbar. Auch wenn viele eine Tendenz der Preissenkung erhoffen. Drullmann ist eher pessimistisch: »Ich glaube aber, es wird sich definitiv nicht mehr auf die niedrigen Preise, die wir vor etwa sechs Monaten hatten, bewegen. Wir werden alle deutlich höhere Preise als in der Vergangenheit für viele Baustoffe, unter anderem auch Holz, zahlen müssen.«

Bauholz: Große Nachfrage und Hamsterkäufe

Die Entwicklung auf dem Bauholzmarkt ist nach Angaben von Jan Drullmann (System-Holz Handels GmbH Altenstadt) aktuell durch mehrere Faktoren geprägt:

USA: Der Holzbedarf am amerikanischen Markt ist in letzter Zeit extrem angestiegen. Dies hängt mit freigewordenen Milliardenbeträgen zusammen, die durch die neue amerikanische Regierung für Bauvorhaben eingesetzt werden. Gleichzeitig kann/will der eigentliche große Holzlieferant Kanada aktuell diese Mengen nicht liefern. Die Amerikaner haben seit Jahrzehnten schon einen sehr hohen und nicht mit dem deutschen Markt vergleichbaren Holzpreis. Das heißt sehr große Mengen an fertiger Ware wie Konstruktionsvollholz geht dadurch in den Export, da die Amerikaner bereit waren noch mehr Geld an die Industrie zu bezahlen.

China: Sehr große Mengen der im Wald liegenden Fichten- und Tannenrundhölzer gehen per Seeschiff nach China, dies führt wiederum zu einer Rohstoffverknappung für die Industrie in Inland.

Binnenmarkt: Die gestiegene Nachfrage am deutschen und europäischen Markt im gesamten Bausektor, führt ebenfalls zu einer Bedarfserhöhung.

Hamsterkäufe: Durch den explosionsartigen Anstieg der Holzpreise sind teilweise auch Hamsterkäufe getätigt worden. Preissprünge von Woche zu Woche um je zehn bis 15 Prozent sind keine Seltenheit. Durch Normung vorgeschriebene Dachlatten zum Beispiel, die unumgänglich für jedes Bauvorhaben sind, haben sich seit November die Preise fast mit Faktor »x4« gesteigert, beschreibt Drullmann die Situation.

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